Schwetzingen

Aufbruch 2016 Dem „Irrtum des Multikulturalismus“ auf der Spur

Druck der Großfamilie

„Diesen Monat haben wir die Juristin, Schriftstellerin und Imamin Seyran Ates für ihren Mut, ihr Engagement und ihr liberales Verständnis des Islam mit dem Immanuel-Kant-Preis ausgezeichnet“, erklärte Rainer Welzel zu Beginn einer Versammlung der Initiative Aufbruch 2016: „Heute Abend will ich eines ihrer wichtigsten Bücher vorstellen, in dem sie präzise Vorstellungen entwickelt, wie wir alle in Deutschland zusammenleben können. Der Titel lautet: Der Multikulti-Irrtum.“

Ates kritisiere vehement den populären Gedanken, dass sich Integration quasi von selbst einstelle. Auch die in klassischen Einwandererländern undenkbare Idee, dass an Migranten keine Forderungen gestellt werden dürften, werde von ihr scharf abgelehnt. Vielmehr weise sie energisch darauf hin, dass die Kultur, die Zuwanderer aus muslimischen Ländern in die Bundesrepublik brächten, mit den im Grundgesetz verankerten Werten der europäischen Zivilisation nicht vereinbar sei: „Der Multikulturalismus, der diese illiberale und autoritäre Kultur akzeptiert und sogar gut heißt, ist letzten Endes ein Weg in die soziale Katastrophe“, zitiert Welzel Ates.

Aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds sehe Ates, so der Referent, den Kern der islamischen Alltagskultur in der rigorosen Unterdrückung der Frau. Die patriarchalisch-autoritären Familienverhältnisse setzten den uneingeschränkten Herrschaftsanspruch des Patriarchen über die Frauen (allerdings auch die männlichen Mitglieder des „Clans“) voraus, der ohne weiteres auch mit Gewalt durchgesetzt werden dürfe. Die Einhaltung der traditionellen Normen werde durch den Druck der Großfamilie erzwungen, der zum Bedauern der Juristin auch durch die Religion unterstützt werde.

Denn die in ihrer Kultur gefangenen Migranten bis hin zu den Repräsentanten der leider auch noch von der deutschen Politik hofierten konservativen Verbände wie DITIB, Milli Görüs oder Islamisches Zentrum bemühten sich nicht, den Islam mit den Gedanken und Werten einer modernen Zivilisation zu verbinden, sondern beharrten stur auf den in der Türkei, Nordafrika oder sonstwo gewohnten Strukturen: „Am groteskesten ist jedoch, dass dieser Fundamentalismus von der deutschen Politik und Justiz gebilligt wird.“

Der Integrationswille fehlt

An der Misere, so Welzel, sei nach Ates einerseits bei den Zuwanderern der Mangel an Bereitschaft schuld, sich in die Gesellschaft zu integrieren: „Nach seriösen Umfragen wollen in diesen Parallelgesellschaften nur 8 bis 9 Prozent „leben wie die Deutschen“, das heißt neun Zehntel stehen der deutschen Kultur gleichgültig oder ablehnend gegenüber.“ Genauso schwerwiegend sei jedoch andererseits der Wille der Deutschen, sich nicht darum zu kümmern oder im Sinne des Multikulturalismus die massiven Probleme zu beschönigen und zu verharmlosen.

„Es ist schön“, schloss der Referent, „dass es Menschen wie Seyran Ates gibt, die unermüdlich den Finger in diese Wunde legen. Noch schöner wäre es, wenn ihre Stimme bei den verantwortlichen Stellen endlich einmal gehört würde.“ zg

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