Schwetzingen

Gartenserie Wie man auf dem eigenen Grundstück zum Selbstversorger wird / Zur Vermeidung von Problemen ist eine umfassende Planung wichtig / Große Erträge gibt es erst im zweiten Jahr

Der steinige Weg zum eigenen Gemüsegarten

Archivartikel

Nicht erst seit der Corona-Krise entdecken immer mehr Menschen ihren eigenen Garten neu, sehen ihn sogar als Basis für die Selbstversorgung mit gesundem, selbst gezogenem Gemüse an. Ganz ohne Plan sollte man die Sache aber nicht angehen, Fehler sind nämlich schwer zu korrigieren. Um eine ungefähre Vorstellung vom Bedarf zu haben, gehen wir bei der Gartenplanung von einer vierköpfigen Familie aus. Diese kommt bei einer gezielten Anbauplanung mit etwa 150 Quadratmetern Beetfläche aus.

Doch auch auf weniger Fläche kann der Speiseplan mit Salaten, Gemüse und frischen Kräutern aus eigener Ernte ergänzt werden. Zum Anbau sollte dabei stets der sonnigste Platz genutzt werden, das sich günstig auf Wachstum, Aroma und Inhaltsstoffe auswirkt. Beim Anbau von Gemüsearten, die von Natur aus zur Anreicherung von Nitrat neigen – etwa Blattsalate und Spinat – ist ein sonniger Standort sogar Voraussetzung. Das gesundheitsschädliche Nitrat wird nämlich vor allem bei Lichtmangel in die Blätter eingelagert. Mit einer guten Belichtung kann außerdem die gesamte Anbausaison inklusive der oft trüben, lichtärmeren Frühlings- und Herbsttage optimal ausgenutzt werden. Das Klima lässt sich nicht beeinflussen – man muss mit den Temperaturen und Niederschlagsmengen leben, die in der Region vorherrschen im Falle der Kurpfalz also kein schlechtes. Das nicht minder wichtige Kleinklima lässt sich sehr wohl optimieren: Ideal ist eine Einfriedung mit einer lockeren Hecke oder einem bepflanzten Zaun, so dass starke Winde abgebremst werden. Ständiger Wind senkt die Temperatur, trocknet die Erde aus und reduziert damit das Wuchstempo der Pflanzen. Totale Windstille fördert dagegen die Ausbreitung von Schädlingen und Pilzkrankheiten. Ein durchdachter Plan ist also hilfreich, um die Größe des Gemüsegartens genau festlegen zu können. Schließlich besteht ein Gemüsegarten nicht nur aus Beeten, sondern auch Wegen, Abstellflächen, einem Kompostplatz und möglicherweise noch einem Gewächshaus oder einem Gartenhäuschen. Auch ein Wasseranschluss oder ein Brunnen sollten nicht fehlen und an zentraler Stelle eingeplant werden. Zunächst sollte jedoch die Zahl und die Größe der Beete bekannt sein. Für eine gute Zugänglichkeit empfiehlt sich eine Maximalbreite von 120 Zentimetern. Die Länge kann dagegen variabel sein. Gut wäre eine einheitliche Größe. Jene erleichtert die Fruchtfolge, da man das Beet jährlich wechseln kann, ohne die Mischkultur innerhalb des Beets verändern zu müssen. Um beispielhaft auf eine Anbaufläche von rund 150 Quadratmetern zu kommen, sind 25 Beete einzuplanen. Kartoffeln stellen einen Sonderfall dar. Sie benötigen eine größere zusammenhängende Fläche.

Alles dreht sich um das Wasser

Um überall gut hinzugelangen, sollten die Hauptwege im Gemüsegarten als zentrales Wegekreuz oder Doppelkreuz angelegt werden, die die Beetflächen in etwa gleich große Segmente aufteilen. Außerdem ist zwischen Beetfläche und Einfriedung ein schmaler Weg empfehlenswert, um eine Hecke zu schneiden oder die Zaunbepflanzung pflegen zu können.

