Schwetzingen

Integration Fahrradwerkstatt bietet Bedürftigen günstige Fortbewegungsmittel / Helfer mit technischem Geschick gesucht

Ehrenamtliche stoßen an ihre Grenzen

Bei Sonnenschein seine Einkäufe mit dem Rad zu erledigen, oder abends eine entspannte Runde zu drehen, ist für viele eine Stück Lebensqualität. Andere sind auf den Drahtesel als Transportmittel angewiesen, um zur Arbeit zu kommen – auch bei Wind und Wetter. Letzteres trifft oft die, die ohnehin sehr sparsam mit ihrem Geld umgehen müssen. Die Fahrradwerkstatt in der Schulstraße will ihnen eine Stütze sein und bietet sozialverträgliche Räder und Reparaturen an. Manchmal gestaltet sich diese Hilfe aber etwas schwierig, wie die Organisatoren berichten: Es fehlt schlicht an helfenden Händen.

Vier ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die Fahrradwerkstatt, die jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr geöffnet hat – theoretisch. „Meistens sind wir zu zweit“, berichtet Markus Geier, „und es kann auch schon mal länger dauern.“ Deshalb sucht die Radwerkstatt nach ehrenamtlichen Helfern mit technischem Geschick – im besten Fall mit Fahrrad-Erfahrung. „Mit genügend Helfern können wir vielleicht sogar einen zweiten Tag in der Woche öffnen“, prognostiziert Geier.

In der kleinen Garage in der Schulstraße stehen dicht aneinander mehrere Fahrräder. Sie sind sichtbar gebraucht – hier und da fehlt ein Bremszug oder der Schalthebel – aber die Räder sind theoretisch nach einigen Handgriffen einsatzbereit. Sauber aufgereiht hängen Werkzeuge an der Wand, auf der Werkbank liegt ein Handbuch für die Fahrradreparatur. Im hinteren Teil der Garage befindet sich das Ersatzteillager. Es ist eigentlich alles da, was gebraucht wird, dennoch ist die Warteliste für Reparaturen lang.

Polizei spendiert Pass

Geholfen wird dem, der einen Bedürftigenausweis hat. Das Angebot richtet sich nämlich nicht nur an Flüchtlinge. „Mittlerweile kommen sogar mehr bedürftige Schwetzinger zu uns als Flüchtlinge“, erzählt Markus Geier, „viele Flüchtlinge haben mittlerweile einfach schon ein Rad – und ja auch Arbeit oder eine Ausbildungsstelle, zu der sie gelangen müssen.“ Zu jedem Rad gibt’s einen Fahrradpass, den die Polizei sponsert. Damit ist das Gefährt registriert und etwa bei einem Diebstahl rückverfolgbar.

Das Angebot der Werkstatt beruht auf Gegenseitigkeit: Wer ein Rad haben will, schraubt mit. Die Preise bewegen sich dafür zwischen 25 und 50 Euro. „Dieses Limit haben wir uns von vorneherein gesetzt“, sagt Rita Erny. Der niedrige Preis bedeutet aber auch, das die Materialkosten nicht zu hoch sein dürfen.

Wer die Verpflichtungen eines Ehrenamtes scheut, dem wollen die Fahrradschrauber entgegenkommen. „Wir können uns auch so eine Art Radpatenschaft vorstellen“, erzählt Markus Geier, „der Pate ist dann für ein Fahrrad zuständig und ,spendet’ zwei Nachmittage oder eben zwei neue Schläuche und eine Klingel.“ Mit wenig Einsatz lässt sich dort also viel bewegen.

Info: Interessenten melden sich unter info@asyl-ak-schwetzingen.de

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