Schwetzingen

Zum 300. Geburtstag Dr. Susan Richter und Wolfgang Schröck-Schmidt würdigen die Rolle von Kurfürstin Elisabeth Augusta mit einer Tagung im Schwetzinger Schloss

Die Kurpfalz hatte eigentlich zwei Regenten

Es war ein Leben voller Pomp und Schönheit am Mannheimer Hof – die schönen Künste und die Wissenschaften wurden gepflegt und gefördert, aber das Leben des wohl prominentesten Kurfürstenpaars in der Kurpfalz war auch von Intrigen und Boshaftigkeiten, von Missgunst und gezwungenem Zusammenhalt geprägt. Und eines ist für Dr. Susan Richter und Wolfgang Schröck-Schmidt klar: Elisabeth Augusta von der Pfalz war keineswegs das eheliche Anhängsel von Kurfürst Carl Theodor, sondern so selbstbewusst, dass in Adelskreisen durchaus darüber spekuliert wurde, wer am Hofe Mannheim die Hosen anhat.

„Spätestens nachdem Carl Theodor nach München gegangen ist, um die Wittelsbacher Erbfolge im bayerischen Königshaus zu sichern, hat Elisabeth Augusta hier in der Kurpfalz die Entscheidungen getroffen und regiert. Sie tauchte bei Grundsteinlegungen und Einweihungen auf und engagierte sich in der Wirtschaft und für Fortschritte und Entwicklungen in der Landwirtschaft – etwa als Protektorin der Ökonomie im heutigen Kaiserslautern. Und dass sie am Ende in Weinheim an der Seuchenkrankheit Ruhr ( Dysenteria oder Bauchfluss) starb, war einem Besuch verwundeter Soldaten aus den französischen Revolutionskriegen zu verdanken“, erzählt Wolfgang Schröck-Schmidt. Zusammen mit Dr. Susan Richter von der Universität Kiel hat der Kunsthistoriker vom Schloss Schwetzingen eine spannende Tagung ausgeschrieben. Zum 300. Geburtstag von Elisabeth Augusta am 17. Januar 2021 soll ein Buch vorliegen, das die Aufsätze und Vorträge beinhaltet, die an den beiden Tagen zuvor – am 15./16. Januar 2021 – hoffentlich im Mozartsaal des Schwetzinger Schlosses erläutert und diskutiert werden. Heraus kommen soll eine Einordnung der bekannten Kurfürstin in ihre Zeit und in die politischen und familiären Machtverhältnisse der Kurpfalz.

Richter und Schröck-Schmidt haben wahre Kenner der Historie verpflichten können. Sie haben die Tagung auch schon von der ursprünglich vorgesehenen Stätte Palais Hirsch in den viel größeren Tanzsaal des Schlosses verlegt, um Hygiene- und Abstandsregeln einhalten zu können. Und falls es auch dort wegen Corona nicht möglich sein wird, dann haben die beiden bereits für den August einen Ersatztermin festgelegt. Auf jeden Fall wird es aber zum 300. Geburtstag von Elisabeth Augusta bereits das Buch geben, das in der Edition Schröck-Schmidt erscheint und ab der zweiten Januarwoche auch im Kundenforum unserer Zeitung zu haben sein wird.

„Elisabeth Augusta von der Pfalz hat ja vor allem in Mannheim ein sehr hohes Ansehen. Die Augustaanlage ist beispielsweise nach ihr benannt. In ihre Zeit fiel der Bau des ganzen Schlossplatzes in Schwetzingen und vieles mehr. Sie war quasi die Landesmutter, die hier die Stellung gehalten hat, als ihr Mann in München regierte“, erzählt Susan Richter. Briefe und überlieferte Erzählungen deuten aber auch darauf hin, dass die Ehe der beiden keineswegs glücklich war, beide Seiten sich anderweitig vergnügten und schlimme Streitigkeiten miteinander führten, aber doch aufgrund ihrer Stellung nie voneinander losgekommen sind. Richter erinnert an den „Tänzerstreit“, bei dem Elisabeth Augusta das Haus Chur Köln verärgerte und an die Machtlosigkeit Carl Theodors, der seine Frau nicht zum Einlenken bewegen konnte. Und an das wohl schwärzeste Kapitel der gemeinsamen Amtszeit und Ehe: „In der Nacht nach der Geburt starb der Erbprinz und Carl Theodor prüfte, ob eine Scheidung möglich wäre, um die Erbfolge zu sichern. Heute liegen beide in München – und zwar getrennt – Carl Theodor in einem recht einfachen Sarg in der Theatinerkirche und Elisabeth Augusta in einem sehr prunkvollen in der Jesuitenkirche St. Michael.

Die Hälfte der 60 Tagungsplätze sind schon vergeben, aber Interessierte können sich noch anmelden unter Telefon 0172/6244168 oder per E-Mail an regionaltouren@aol.com (beide Tage 49 Euro). Einen Programmflyer gibt’s im Kundenforum unserer Zeitung in der Carl-Theodor-Straße 2 am Schlossplatz.

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