Schwetzingen

Im Interview Flötistin Ute Schleich entführt in fernöstliche Gefilde / Musik und Märchen in Kombination

Ein Hauch von Japan

Mit dem Frühling kommt in Japan die alljährliche Zeit der Kirschblüte, die dort bis heute eine besondere Rolle spielt. Auch im Schlossgarten stellt sie alljährlich eine besondere Attraktion dar. Passend dazu findet am Freitag, 15. Februar, eine Veranstaltung in der hiesigen Volkshochschule statt, die den Teilnehmern die seltene Möglichkeit gibt, durch Musik und Märchen einen kleinen Einblick in die Kultur Japans zu bekommen. Unter dem Titel „Kirschblüte und Regenpfeifer – Musik und Märchen aus Japan“ wird Flötistin Ute Schleich japanische Flötenmusik spielen und mit ihr im Wechsel werden Anne und Klaus Vorderwülbecke japanische Märchen vorlesen. Im Interview erzählen sie, wie dieses Programm zustande gekommen ist.

Japanische Flötenmusik und Märchen – wie kam es zu dieser Verbindung?

Ute Schleich: Eine Freundin, Gisela Pichler aus Karlsruhe, machte früher sehr viele Veranstaltungen, in denen sie Märchen erzählte. Als sie wusste, dass ich mich mit japanischer Flötenmusik beschäftige, schlug sie vor, mit den schönen japanischen Märchen, die sie kannte, und meiner japanischen Flötenmusik eine CD zu machen. Sie wählte dazu die Märchen aus und ich die Musik. Nachdem die CD produziert war (die CD heißt übrigens auch „Kirschblüte und Regenpfeifer – Musik und Märchen aus Japan“) meinte ich, es sei eine gute Idee, dies auch als Veranstaltung anzubieten. Diese Veranstaltung wurde inzwischen in Hamburg, Karlsruhe, Heidelberg, Meersburg am Bodensee, Wiesloch, Hockenheim etc. angeboten. In Hockenheim waren Frau Anne und Herr Klaus Vorderwülbecke dabei. Ihnen gefiel die Veranstaltung so gut, dass sie mir vorschlugen, sie auch in Schwetzingen anzubieten. Anne Vordewülbecke: Aufgrund unserer besonderen Beziehung zu Japan haben ich und mein Mann uns angeboten, die ausgewählten Märchen vorzulesen.

Frau Vorderwülbecke, wie ist diese besondere Beziehung zu Japan entstanden?

Vordewülbecke: In erster Linie durch unsere Berufe. Mein Mann und ich waren vier Jahre, von 1969 bis 1973, an der Universität in Sapporo, wo wir deutsche Sprache und Kultur unterrichtet haben. Aufgrund damit verbundener Kontakte und ausgedehnter Reisen haben wir unterschiedliche Einblicke in die japanische Kultur und Lebensart gewonnen.

Frau Schleich, wie kam es, dass Sie sich so intensiv mit japanischer Flötenmusik beschäftigt haben?

Schleich: Das hat ganz lange Wurzeln. Während des Studiums der Blockflöte kam ich in Berührung mit einem avantgardistischen Stück des japanischen Komponisten Ryohei Hirose. Der Hintergrund dieser Musik ist alte japanische Flötenmusik für Shakuhachi. Um sie besser zu verstehen, habe ich mir diese oft angehört und mich mit ihr auseinandergesetzt. Sie gefiel mir sehr, ich fand sie wunderbar. Das war der Anfang.

Könnten Sie kurz den Titel der Veranstaltung „Kirschblüte und Regenpfeifer“ näher erläutern?

Schleich: Die Kirschblüte ist in Japan etwas ganz Besonderes, sehr Wichtiges, fast alle Japaner setzen sich unter die Kirschbäume und halten ihr Picknick ab. Es gibt ein sehr berühmtes Lied dazu, „Sakura“ (Kirschblüte), das im Programm zu hören sein wird. Ebenso dabei ist ein Werk aus dem 19. Jahrhundert, „Chidori no Kyoku“, das heißt übersetzt „Lied der Regenpfeifer“. Der Regenpfeifer ist ein kleiner Vogel, der in Japan sehr verbreitet ist.

„Regenpfeifer“ steht somit für Musik, „Kirschblüte“ für die Märchen, die Sie, Frau Vorderwülbecke mit Ihrem Mann zwischen den Musikbeiträgen lesen werden. Welche Beziehung haben Sie zu den japanischen Märchen?

Vorderwülbecke: Durch unsere beiden in Sapporo geborenen Kinder gehörten in dem rein japanischen Umfeld natürlich Kinderbücher und Märchen mit zu unserem Alltag. Und ein Glöckchen, das in einem der Märchen eine zentrale Rolle spielt, hat seinen Weg sogar bis nach Schwetzingen gefunden.

Frau Schleich, warum haben Sie sich gerade für diese Märchen in Ihrem Programm entschieden?

Schleich: Die Märchen, die wir im Programm aufgenommen haben, zeigen Situationen aus verschiedenen Lebensbereichen: aus altem Mönchsleben, alte und aktuelle Wertvorstellungen im Buddhismus und Shintoismus, einer Naturreligion, die fast ausschließlich in Japan praktiziert wird und eng mit dem japanischen Alltag verbunden ist. Die Märchen sind teilweise von meiner Freundin Gisela Pichler ausgewählt, nämlich „Das Glöckchen“ und „Die Mandarinente“. „Die Flöte im See“ und „Der Katze liebste Maus“, ein kurzes und lustiges Märchen über Katzen, haben sich später dazugesellt. Ich habe versucht, den musikalischen Inhalt mit dem Inhalt der Märchen zu verweben und wünsche mir, dass die Zuhörer fasziniert sein werden von den unterschiedlichen Stimmungen, die so ein Dialog zwischen Text und Musik hervorrufen kann.

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