Schwetzingen

Alte Wollfabrik Graham Gouldman spielt sensationelles Akustik-Konzert in Schwetzingen / Wunderbare Musiker unterstützen bei den großen Hits des Briten

Ein ganzes Herz voller Songs mitgebracht

Tokyo, Amsterdam, Kopenhagen, Schwetzingen – dass in der Alten Wollfabrik namhafte Künstler auftreten ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, aber jetzt stand eine echte Legende auf der Bühne: Songwriter und Gitarrist Graham Gouldman, Mitbegründer der legendären „10cc“ aus Manchester machte mit seiner „Heart full of Songs Tour“ hier Station. Nur fünf Live Konzerte gibt er in Deutschland, bevor er nach Tokyo, Amsterdam und Kopenhagen weiter tourt. Der Name Gouldman ist wahrscheinlich nicht jedem gleich ein Begriff, aber seine Songs, die er seit den 1960er Jahren auch für „The Yardbirds“, „The Hollies“ oder „Herman’s Hermit“ geschrieben hat, kennt jeder.

Punkt acht komt Graham Gouldman auf die Bühne. Kein Schnick-Schnack, keine große Lichtshow, nur er, seine Akustikgitarre und 60 Jahre Bühnenerfahrung. Schon mit dem ersten Lied „Pamela“ zieht er das Publikum in seinen Bann. Mit jedem weiteren Song erscheinen nach und nach seine Musiker: Nick Kendall (Lead-Gitarrist und Bassist), Ciaran Jeremiah (Keyboard und Gitarre) und David Cobby, der „Gott der Percussion“, wie ihn Gouldman bei der Vorstellung nennt.

Zusammen spielen sie den Hitklassiker „No Milk Today“, den Gouldman 1967 für „Herman’s Hermit“ geschrieben hat. Aber davor verrät er seinem Publikum noch die wunderbare Entstehungsgeschichte. Sein Vater, der ihn immer mit Texten und Titeln unterstützt und inspiriert hat, habe ihm gesagt, dass dass er bei einem Freund gewesen sei und dort eine leere Milchflasche auf der Treppe gestanden habe. „Das wäre doch eine tolle Idee für einen Songtitel“, so sein Vater. Etwas ungläubig fragte Gouldman zurück, wen den wohl eine leere Milchflasche interessiere. Aber er kamselbst drauf, denn der Sinn ist eben ein übertragener, ein Symbol, dass die Liebe verschwunden und alles leer sei – und das habe ihm Papa erklärt.

Magische Momente serviert

Das Publikum ist begeistert von diesem und vielen anderen magischen Momenten, die Gouldman und seine Musiker an dem Abend bieten. Es sind nicht nur die Klassiker und Hits, die man alle von früher kennt und mitsingen kann, sondern die intime Atmosphäre, die dieses Konzert hat. Es passt einfach alles. Die wunderbaren Anekdoten zu den Liedern, die einem das Gefühl geben, dass Gouldman persönlich und hautnah in seinem wunderbaren Manchester-Dialekt erzählt und wenn er über sich selbst schmunzelt, als er seinen Gitarristen nach den Anfangsworten des Songs „Daylight“ fragt, die ihm nicht mehr einfallen. Genau das macht den 72-Jährigen so sympathisch, der wohl nie einen Gedanken daran verschwendet, in Rente zu gehen.

„Man spürt wie er seine Musik liebt und dabei seine 60 Jahre Erfahrung hautnah zelebriert“, so Dr. René Pöltl, der an diesem Abend nicht in der Funktion als Oberbürgermeister zu Gast war, sondern als begeisterter Musikfan, wie er unserer Zeitung in der Pause verrät.

Der zweite Teil des Konzertes beginnt genauso grandios. Bei Hits wie „Bridge to your Heart“ aus den 1980er Jahren, die in Kooperation mit Andrew Gold bei WAX entstanden sind oder den absoluten Klassikern aus der Anfangszeit mit „10cc“ wie „The Things we do for Love“ oder „I’m not in Love“ sowie seinem persönlichen Lieblingssong „Bus Stop“, den er für die „Hollies“ 1966 komponiert hat, läuft er zur Bestform auf, wie vor 50 Jahren. Das Publikum dankt es ihm und seinen Musikern mit einem tosenden Applaus und Standing Ovations. Als Zugabe kommt dann noch die lang ersehnte Reggae-Hymne „Dreadlock Holiday“ aus dem Jahr 1978, geschrieben von Eric Stewart und Graham Gouldman und von ihm inSchwetzingen live gesungen. Sie war sein dritter und letzter Nummer-eins-Hit in Großbritannien mit dem legendären Refrain, der in der Alten Wollfabrik einen Zusatz bekam:

I don’t like reggae oh no

I love it (Dreadlock holiday)

I don’t like Jamaica oh no

I love her (Dreadlock holiday)

I don’t like Schwetzingen oh no

I love it!

Mit dieser Liebeserklärung an Schwetzingen, bei der dann der letzte Zuhörer aufsteht und mitsingt, beendet Graham Gouldman diesen wunderbaren Abend. Das Publikum feiert ihn nicht nur als großen Hitschreiber, sondern auch als einfühlsamen Gitarristen und Sänger mit einer sensationellen Stimme. Jochen Wolfert bringt es am Ende des Konzerts auf den Punkt: „Tolle Stimmung, super Location, alles perfekt, wir haben uns wieder jung gefühlt, es hat einfach Spaß gemacht so eine gut gemachte Musik zu hören“.

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