Schwetzingen

Wollfabrik Julie André und Laurent Leroi singen französische Lieder / Caroline Kärcher erzählt Geschichte mit bloßen Händen

Chansons treffen auf Schattenwelt

Archivartikel

Ein klein wenig Frankreich zaubern Julie André und Laurent Leroi bald auf die Bühne der Wollfabrik. Sie präsentieren am Mittwoch, 26. Juni, 20 Uhr, einen facettenreichen Streifzug voller Charme und Nostalgie mit Liedern, die die kleinen Geschichten des Lebens erzählen. Werke, die einst von den großen Chanson-Ikonen Frankreichs gesungen wurden, interpretiert das Duo bei seinem Auftritt mit musikalischer Finesse. Gleichzeitig ziehen die Sängerin und der Akkordeonist auf der Spur weniger bekannter Stücke durch die französischen Hinterhöfe, die versteckten kleinen Cafés und Kneipen, in denen in den 1920er Jahren der Java getanzt wurde.

Die in England geborene und im französischen Cannes aufgewachsene Julie André hat eine klangvolle, dunkle Stimme mit eigenem Charakter.

Laurent Leroi liefert die stimmige Instrumentalbegleitung, lässt sein Akkordeonspiel in unberechenbarem Wellengang wogen, schickt es auf sprunghafte, jazzige Erkundungsstreifzüge, zaubert dann wieder alle erdenschwere Melancholie hervor, die in dem hölzernen Klangkörper schlummert.

In der Wollfabrik werden „Chansons von Georges Brassens, Mistinguette, Barbara, Serge Gainsbourg, Jacques Dutronc, aber auch unbekanntere Interpreten aus dem Musette-Repertoire, die schon unsere Eltern zum Tanzen gebracht haben, präsentiert“, verspricht Leroi.

Die Musiker haben versucht, unbekanntere Chansons der Künstler auszusuchen, „also nicht die üblichen Verdächtigen wie ,Milord‘ oder ,Non, je ne regrette rien‘ und so weiter, die man in jedem Chansons-Programm erwartet und auch oft geboten bekommt“. Aber es werden auch ein paar dabei sein, die das Publikum wohl erkennen werden, verrät Leroi.

Die Welt hinter der Leinwand

Das persönliche Lieblingslied des Akkordeonisten ist „La noyée“. Es sei ein sehr trauriges und ruhiges Lied von Gainsbourg, von dem es nur eine einzige Aufnahme gibt – danach habe er es nie wieder gesungen. Alle Lieder verknüpfe Leroi mit Erinnerungen: „Da ich Franzose und auch dort aufgewachsen bin, sind diese Stücke einfach Teil meiner Kultur“. Das besondere an französischen Chansons seien ihre Geschichten. „Egal, ob ernst oder fröhlich, die Geschichten sind immer wunderbar.“ Die Versionen von Leroi und André seien besonders, da die Originale oft sehr orchestral und von dementsprechend großen Besetzungen interpretiert wurden. „Wir gehen den umgekehrten Weg und spielen sie als Duo mit nichts anderem als einem Akkordeon und einer Stimme.“ Angereichert wird dieser französische Abend mit dem Handschattentheater von Carola Kärcher. Mit bloßen Händen führt sie die Zuschauer vor der Pause durch die magische Welt ihres Schattenkoffers.

Die Darmstädter Künstlerin erzählt zwischen Licht und Leinwand Momente und Geschichten voller Poesie und Komik. Beim Stück „Jean Philip – Ein Schatten aus Paris“ taucht ein Schatten auf, der in seiner Not Kärcher um Hilfe bittet. Schnell stellt dieser sich ins Rampenlicht und begeistert das Publikum mit seinen Unterhaltungskünsten. Eine Geschichte zum Lachen und Nachdenken.

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