Die Wegekreuzung in der Mitte der Anbaufläche ist der perfekte Ort für den Wasseranschluss. Abstellflächen, Kompostplätze sowie Garten- oder Gewächshäuser sollten hingegen gut zugänglich am Randbereich des Gemüsegartens platziert werden. Beim Kompostplatz gilt es großzügig zu sein. In dessen Nähe macht sich zudem ein Obstbaum gut, da dieser ihm in heißen Sommern Schatten spendet und ihn so vor dem Austrocknen bewahrt. Wenn die Planung steht, geht es an die Umsetzung. Begonnen werden sollte mit dem Verlegen der Versorgungsleitungen für den Wasseranschluss. Entlang des Hauptweges kann man dazu einen etwa 40 Zentimeter tiefen Graben ausheben, in den die Wasserleitung gelegt wird.

Ist die Wasserversorgung vorhanden, wird der Verlauf der Hauptwege abgesteckt. Dazu wird die Erde im Bereich der Wegeflächen etwa zehn Zentimeter tief ausgegraben. Die Ränder sollten mit einer durchgehenden Stahlkante eingefasst werden. Stahlkanten sind am einfachsten zu installieren. Alternativ können aber auch Kantensteine aus Beton als Wegbegrenzung dienen. Sie sollten entlang einer Schnur gerade ausgerichtet, gut festgeklopft und auf der Beetseite mit einer sogenannten Rückenstütze versehen werden.

Nachdem alle Kanten gesetzt sind, muss der Untergrund der Wegeflächen gut verdichtet werden. Im Anschluss sollten ein Geovlies und Splitt als Wegebelag aufgetragen werden. Warum Splitt? Weil es besser begehbar ist als Kies. Wichtig: Die Wegoberfläche sollte etwa fünf Zentimeter unter der Oberkante der seitlichen Begrenzungen liegen. Zur Einfriedung empfiehlt sich in jedem Fall eine Hecke oder ein Zaun. Wählt man den Zaun, sollte dieser halb geschlossen und etwa 120 Zentimeter hoch sein, um den Wind gut abzubremsen. Auf großen Grundstücken kann es aus gestalterischen Gründen sinnvoll sein, den Gemüsegarten noch einmal extra abzugrenzen, um ihn als eigenständiges Gartenzimmer anzulegen. Zum Schutz vor Schädlingen bietet sich zudem ein Gemüseschutznetz an.

Kartoffeln so weit das Auge reicht

Erstellt man seinen eigenen Gemüsegarten, lohnt es sich, organische Abfälle aus Haus und Garten zu kompostieren, da ein Kompost wichtige Nährstoffe liefert und die Qualität des Bodens verbessert.

Der Untergrund des Kompostplatzes wird nicht versiegelt, damit Regenwürmer und andere Bodenlebewesen in den Kompost einwandern können, um ihn zu zersetzen. Außerdem kann überschüssige Feuchtigkeit so direkt in der Erde versickern. Die einfachsten Konstruktionen bestehen aus senkrecht eingeschlagenen Eckpfählen aus Holz, zwischen die Metallgitter gespannt werden. Nach der Arbeit folgt die Kür in Form vom Anlegen der Beete. Dazu muss zunächst der vorhandene Bewuchs entfernt werden. Anschließend gilt es, die Beeterde mindestens spatentief umzugraben. Wurzelunkräuter sollten dabei, so gut es geht, entfernt werden.

Je nach Beschaffenheit der Erde kann zudem Humus aufgetragen werden – bei lehmigen Böden Laubhumus, bei sandigen reifen Gartenkompost. Bei der Bepflanzung gilt es zunächst monokulturell vorzugehen. Es hat sich bewährt, in der ersten Saison im neuen Gemüsegarten ausschließlich Kartoffeln anzubauen. Diese lockern den Boden und unterdrücken mit ihrem Laub zuverlässig das Unkraut. Nach der Ernte im Spätsommer kann zur Bodenverbesserung eine Gründüngung erfolgen. Für die Anpflanzung von weiterem Gemüse ist der Garten leider erst im Frühjahr der zweiten Saison bereit.

Ist der Zeitpunkt da, empfiehlt es sich, etwa drei Liter Kompost pro Quadratmeter zu verteilen und die Erde mit einem Kultivator und einer Harke solange zu bearbeiten, bis ein feinkörniges Saatbett entsteht. Erst dann kann das gewünschte Gemüse beetweise eingesät werden. Um nicht durcheinanderzukommen und stets den Überblick zu behalten, kann es ab diesem Zeitpunkt ratsam sein, ein Gartentagebuch zu führen, um die jährliche Fruchtfolge genau einhalten zu können.

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