Schwetzingen

Schöffengericht 26-jährigen Polen zu zweijähriger Bewährungsstrafe und Geldbuße verurteilt

Das teuere Ende einer Drogenfahrt nach Holland

Schwetzingen/Hockenheim.Ein jähes und frühzeitiges Ende nahm die Hollandreise eines jungen Mannes im Oktober des vergangenen Jahres an der Tank- und Rastanlage Hockenheim. Wie die Staatsanwaltschaft Mannheim in ihrer Anklageschrift vor dem Schöffengericht in Schwetzingen vortrug, war der Angeklagte und sein Beifahrer nachmittags von Fahndungsbeamten des Autobahnpolizeireviers Walldorf einer Kontrolle unterzogen worden. Dabei fanden diese bei dem aus dem Raum Tübingen stammenden 26-Jährigen gut 270 Gramm Amphetamine und knapp 400 Gramm Marihuana. Eine Größenordnung also, die weit über den allgemein bekannten Begriff des Eigenkonsums hinaus geht und bei dem Handel mit Drogen angenommen wird.

In einer ersten Einlassung des Angeklagten und seines Rechtsbeistandes wurden die von der Staatsanwaltschaft genannten Vorwürfe eingeräumt. Weitere Angaben wollte der junge Mann zum Drogenkomplex jedoch nicht machen.

Dennoch ergaben sich im Verlaufe der Verhandlung einige interessante Aspekte. So lebt der aus Polen stammende junge Mann inzwischen seit gut drei Jahren in Deutschland, ist erwerbstätig und gut sozial integriert. Allerdings soll er in den letzten Monaten insgesamt schon dreimal im Zusammenhang mit Drogen polizeilich aufgefallen sein.

Weitere Klarheit zum verhandelten Sachverhalt brachte dann natürlich die Vernehmung des Kontrollbeamten. Der Polizist schilderte anschaulich, wie er den Angeklagten auf dem Parkplatz der Rastanlage und seinen Landsmann rauchend vor ihrem Pkw angetroffen hatte. Bei ihrer Ansprache seien sie sichtlich nervös geworden, sodass eine weitergehende Kontrolle und Durchsuchung des Fahrzeugs durchgeführt wurde.

Starker Marihuana-Geruch

Schon beim Öffnen des Kofferraums hätten er und sein Kollege einen starken Marihuana-Geruch festgestellt und schließlich eine größere Menge des Betäubungsmittels sowie eine ebenfalls erhebliche Menge Amphetamine gefunden. Die Betäubungsmittel seien in Plastiktüten verpackt gewesen. Eine Kleinmenge Amphetamin hätte sich zudem auch noch auf dem Rücksitz des Fahrzeugs in einer Bauchtasche befunden, erzählt der Polizeibeamte bei seiner Vernehmung.

Nicht zu klären war allerdings, welcher der beiden Polen am Tag der Kontrolle das Auto tatsächlich gefahren habe.

Der Ermittlungsbeamte der Kripo Heidelberg fügte dann noch hinzu, dass bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten in Tübingen auch eine Feinwaage gefunden worden sei und die Auswertung der Daten seines Handys eine auffällige Häufigkeit an Telefonkontakten der beiden Festgenommenen miteinander an den Tag gebracht habe.

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, wobei diese auf Bewährung ausgesetzt werden könne. Sie hielt eine längere Bewährungsdauer von drei Jahren für angemessen. Daneben forderte sie zudem die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 1500 Euro.

Positiv bewertete sie in ihren Ausführungen insbesondere das Geständnis des Angeklagten. Dem stellte sie aber nachdrücklich gegenüber, dass er eine große Menge von Drogen in seinem Besitz hatte, die zudem von hoher Qualität gewesen seien. Die Grenze zur gesetzlich definierten „nicht geringen Menge“ sei um ein Mehrfaches überschritten.

Der Verteidiger zeige sich mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft weitgehend konform. Er plädierte jedoch, mit Hinweis auf das stabile soziale Umfeld des Angeklagten, auf eine Freiheitsstrafe von möglichst etwas unter zwei Jahren.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Schneid folgte in vollem Umfang dem Antrag der Staatsanwaltschaft und sprach eine zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Die 1500 Euro Geldauflage sind zudem an eine Opferschutzeinrichtung zu zahlen. Auch der weitere Drogenkonsum soll überwacht werden, so muss sich der Angeklagte in der dreijährigen Bewährungszeit regelmäßigen Drogenscreenings unterziehen. Daneben riet er ihm, ohne ausdrückliche Vorgabe des Gerichts, die örtliche Drogenberatung in Anspruch zu nehmen.

In seiner Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, dass das Gericht davon überzeugt sei, dass die Drogen gewinnbringend verkauft werden sollten. Abschließend wies er darauf hin, dass ohne das Geständnis des Angeklagten, dieser möglicherweise keine Bewährungsstrafe erhalten hätte.

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