Schwetzingen

Mozartfest Notos Quartett verzückt mit Kompositionen von Mozart, Schubert und Brahms / Besonderen Spannungsbogen aufgebaut

Ein kleiner Wirbelwind mit Esprit

Vier junge Menschen hatten sich zur Aufgabe gemacht, die Gattung Klavierquartett zu entstauben. Wie es sich für das 43. Schwetzinger Mozartfest gehört, wurde dem großen Komponisten Respekt mit dem Klavierquartett Nr.2 gezollt. Aber auch Kompositionen von Franz Schubert und Johannes Brahms begeisterten das Publikum. Der Ruf war dem Notos Quartett aus Berlin vorausgeeilt: Kein freier Platz fand sich mehr im Jagdsaal des Schlosses, als die ersten Akkorde aus dem „Adagio und Rondo concertante“ von Schubert erklangen.

Zwischen Adagio und Allegro vivace füllten die Musiker das Werk mit Klang und Ausdruck. Vom lieblichen Klavierthema, das von den Streichern dankend aufgenommen wurde, bis hin zum stürmischen Finale war jede Passage technisch und musikalisch vollendet. Und obwohl Schubert das Werk als eine Art kammermusikalisches Klavierkonzert konzipiert hatte, präsentierte sich das Quartett als einheitlicher Klangkörper. Pianistin Antonia Köster, die mit einem kultivierten Klang und technischer Perfektion überzeugte, erklärt nach dem Konzert: „Wir sind eigentlich immer zusammen und treffen uns quasi täglich.“ Seit 2007 gibt es die erfolgreiche Kammermusikformation, die 50 bis 60 Auftritte pro Jahr spielt. Dabei haben sich die drei Streicher und die Pianistin eher zufällig kennengelernt. Nach einem gemeinsamen Meisterkurs waren sie so begeistert von der Energie, die aus dem Zusammenspiel entstand, dass sie entschieden haben, den weiteren Weg zusammen zu gehen. Dieser führte sie unter anderem nach London, Amsterdam, Brüssel und nun schon zum zweiten Mal nach Schwetzingen.

Dieses Mal erklang das zweite Klavierquartett zunächst in flottem Allegro. Mal frech, dann wieder versöhnlich kam das Thema daher bei den nun gleichberechtigten Instrumenten. Zwischendurch gestattete Mozart den Mitspielern kurz aus dem Fluss hervorzutreten: Ein wunderschönes Solo entlockte Andrea Burger ihrer Bratsche und der Dialog zwischen Geiger Sindri Lederer und Cellisten Philip Graham war überzeugender als der menschlicher Stimmen. Der 2. Satz begann mit einer Offenbarung am Klavier. Ein inniger Ton mit fragenden Phrasen ließ das Larghetto ruhig dahinfließen. Ein fröhlicher, netter Klang leitete den 3. Satz ein, in dem Klavier und Streicher sich ständig abwechselten. Lustig war die Passage anzuhören, in dem Antonia Köster ein Motiv am Klavier vorgab und der Geiger Sindri Lederer versuchte, es durch nachahmen zu übertrumpfen.

Kreisslers „Liebesleid“ als Zugabe

Einen komplett anderen Klang präsentierte das Ensemble nach der Pause, als Johannes Brahms die Zuhörer in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts mitnahm. Das Klavierquartett g-Moll op. 25 hatte seinerzeit viel Zustimmung beim Publikum gefunden. Große musikalische Bögen, die virtuos aufgebaut wurden und wieder abebbten, zeichneten das Allegro aus. Ein kräftiger, warmer Celloklang entstand unter dem Bogen von Philip Graham im Intermezzo. Ein überraschend marschmäßiges Andante führte zum eigentlichen Highlight, dem „Rondo alla Zingarese“. Forte-Läufe durch alle Instrumente wechselten sich mit dem spieluhrartigen und äußerst virtuosen Klavierpart ab, begleitet durch das Pizzicato der Streicher. Die kleinen Wirbelwinde führten zurück zu den mit Esprit gespielten Zigeunerweisen des Hauptthemas. Nicht umsonst trägt das Quartett den Namen „Notos“. Antonia Köster: „Notos ist ein griechischer Südwind aus der Mythologie. Er kann sowohl sanft und warm sein als auch sehr stürmisch und aufbrausend. Die verschiedenen Charaktere wollen wir mit unserer Musik weitergeben. Außerdem berührt der Wind den Menschen, ohne dass man ihn sehen oder anfassen kann und das ist mit der Musik genauso.“ Das Publikum war von der Vielfalt an Klangqualitäten überzeugt – und von der Musik berührt. Auf mehrfache Aufforderung wurde als „kleines Schmankerl“ Fritz Kreisslers „Liebesleid“ aufgeführt.

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