Schwetzingen

Grüne Radexkursion mit Staatssekretär Dr. Andre Baumann zu den Schwetzinger Wiesen

„Den Flächenfraß stoppen“

Archivartikel

Region.Eine Gruppe aus Schwetzingen, Brühl, Oftersheim und Plankstadt, unter der Anleitung des ortskundigen Schwetzingers Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium von Baden-Württemberg, machte sich zu einer Fahrradtour durch die Schwetzinger Wiesen auf. Dabei freuten sich die Sprecherin des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen Schwetzingen, Jacqueline Koch-Mattern, und Gemeinderätin Ulrike Grüning aus Brühl besonders über die Anwesenheit und rege Beteiligung der Landwirte, die in den Schwetzinger Wiesen wirtschaften, heißt es in einer Pressemitteilung.

Naturschutzbiologe Baumann, der dem Vorstand des Grünen-Kreisverbandes Kurpfalz-Hardt angehört, gab einen Einblick in die Natur- und Kulturlandschaft und in die Geschichte der Bewirtschaftung. „Die Schwetzinger Wiesen liegen in den Rheinauen und werden regelmäßig von Rheinhochwassern überschwemmt“, erläuterte Baumann. Das kombinierte Natur- und Landschaftsschutzgebiet gehört zu den naturschutzfachlich wertvollsten Schutzgebieten des Landes und ist Teil des europäischen Naturerbes Natura 2000. Zuletzt war es immer wieder kommunalpolitisch in der Diskussion (wir berichteten).

„In den tiefgelegenen Bereichen, die sogenannte Randsenke, bleibt nach Überschwemmung Wasser stehen und der Grundwasserspiegel ist hoch. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich hier ein Flussmoor gebildet: die Torfstücker.“ Die vermoorten und sumpfigen Bereiche der Auen wurden von den Bauern einst als Schweine- oder Pferdeweide genutzt, höher gelegene Bereiche waren blumenbunte Wiesen, die den Schwetzinger Wiesen den Namen gaben. „Die Wiesen wurden erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts umgebrochen und in Ackerflächen umgewandelt“, erläuterte Baumann. Durch Maisanbau und Ackernutzung auf den Moorstandorten würde das Moor nach und nach zerstört. Er betonte, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft daher nötig sei. „Landwirte haben die bunten Wiesen geschaffen, ohne Bauern gäbe es hier nur Wald. Wir können Wege finden, wie Landwirtschaft, Natur- und Moorschutz unter einen Hut gebracht werden können. Kulturlandschaften können nur mit Bewirtschaftern erhalten werden, die davon schließlich auch leben müssen.“

Förderung der Auennatur

Der Sommerdamm hat für den Hochwasserschutz keine Bedeutung, schützt Äcker und Wiesen vor kleineren Hochwassern. Baumann erläuterte, dass im Integrierten Rheinprogramm (IRP) die Aufgabe des Sommerdamms zur Förderung der Auennatur empfohlen werde. Vor Ort ist die Sanierung des Sommerdamms jedoch seit Jahren Streitpunkt zwischen Naturschützern und Landwirten. Die Kosten für die regelmäßigen und meist aufwendigen Reparaturen des Dammes sind ebenso regelmäßig Thema im Schwetzinger Gemeinderat. Denn da der Damm für die Hochwasservorsorge am Rhein nicht relevant ist, müssen die Kosten voll von Schwetzingen übernommen werden.

Intensiv wurde auch über die verlandeten und zugewachsenen Gräben im Schutzgebiet diskutiert. Bisher habe das RP eine Sanierung der Gräben abgelehnt, weil sie mit der Schutzgebietsverordnung nicht zu vereinbaren seien. Als Lösung wurde vereinbart, dass eine Machbarkeitsstudie erarbeitet wird, wie eine moor- und naturverträgliche Landwirtschaft möglich sei. „Es geht um ein Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz und nicht um ein Gegeneinander.“ „Der Konflikt ist ein scheinbarer, beide Seiten brauchen einander“, so Baumann. „Das Gebiet ist eine Kulturlandschaft, die schon seit der Rheinbegradigung vom Menschen als Weidefläche genutzt wird. Um diese Kulturlandschaft zu erhalten, auch als Naherholungsgebiet, muss sie weiterhin durch menschliche Nutzung gepflegt werden.“ Dabei ist es aus Sicht der Grünen fatal, dass durch EU-Agrarsubventionen die Größe der Fläche subventioniert wird und nicht die Art der Bewirtschaftung.

Veranstalter, Teilnehmer und Landwirte diskutierten, wie in dem Landschaftsschutzgebiet der Konflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz überhaupt entstehen konnte. Eine Ursache ist in einer Ballungsregion wie der unseren der hohe Flächenverbrauch für Bauland. „Nachverdichtung in den Stadtgebieten und nicht Bebauung von Ackerland und ökologisch wertvollen Flächen“, so die Position der Grünen. „Die wertvollsten landwirtschaftlichen Flächen sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch Umgehungsstraßen und Baugebiete zerstört worden. Die Landwirte wurden in die Rheinauen gedrängt.“ Ein wichtiges Ziel sei, den Flächenfraß zu stoppen und landwirtschaftliche Flächen zu schützen.

Zum Abschluss verwies Baumann auf andere Grünlandgebiete in Baden-Württemberg, in denen gezeigt wird, dass Naturschutz und Landwirtschaft in den Rheinauen fruchtbar zusammenarbeiten. „Es gibt vielfältige Fördermöglichkeiten der EU und des Landes, wenn Landwirte Kulturlandschaften für Mensch und Natur erhalten.“ Eine gemeinsame Lösung sei möglich und mit dem Treffen sei man ein gutes Stück weitergekommen, heißt es abschließend. zg

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional