Schwetzingen

Danke, Google Maps!

Archivartikel

Orientierung gehört, das muss ich leider zugeben, nicht zu meinen Stärken. Aber da ich eine Frau bin, kann ich nichts dafür. Das liegt einfach in meinen Genen. Und (natürlich nicht nur) deshalb nehme ich den Mann immer gerne mit, wenn es ins unbekannte Gelände geht. Beispielsweise zu unseren Wanderausflügen in den Pfälzerwald inklusive Hütteninspektionen. Am Wochenende war Wachenheim unser Ausgangspunkt. Zum ersten Mal haben wir beschlossen, mit der Bahn statt mit dem Auto anzureisen. Die rund 11,5 Kilometer lange Route hatte der Mann im Vorfeld ausgesucht, aber wir schauten auch noch mal bei der Tourist-Information vorbei, wo uns die nette Mitarbeiterin einen Ausdruck des von uns favorisierten Rundwegs mitgab.

Der schien bestens ausgeschildert und deckte sich mit den Recherchen des Mannes. An den Bäumen musste man immer nach dem gelb-roten Rechteck suchen, irgendwann würde dann schon das Naturfreundehaus Oppauer Haus auftauchen. Die Herausforderung: Zunächst einmal galt es, das erste Rechteck, sprich: den Beginn des Weges zu finden. Der Mann an meiner Seite orakelte vor sich: „Der Wald muss in der Richtung sein.“ Aus der Erfahrung heraus werde ich immer hellhörig, wenn Sätze das Wörtchen „müsste“ enthalten. Zusätzlich war das Problem: Wachenheim ist gefühlt von allen Seiten vom Wald umgeben. Überraschend schnell konnte ich ihn jedoch davon überzeugen, doch das Smartphone mit seiner Funktion „Google Maps“ zurate zu ziehen und siehe da: Tatsächlich waren wir in einer vollkommen andere Richtung unterwegs. Bald hatten wir auch das gelb-rote Rechteck gefunden. Und der Spaziergang durch die malerische Weinpartnerstadt Schwetzingens hat uns zusätzlich noch zwei bis drei Kilometer mehr auf unserer Wanderung beschert.

Einmal mehr beschlich mich das Gefühl, dass die Erfinder von „Google Maps“ wohlmeinende Paartherapeuten sind. Denn in prähistorischer Zeit – also bevor es diese Funktion und auch bevor es Navis gab – führten solche Situation gelegentlich schon mal zu kleinen Beziehungskrisen. Damals fragte man Menschen aus Fleisch und Blut nach dem Weg. Aber nicht der Mann. Das war unter seiner Würde. Auch wenn er das Auto in einer fremden Stadt zum dritten Mal an der gleichen Stelle vorbeikutschierte. Doch nach vielen Gesprächen mit meinen Freundinnen weiß ich: Meiner ist beileibe kein Einzelfall – die sind alle so!

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