Schwetzingen

Arbeiterwohlfahrt Claus Eisenmann gibt sich als charmanter Entertainer / Tolles Benefizkonzert zugunsten der Lebenshilfe

Ein Mann, der alles kann

Am Ende ist es eine große Party. Die Eisenmann-Party. Und ein verdienter Erfolg, der allem Regen in der Spargelstadt die emporgereckte Jubelfaust entgegenstreckt. Denn aus den grauen Wolken mag es an diesem frühen Abend heruntermachen, wie es will: Im schönen Innenhof der Arbeiterwohlfahrt bringt das keinen zur Verzweiflung - und das hat seine Gründe.

Schon im Jahr 2016 hatten die Vorsitzende Ivonne Schaffner und ihr Team sich um den Mannheimer Sänger Claus Eisenmann bemüht, eine erste Anfrage formuliert und sich "unglaublich gefreut", als dann die Zusage kam. Denn für ihr Wohltätigkeitskonzert verpflichtet die Organisation schließlich nicht jeden.

Doch an diesem Tag sollten gut besetzte Bänke unter schützenden Pavillons unmissverständlich zu spüren bekommen, dass der dynamische Sohn Mannheims für das Benefiz-Open-Air in Schwetzingen die goldrichtige Besetzung ist, um perfekte Stimmung zu kreieren. Da muss der Sänger und Vollblutmusiker noch nicht einmal einen Ton angestimmt haben: Schon bei einer ersten kurzen Ansprache gewinnt Eisenmann die Herzen für sich, dreht sich einmal um die eigene Achse und, so seine eigene Aussage, "freed sisch im Kreis", endlich mal hier zu Gast zu sein.

Fans im Publikum

Und auch Schwetzingen "freed sisch im Kreis". Denn Eisenmann zeigt sich an diesem Abend als Mann, der alles kann. Ob Groove, ob Funk, ob Rap, ob Punk: Der Sänger aus der Quadratestadt präsentiert sich als Meister - und der kommt an. Katrischa Weiß hat mit ihrem Sohn Oliver Arnold und Martina Ueltzhöffer aus Schwetzingen zwar keinen weiten Weg gehabt, um zur Awo zu kommen, doch für sie ist es etwas besonders Schönes, "was für den guten Zweck zu tun und einen wunderbaren Abend bei guter Musik zu erleben". Erst kürzlich hatten sie Eisenmann beim Sommerfest des SWR in Mannheim erlebt und beschlossen, den Sänger auch in der Spargelstadt ihren Besuch abzustatten.

Während Katrischa Weiß auf eine Mischung aus Schlager und Klassik steht und Eisenmann daher schon eine ganze Weile kannte, war der Auftritt für Oliver Arnold eine Premiere. "Ich habe mich von seiner starken Stimme wirklich überzeugen lassen. Wenn ich ihn vorher in einem Café getroffen hätte, hätte ich nicht gewusst, wer das ist", gibt Arnold zu und lächelt augenzwinkernd. Zu solcher Bescheidenheit hat Anni Kummer keinen Anlass. Mit ihren "fast 91 Jahren" hat die unglaublich agile Seniorin und selbsterklärter Fan von Claus Eisenmann ja schließlich auch überhaupt keinen Grund, sich diesen Abend entgehen zu lassen. Die Erwartungshaltung beim Publikum ist jedenfalls schon einmal da. Hier soll nicht nur Braten mit geschmorten Zwiebeln oder Bier verzehrt werden: Die Menge erwartet Entertainment. Und sie sollte Entertainment bekommen.

Mitten unter den Gästen

Schon als ersten Song spendet Eisenmann seinen Zuhörern mit "Und wenn ein Lied" einen Klassiker, wie er zeitloser nicht sein könnte. Stimmstark, einfühlsam und auf den Punkt schmettert der Sänger die "Söhne-Mannheims"-Nummer und kassiert dafür stürmischen Beifall.

Dann fliegt er musikalisch fast schon spielerisch "Über den Wolken", wandert auf der Suche nach der richtigen Dame ("Pretty Woman") durch die Bänke und ist sich auch nicht zu schade, ganz kokett zu behaupten, er sei: "Just A Gigolo". Alles nur trainierte Routine? Keineswegs. Denn es wäre Eisenmann ein Leichtes, einfach unter dem geschützten Bühnen-Pavillon Platz zu nehmen, sein Ding durchzuziehen und damit auf jene professionelle Distanz zurückzugreifen, die ihm durchaus zustünde. Doch stattdessen wird der 50-Jährige zum Charmeur, der mitten im Regen singt, der nahbar geblieben ist, manchmal sogar mitten im Publikum Platz nimmt, um dabei eine Sympathie auszustrahlen, wie sie zahllosen anderen Solisten längst verloren gegangen ist. Und die Besucher - sie sind begeistert und freuen sich über diese Bodenständigkeit eines namhaften Künstlers.

Was bei so vielen anderen - auch großen - Stimmen dieser Nation immer nur unrein aufgeht, gelingt hier par excellence, denn wenn Eisenmann direkt auf das Playback singt, wird jede Band obsolet. Oder um es anders zu sagen: Ein besseres Konzert, um die Arbeit der Lebenshilfe in Schwetzingen und Hockenheim zu unterstützen, hätte man sich bei der Awo nicht wünschen können.

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