Schwetzingen

Ehrhart-Schott-Schule Haare zugunsten der Aktion für kranke Kinder abgeschnitten

„Die wachsen ja eh wieder nach“

Archivartikel

Im ersten Moment hört sich die Angelegenheit etwas komisch an: Frauen und Männer mit langen Haaren dazu aufrufen, ihre Haare zu spenden, ist nicht alltäglich. Aber „besonders wichtig“, betonen die beiden Lehrerinnen an der Ehrhart-Schott-Schule im Fachbereich Körperpflege und Friseur, Nicole Sponer und Lili Plaga. Kommen diese Haare doch Kindern zugute, die krankheitsbedingt keinen Haarwuchs mehr haben. Seine eigenen Haare herzugeben, sei nicht wirklich eine große Sache. Die wachsen ja wieder, so der Tenor der beiden. „Für die Kinder ist es dagegen eine sehr große Geste.“

Hinter dem Haarspendenprogramm steht der österreichische Verein „Die Haarspender“. Für die Kinder seien Krankheiten wie Krebs oder Alopecia (permanenter Haarverlust) schon schlimm genug. Durch den Haarverlust würden die Kinder zusätzlich sozial und emotional belastet. Echthaarperücken wären eine gute Lösung, sind aber meist viel zu teuer. Die Preise liegen zwischen 1500 und 3000 Euro. Die Krankenkassen würden davon maximal 250 bis 380 Euro übernehmen.

Jetzt mal kurz tragen

Die weitaus günstigeren Kunsthaar-perücken böten, so Sponer, „keinen guten Tragekomfort und sind vor allem sofort zu erkennen“. Die Situation für die Kinder würde so nicht verbessert. „Das Echthaar ist da unschlagbar.“ Es ist eine Sicht, die hier im Friseursalon der Erhart-Schott-Schule ziemlich wirkmächtig erschien. Der unwissende Mann mit kurzen Haaren würde hier mehr Hemmung erwarten. Aber weit gefehlt.

Die Frauen, die zur Haarspende kamen, hatten ein wahrhaft pragmatisches Verhältnis zu ihren Haaren. Die 26-jährige Rebecca Müller aus Plankstadt hat von der Aktion aus der Zeitung erfahren und spontan beschlossen „diesen Sommer halt mal kurz zu tragen“. Auch die 19-jährige Denise Ziemann war von der Aktion sofort begeistert und gab ihr Haar dafür gern. Sie wachsen wieder und kurz sieht ja auch ganz gut aus.“ Auch Martina Schlegel aus dem Sekretariat der kaufmännischen Schule, sah die Sache entspannt. „Wollte eh kürzere Haare und jetzt kann ich damit auch noch Kindern helfen.“

Und das mit dem kurz ist hier übrigens ernst gemeint. Mindestens 27 Zentimeter müssen fallen. Das sei, so Plaga, die ihre langen blonden Haare ebenfalls abschneiden lässt, schon ein Einschnitt. Die kurzen Haare begleiten die Frauen hier jedenfalls für längere Zeit. Pro Monat wachsen Haare rund einen Zentimeter. Bei 27 Zentimeter bedeutet das über zwei Jahre, bis die Haare die alte Länge erreicht haben. Aber das beschäftigt hier niemand. Die Hilfe für die Kinder und der sommerliche Look machten den Fall der langen Haare hier sehr schnell vergessen. zg

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