Schwetzingen

Umgang mit neuen Medien Kinder und Eltern sollten offen sprechen / Smartphone erst ab 14 Jahren

Das Internet ist ein mächtiges Werkzeug

Es ist wie mit allen Dingen. Sie haben mindestens zwei Seiten. Auch das Internet pendelt irgendwo zwischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde. In ihm wohnt die Kraft zum Guten wie zum Schlechten. Den entscheidenden Unterschied mache der aufgeklärte Mensch. Nur wer die Gefahren kenne, könne die Chancen, die das Netz ohne Frage bietet, nutzen. Die Referenten Anja Kegler und Günther Bubenitschek betonten beim Vortrag „Medienpädagogik und Kriminalprävention Hand in Hand“ im Palais Hirsch, dass der umsichtige Umgang mit dem mächtigen Werkzeug Internet eine entscheidende Zukunftsfrage sei. Zum Gewinn für alle werde das Internet nur, wenn auch alle verstehen, damit umzugehen.

Ganz vorne hin gehört für die Referenten der Kinder- und Jugendschutz. Gleich vorweg stellte Bubenitschek klar, dass Smartphones in Händen von Kindern unter 14 Jahren nichts zu suchen hätten. Alle verantwortlichen Behörden und Institutionen seien hier in ihrem Urteil eindeutig. Trotzdem gehen Studien davon aus, dass vier Prozent aller Sechs- bis Siebenjährigen ein Smartphone haben. In der Altersklasse acht bis neun sind es schon 18 Prozent, bei den Zehn- bis Elfjährigen 43 Prozent und in der Altersklasse zwölf bis 13 bereits 61 Prozent.

Bei den 13 bis 19-Jährigen klettert die Quote nahe 100 Prozent. Das Gerät, so Bubenitschek, sei eben attraktiv. Und diesen Eindruck müssen schon Babys bekommen. Im ersten Lebensjahr erlebten Kinder ihre Eltern mehr als ein Drittel ihrer Wachzeit mit einem Smartphone.

Nun wollten Kegler und Bubenitschek die digitale Welt nicht verteufeln. Aber, so Kegler, es gehe um klare Regeln, „die auch für Erwachsene sein müssen“. Ein Smartphone-Verbot am Esstisch nutze nichts, wenn es nicht auch für Vater und Mutter gelte. Die Vorbildfunktion sollte grundsätzlich nicht unterschätzt werden. Das gelte auch und vor allem für den Umgang mit den sozialen Netzwerken. Der Einfluss dieser Netzwerke sei enorm. Bubenitschek sprach im Palais Hirsch „von der mittlerweile fünften Gewalt.“

Gemeinsam den Umgang einüben

Umso wichtiger sei es daher, mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Nicht um sie fernzuhalten, sondern um gemeinsam das Rüstzeug für einen angemessenen Umgang damit zu schaffen. In den sozialen Netzwerken lauern viele Gefahren, die sich ähnlich wie Lawinen rasend schnell entwickeln können und alles mitreißen.

Stichworte sind „Cyber Grooming“ (unangemessene Annäherung von Erwachsenen an Kindern), „Snack Cam“ (unerlaubt Videos aufnehmen und ins Netz stellen) und „Sexting“ (Nacktbilder online verschicken, die bis hin zur Erpressung missbräuchlich genutzt werden). Das bekannteste Phänomen ist natürlich das „Cyber Mobbing“. Aus nichtigsten Situationen werden hier Lebensläufe aus der Bahn geworfen.

Mit einem kleinen aber sehr eindrücklichen Film demonstrierten die Referenten die Dynamik. Ein Gerücht oder eine fälschlicherweise in die Welt gesetzte Behauptung entwickelt innerhalb von Tagen die soziale Kraft eines Tsunamis. Es kann jeden treffen und die Auswirkungen von sozialer Isolation bis hin zu katastrophalen Verzweiflungstaten seien massiv. „Cyber Mobbing“, daran ließ Kegler keinen Zweifel, sei kein Kavaliersdelikt, sondern „eine schlimme Tat am Mitmenschen“.

Kinder und Jugendliche müssen darin bestärkt werden, Stopp zu sagen. Die überwiegende Mehrheit seien passive Hin- oder Wegschauer und genau die müssten gegen „Cyber Mobbing“ in Stellung gebracht werden. Denn im Endeffekt stabilisierten sie heute das System. Erschreckend sei, dass nur sieben Prozent der Eltern der Mobbing-Opfer Bescheid wüssten. Es ist die ständige goldene Regel zwischen Eltern und ihren Kindern und zwischen Lehrern und Schülern, ins Gespräch zu kommen und im Gespräch bleiben.

Hilfe gibt es auch im Netz. Unter der Adresse www.juuuport.de finden Betroffene Hilfe. Ganz allgemein unterstützt auch die Seite www.klicksafe.de Eltern und Kinder beim sicheren Bewegen im Internet. Und neben „WhatsApp“, das aus Datenschützersicht nicht zu empfehlen sei, gebe es mit „Signal“, Threema“ oder „Telegram“ zahlreiche sehr gute Alternativen.

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