Schwetzingen

Reformationstag Luthers Ansichten auf die heutige Zeit übertragen

Das Ziel bleibt die Einheit der Kirche

Schwetzingen/Oftersheim.Mit einem feierlichen Gottesdienst beging die evangelische Gemeinde am Donnerstagabend in der Stadtkirche den Reformationstag. Er erinnert an den Anschlag der 95 Thesen Martin Luthers an die Schlosskirche in Wittenberg am 31. Oktober 1517.

Eine festliche Note verlieh dem Gottesdienst Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer an der Orgel, mit der er die Lieder und Gebete der Gemeinde begleitete. Pfarrer Mathis Goseberg erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass dank Luthers Hartnäckigkeit die Reformation ausgelöst wurde und so die evangelische Kirche entstanden ist. „Sein Halten an der bedingungslosen Liebe Gottes zu den Menschen hat dazu geführt, wieder zurück zu den Wurzeln, zu den Ursprüngen zu kommen“, sagte er, „daran dürfen wir heute denken und uns festhalten.“

Goseberg machte die Besucher auf den „hier in der Mitte der Kirche aufgestellten schwarzen Würfel“ aufmerksam, ein Kunstprojekt, „das uns ein bisschen aus der Gewohnheit, aus dem Alltag herausheben möchte und gleichzeitig eine Perspektive, einen neuen Blick auf das geben will, was vor uns liegt“ (wir berichteten). Das passte gut zum Reformationsgedanken, „sich noch einmal umzuorientieren, sich zu überlegen, woher wir eigentlich kommen, was uns ausmacht, wo unsere Wurzeln sind“, wie der Pfarrer betonte.

Den Gottesdienst gestaltete Mathis Goseberg jedoch nicht alleine, sondern zusammen mit Oftersheim und Pfarrer Tobias Habicht, der auch die Predigt hielt. Darin nahm Habicht Bezug zu Martin Luther, der „nicht einfach einer von uns ist, den sie zu sich einladen und erwarten, dass er nicht stört, Luther stört kräftig“, und zur widersprüchlichen Wirkungsgeschichte seines Chorals „Eine feste Burg ist unser Gott“. Ausgerechnet im romantischen Heidelberg wurde „Eine feste Burg“ in der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ mit einer völlig neuen Überschrift, „Kriegslied des Glaubens“, abgedruckt. Man kann sie auf die streitende Kirche beziehen, andererseits lässt sie auch militärische und nationale Deutungen zu.

„Jeder ist zum Bösen fähig“

Doch Luthers Burg, die Wartburg, ist eine Fluchtburg, Ort der Zuflucht in bedrängter Zeit, Rettung vor Not und Verfolgung, so Habicht. Der Dichter des Lieds ist nicht der deutsche Nationalheld, sondern der angefochtene Christ. Angesichts des Elends, das Menschen einander zufügen, fragt er wie wir: Wo ist Gott? Die Zusammenhänge zu Unrecht und Tod deutet Luther durch die Figur des Teufels. „Es gibt das Böse in der Welt“, so Habicht, „doch nicht nur Waffenhändler und Terroristen, hasserfüllte Hetzer und völkische Spinner sind Teil des Bösen. Jeder Einzelne ist zum Bösen fähig.“ Wo aber der Geist Christi ist, da ist Freiheit. Und Habicht schlussfolgert, dass dieser Geist „uns den gemeinsamen Weg der Ökumene zeigt“. Das Ziel bleibt die Einheit der Kirche und das gemeinsame Abendmahl. her

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional