Schwetzingen

Im Interview Musiker Martin Orth startet mit Michael Münch im „Blauen Loch“ eine neue Live-Musik-Reihe / „Twisted Spoons“ zum Auftakt

Der Saal soll zur Bühne werden

Archivartikel

Martin Orth (Bild) ist solo sowie mit der Band „K’lydoscope“ aus der regionalen Musikszene und darüber hinaus nicht wegzudenken. Jetzt ist ein neues Live-Musik-Modell im „Blauen Loch“ geplant. Welche Rolle der sympathische Herzblutmusiker, der gerade eine Platte mit dem Titel „Spektrum No 1“ mit vier eigenen Songs rausgebracht hat, dabei einnimmt, erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Herr Orth, worum geht es in diesr Musikreihe?

Martin Orth: Das „Blaue Loch“ hat seit einiger Zeit den Welde-Saal voll in Betrieb, zumindest was Firmen-, Vereins- oder Geburtstagsfeiern angeht. Allerdings ist der Saal nicht immer ausgelastet. Der Besitzer Michael Münch fragte mich, nachdem er bei „Tanz in den Mai“ mit „K’lydoscope“ über die Jahre hinweg gesehen hat, wie sich der Saal bei einer solchen Veranstaltung füllt, ob ich Ideen für weitere Nutzungen des Raumes hätte. Da ich selbst Vollblutmusiker und Toningenieur bin, war ich natürlich von Anfang an begeistert, den Saal mit Veranstaltungen füllen zu können. Ich erstellte zwei Konzepte für Events im Welde-Saal – ein „kleines“ und ein „großes“. Wir beginnen mit dem kleinen. Und dieses sieht erstmal Gigs von Bands aus der Umgebung vor, um den Saal und die Leute anzutesten.

Heißt: Sie fungieren jetzt als Ideengeber und Eventmanager?

Orth: Michael Münch war von meinen Ideen begeistert und übertrug mir quasi die Rolle des Veranstaltungsleiters für den Welde-Saal. Und da ich immer schon davon geträumt habe, eine eigene Location für Kunst aller Art zu besitzen, sehe ich das natürlich auch als eine gewisse Chance, in ein bestehendes Unternehmen mit einsteigen zu dürfen. Da man meine musikalische Ader nicht verbergen kann, weiß ich auch um die Zustände beim Umgang mit Musikern, gerade was die Gage betrifft. Klar ist allerdings, dass das „Blaue Loch“, sollte sich „Musik im Saal“ etablieren, keine immensen Gagen zahlen kann.

Welches Ziel verfolgen Sie mit „Musik im Saal“?

Orth: Mein Ziel ist es vorerst, dass sich die Künstler aufgehoben fühlen und bevorzugt behandelt werden, weil sie sind es, die eine Location füllen und bereichern. Auch die Location selbst wird sich mit der Zeit verändern. So ist geplant, den Bühnenbereich optisch anzupassen und einen Backstagebereich einzurichten. Alles natürlich mobil, um den geschlossenen Gesellschaften weiterhin den kompletten Welde-Saal bieten zu können. Es soll ein Ambiente entstehen wie zum Beispiel im Pumpwerk in Hockenheim oder in anderen Clubs. Über die Zeit soll über Mundpropaganda die Entspanntheit der Gigmöglichkeit weitergetragen werden. Klar wird vorerst mein Einsatz gefragt sein, Künstler ins „Blaue Loch“ zu holen.

Wenn ich Sie richtig verstehe, werden Sie zum Mittler zwischen Bands und „Blauem Loch“?

Orth: Zum einen übernehme ich vorrangig die Rolle des Bookers. Ich durchstöbere die Region nach Acts, die ich gerne im „Blauen Loch“ sehen würde. Das ist ein heiden Aufwand, aber Spaß macht’s trotzdem. Zum anderen bin die direkte Anlaufstelle zwischen Künstler und Auftrittsort. Das heißt, das „Blaue Loch“ muss sich um diese Aufgabe nicht kümmern. Ich erledige alles rund um den Gig an dem Abend der Band. Als letzte Rolle übernehme ich den Sound, da in den Saal gut kenne. Bei Bedarf und meine Verfügbarkeit vorausgesetzt, besteht die Möglichkeit, die Bands im Welde-Saal abzumischen.

Wann geht’s los?

Orth: Am Freitag, 28. September, ab 20.30 Uhr mit den „Twisted Spoons“.

Warum das „Blaue Loch“?

Orth: Das „Blaue Loch“ bietet einfach die meisten Möglichkeiten, welche, die andere Locations in Schwetzingen nicht haben. Man hat den perfekten Veranstaltungssaal, eine direkt angrenzende Außenterrasse, etwa für kleine Akustikgigs, und man hat einen der schönsten Biergärten der Umgebung für beispielsweise Sommerfeste. Also potenzielle Räume, um Kunst hineinverfrachten zu können.

Kann sich für die Live-Musik-Events jeder bewerben?

Orth: Ja klar.

Wäre auch vorstellbar, diese Live-Musik auf andere Kneipen wie eine Art ganzjährig wechselndes „Honky-Tonk“-Festival auszuweiten?

Orth: Jetzt fang’ ich schon wieder an zu träumen (lacht). Vorerst ist sowas nicht geplant. Wir fangen erst an. Mal sehen, was die Zukunft bringt (lacht).

Warum engagieren Sie sich für diese Form der Musikevents?

Orth: Da ich selbst Musiker bin, verstehe ich das Leben und Streben eines solchen. Und diesen Menschen möchte ich eine Plattform bieten, sich zu präsentieren. Nicht nur mit Coversongs, wie das viele tun. Auch das eigene Schaffen soll Gehör finden. Es soll eine „behütete Stätte“ sein. Ich selbst habe mit „K’lydoscope“ in Miltenberg in einer Location gespielt, in der genau das der Fall war. Ein Geben und Nehmen von allen Beteiligten. Und genau so sollte es sein. Auch wenn es klischeehaft klingt, aber Musik versteht jeder und sie verbindet. Und wenn ich durch eine Idee, egal welcher Art, die Musikwelt mitkreieren kann, dann weiß ich, warum ich auf der Welt bin.

Haben Sie denn eigentlich noch Zeit für eigene Projekte und Ihre Band – immerhin arbeiten Sie hauptberuflich als Pysiotherapeut und haben zwei kleine Kinder?

Orth: Ja, das hört sich sehr viel an. Jedoch habe ich meine Arbeit als Therapeut zeitlich zurückgeschraubt, um meinem Audiowesen mehr Gewicht verleihen zu können. Meine Kinder kommen keinesfalls zu kurz. Sie und die Musik bestimmen mein ganzes Wesen. Alles garniert von meiner Frau, die mich bei allem unterstützt. / kaba

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