Schwetzingen

Jahresorden der SCG Diskussion um die Bebauung aufgegriffen / Fragezeichen ums Heimatmuseum

Ein Hoch auf den Messplatz

Nun ja, bekanntlich haben alle Dinge ihre zwei Seiten. In Schwetzingen allerdings soll es Dinge geben, die haben noch mehr davon, so zum Beispiel das Rondell, die neuen Radwege und Einbahnstraßen, die Fußgängerzone und – ach ja – der gute „Alte Messplatz“. Bei diesem ist das ja auch nicht verwunderlich, denn schließlich hat er ja auch vier Seiten, dafür aber mehrere Ecken und Kanten, die immer mal wieder zum allgemeinen Aufregen einladen.

So groß und schön, wie er in der Innenstadt daliegt, weckt er naturgemäß immer mal wieder städtebauliche Begehrlichkeiten aller Art. So geschehen in diesem Frühjahr, als man mal wieder laut darüber nachdachte, ihn mit einem großen Hotel samt Tiefgarage und weiterer architektonischer Zutaten zu füllen. Schließlich ist Schwetzigen ja bekanntlich mit einem regen Fremdenverkehr gesegnet, und die Stadt wäre mal wieder mit einem schmucken Neubau – natürlich mit „Barockachsen“ – geschmückt gewesen.

Doch kaum waren auch nur die Gedankenspiele darüber in der Öffentlichkeit, schrillten schon bei vielen Schwetzingern die bekannten Alarmglocken. Mit Neubauten in der Innenstadt war man in den letzten Jahren bereits reichlich bedient, die spargelstädtische Hotellerie zweifelte verständlicherweise stark an der Notwendigkeit zusätzlicher Gästebetten, und schließlich war da noch der große und schöne Parkplatz mitten im Zentrum, auf den man unter keinen Umständen verzichten wollte. Nein, leicht hatten es sich die Schwetzinger mit ihrem schönen Alten Messplatz in den letzten Jahrzehnten noch nie gemacht. Schließlich ist es ja auch ein historisch bedeutender Ort, der schon so manche Wandlung durchgemacht und viele Ereignisse gesehen hat.

Einst stand dort eine Spritfabrik, deren Keller sogar noch heute zum Teil unter dem Platz erhalten sind. An der Ecke zur Kronenstraße gab’s eine Schule, die später vielen Autofahrern als Kfz-Zulassungsstelle diente. Und was gab es auf dem Platz nicht alles für Feste und Veranstaltungen. Angefangen beim Frühlingsfest, dann die legendären großen Fischerfeste, die schönen Trachtenfeste der „Kurpfalzbuam“ und schließlich die Kerwe, all dies weckt bei so manchem Schwetzingern wehmütige Erinnerungen. Und so haben die letzten Diskussionen über die Nutzung dieses Platzes wieder einmal gezeigt: die meisten Bürger wollen ihren „Alten Messplatz“ so behalten, wie er ist.

Natürlich kann und sollte man auch über Verbesserungen des Platzes nachdenken. Gerade die Ecke zur Invalidengasse hin könnte dringend eine bauliche Ergänzung gebrauchen, und mit ein paar neuen Bäumen etwas mehr Grün auch auf die Platzmitte zu bringen wäre sicherlich auch kein schlechter Gedanke. Schließlich harrt da ja noch das alte Rothackersche Haus – ebenfalls seit vielen Jahren ein kommunaler Dauerbrenner – seiner Sanierung und vor allem auf neues Leben in seinen alten Mauern.

Vielleicht bekommt Schwetzingen doch noch sein neues Heimatmuseum? „Also, liebe Spargelstädter, tut euch zusammen, lasst euere Fantasie walten und räumt all die Fragezeichen ab, die sich auf diesem schönen Platz angesammelt haben. Vergesst die hochfliegenden Baupläne und erhaltet Euch den Alten Messplatz so, wie ihr ihn seit Generationen liebt und kennt: als große, ruhige Freifläche in der dichten Innenstadt, zum Parken, zum Durchatmen und vielleicht auch mal wieder zum Festefeiern“, heißt es jetzt in einer Mitteilung der Schwetzinger Carnevalsgesellschaft (SCG) zum Jahresorden.

Die Narren haben kurzerhand das Thema „Alter Messplatz“ zum Motiv ihres neuen Jahresordens gewählt. Dort sieht man einen lustigen Clown mit einem bunten Strauß Luftballons und Fragezeichen auf dem großen Parkplatz. Idee und Entwurf stammen wie üblich vom Ehrenaktiven Manfred Bender. mb

Info: Das SCG-Ordensfest zur Präsentation ist am Sonntag, 4. November, um 13.11 Uhr im Lutherhaus.

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