Schwetzingen

Hebel-Gymnasium Mit Professor Caucher Birkar stellt sich ein Superstar der Mathematik den Schülerfragen / Offener Austausch

Die Leidenschaft im Namen

Archivartikel

„Was mich an der Mathematik begeistert, ist die Schönheit“, erklärt der Wissenschaftler Professor Caucher Birkar von der Universität Cambridge. Der britisch-iranische Mathematiker ist aktueller Preisträger der Fieldsmedaille und weilte auf Einladung des Heidelberg Laureate Forums in der Universitätsstadt, um andere Preisträger und Nachwuchswissenschaftler zu treffen und über seine Arbeit zu berichten.

Da es keinen Nobelpreis für Mathematik oder Informatik gibt, werden andere Preise mit vergleichbarem Ansehen verliehen, darunter die Fieldsmedaille, die nur alle vier Jahre vergeben wird. Das Hebel-Gymnasium hatte sich um einen Schulbesuch beworben und durfte nun den hochkarätigen Professor empfangen.

45 Schüler hingen an seinen Lippen, als Caucher Birkar über sein Leben und seine Motivation erzählte. „Schön ist für mich, wenn in der Mathematik Probleme auf elegante Weise gelöst werden. Beispielsweise finde ich ein Minimum durch Ableiten in wenigen Sekunden, anstelle mühsam alle Werte ausprobieren zu müssen.“

Dass man eine Behauptung nicht einfach nur aufstellen kann, sondern immer alles beweisen muss, ist ein weiterer Grund für ihn, Mathematiker zu sein. Den Schülern empfiehlt er schwärmend: „Versucht, den Beweis zu verstehen. Beweise machen die Mathematik zu etwas Besonderem.“

Lesen, lesen, lesen

Aufgewachsen ist Caucher Birkar in einer Bauernfamilie auf dem Land im kurdischen Teil des Westirans. Als er ein Jahr alt war, begann im Iran die Revolution, danach der achtjährige Iran-Irak-Krieg. Da die Familie sich selbst versorgte, konnte sie den Krieg relativ gut überleben.

„Zuerst hatte mir mein älterer Bruder Mathematik erklärt, später habe ich Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen“, erzählt der Professor. Seine Empfehlung: „Lest Bücher, die über die normalen Schulstoff hinaus gehen!“ Mathematik ist immer eine Herausforderung – „sonst wäre das Leben langweilig“. Selbst wenn ein Problem gelöst ist, öffnen sich Türen für neue Fragen: „Das wird nie aufhören.“

Er studierte in Teheran Mathematik und beantragte bei einem Besuch in England Asyl. Im Zuge der Emigration nannte er sich um. Caucher Birkar heißt auf Kurdisch „migrierter Mathematiker“ – „das ist ein Name, der zu mir passt“.

Die Schüler hatten viele Fragen vorbereitet, sie wollten beispielsweise wissen, welche Anwendungen für ihn wichtig seien. „Es gibt sehr viele Einsatzmöglichkeiten für Mathematik: Handys, Medizin, Ökonomie…“ Aber seine Forschung hat zunächst keinen praktischen Nutzen, sondern einen Wert „wie Kunst und Philosophie. Eine Anwendbarkeit wird teilweise sehr viel später entdeckt“, erklärt er. Durch die Fragen nach seiner Person wurde deutlich, dass auch ein Superstar der Mathematik ein normaler Mensch ist, der in seiner Freizeit gerne radelt, joggt, musiziert und – für ihn ganz wichtig – mit seinem vierjährigen Sohn spielt. bs

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