Schwetzingen

Hebel-Gymnasium Anika Ohm bereitet ausländische Kinder auf den Unterricht vor / „Wollte für fairere Startposition sorgen“

Die Brücke für die Schüler steht

Archivartikel

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Die 14 ausländischen Schüler der Vorbereitungsklassen am Hebel-Gymnasium, die hier intensiv auf den Regelunterricht vorbereitet wurden, haben ihre Ziele größtenteils erreicht. Alle, so die Lehrerin Anika Ohm, hätten ihre Leistungen in Deutsch, Mathematik und Englisch grundlegend verbessert, so dass ein Großteil von ihnen ab dem kommenden Schuljahr eine Regelklasse an einer weiterführenden Schule besuchen kann. „Drei von ihnen sogar an einem Gymnasium“, so eine sichtlich stolze Klassenlehrerin. Das Brückenbauen, so beschrieb die engagierte Lehrerin zu Beginn dieses Jahres in dieser Zeitung ihre Aufgabe, scheint jedenfalls geglückt zu sein. Den Schülern stehen auf ihrem Weg in die Gesellschaft tatsächlich einige Hürden weniger im Wege.

Dabei ist dieser Erfolg nicht vom Himmel gefallen. Im Gegenteil, dahinter stecke enorm viel Fleiß und Bereitschaft sich Neuem zu öffnen. Hier wurden rund 17 Comics und Jugendbücher gelesen, das tägliche Tagebuchschreiben geriet zur Selbstverständlichkeit und es wurden über 80 Aufsätze geschrieben. Und das, so Ohm, auf ständig steigendem Niveau. Sieben ihrer Schüler nahmen sogar erfolgreich am schuleigenen kreativen Schreibwettbewerb teil. Ein Mädchen aus Somalia und ein Junge aus Rumänien, beide erst seit rund einem Jahr in Deutschland, gewannen mit ihren autobiografischen Erzählungen sogar einen Preis. Gemeinsam stellte diese besondere Klasse auch ein Musical auf die Beine, das kleine musikalische Einblicke in fast alle Heimatländer der Schüler ermöglichte. In Erinnerung behält sie auch die kleinen Geburtstagsfeiern in der Schule. „Geburtstagslieder in gleich zehn Sprachen erlebt man sonst nicht so häufig.“ Richtig Spaß machte den Schülern übrigens der Lena Hit „99 Luftballons“. Ein Lied, das sie mit beeindruckender Leidenschaft durch das Klassenzimmer schmetterten.

Gelungenes Projekt

Es war ein besonderes Schuljahr und das nicht nur für die Schüler, die sich damit erfolgreich auf den Weg in die Mitte der deutschen Gesellschaft gemacht haben. Auch die Lehrerin spricht über ihre vielen Erfahrungen als Schatz. Die zahlreichen Nationalitäten und Muttersprachen, die hier zusammenflossen, waren ohne Frage eine Bereicherung. Und zwar für alle Seiten. In ihren Augen wurde damit einmal mehr deutlich, dass Brücken die Menschen zusammenführen weit zielführender seien, als Mauern, die Menschen trennen. Zumindest, wenn man in einer anständigen Gesellschaft leben will.

„Diese wunderbaren Kinder und Jugendlichen haben so viel verloren, auch viel Schulzeit.“ Mit diesem Unterricht, so Ohm, „wollte ich mit dazu beitragen, dass sie wenigstens diesen Verlust schmälern können und eine etwas fairere Startposition in der Schule erreichen“. Ein Vorhaben, das voll aufgegangen zu sein scheint. Die Vorbereitungsklasse, so der Tenor im Hebel-Gymnasium, darf ohne Frage als Erfolgsgeschichte gelten.

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