Schwetzingen

Schwetzinger Festspiele I Konzert der Hofmusik-Akademie

Dynamisch, pointiert und spielfreudig

Ob die Mannheimer Hofmusik Mitte des 18. Jahrhunderts wohl genauso enthusiastisch aufgespielt hat? Der Orchesterklang sei als geradezu „rauschend“ empfunden worden, wie das Konzertprogramm der Schwetzinger Hofmusik-Akademie unterrichtet. Aber natürlich ist die Entwicklung seither vorangeschritten und mag sich unser Verständnis von Tempo, Rhythmus und Artikulation von Gepflogenheiten früherer Jahrhunderte unterscheiden.

Gleichwohl: Wir wissen es nicht. Was wir aber feststellen, ist, dass die jungen Damen und Herren der Schwetzinger Akademie jeglichen Verdacht von Behäbigkeit am kurpfälzischen Hofe zu zerstreuen versuchen. Jedenfalls schlagen die mehr als 20 Instrumentalisten unter der Leitung Werner Ehrhardts im Mozartsaal des Schwetzinger Schlosses ein sportliches Tempo an. Das Brio in Ignaz Holzbauers Ouvertüre aus „Alessandro nell’Indie“ sprüht Funken, und man spürt die Energien, die das international besetzte Orchester nach knapp einer Woche Probe freisetzen möchte.

Das Programm mit Werken von Johann Stamitz, Christian Cannabich und anderen bietet zwar reichlich Gelegenheiten für Rasanz und spielerischen Schliff, dennoch ist es wohl kein geringes Verdienst des Dirigenten, die jungen Musiker auf das Repertoire der (heute in ihrem revolutionären Anspruch kaum mehr wahrnehmbaren) Mannheimer Schule eingeschworen zu haben. Jugendlicher Überschwang geht damit wohl auch einher.

Solistische Einsätze

Dennoch zeigt sich das Publikum im Verlauf des rund dreistündigen Programms angetan von der dynamischen Spielweise, der pointierten Artikulation und den spielfreudigen Einsätzen von Streichern und Bläsern. Hörner, Fagott, Oboen und Querflöten lassen sich neben Violinen, Bratschen und Celli auch solistisch vernehmen.

Mächtig Eindruck hinterlassen die beiden Sopranistinnen Yuliya Poleshchuk und Ekaterina Korotkova. Höhepunkte des Abends: Ludwig August Lebruns Oboenkonzert mit Solistin Shaghayegh Shahrabi Farahani und Cannabichs Flötenquintett mit Lisa Le Cornec und Svéa Guémy. Beide Werke in frühlingshaftem F-Dur. Sehr stimmig! urs

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