Schwetzingen

Gewann „Entenpfuhl“ Linke lehnen Kiesabbau ab / Entwicklungsvorhaben ökologisch nicht vertretbar / Beeinträchtigung bei Grundversorgung mit Trinkwasser befürchtet

„Ein Projekt – wie aus der Zeit gefallen“

Archivartikel

Schwetzingen/Ketsch.Der Ortsverband der Linken schaltet sich mit einer Pressemitteilung in die Debatte um das Gewann „Entenpfuhl“ auf Schwetzinger Gemarkung bei Ketsch ein. Wie unsere Zeitung mehrfach berichtete, plant das Unternehmen Heinrich Krieger KG aus Neckarsteinach derzeit den Neuaufschluss einer Abbaustätte zur Kies- und Sandgewinnung in diesem Gewann. Dies stand bereits vor einigen Jahren zur Debatte, erinnern auch die Linken in ihrer Pressemitteilung: Zur Deckung des Rohstoffbedarfs für die Metropolregion Rhein-Neckar sollten auf Grundstücken des Landes Baden-Württemberg rund 24,5 Hektar Wald einem Baggersee mit Kies- und Betonwerk weichen. Dann hieß es zunächst, das Vorhaben sei vom Tisch.

Jetzt aber, Jahre später, ist die Angelegenheit wieder „auf dem Tisch“ und scheint, vorbehaltlich wasserrechtlicher Überprüfungen durch den Rhein-Neckar-Kreis, bereits weitestgehend beschlossene Sache zu sein. Allerdings ist mittlerweile nicht mehr von 24,5 Hektar abzuholzendem Wald die Rede, sondern von rund 42 Hektar – was beinahe dem gesamten Wald entspricht. Dies kommt fast einer Verdopplung der Fläche gleich, was von der Heinrich Krieger KG dadurch begründet wird, dass die nötigen Investitionen sich angeblich bei einer kleineren Fläche nicht amortisieren würden.

Frage nach Artenschutz

„In Zeiten eines neuen Baumsterbens aufgrund von Trockenheit und Klimaerwärmung und eines sich beschleunigenden Klimawandels, der längst sehr deutlich die Rhein-Neckar-Region betrifft, müssen sämtliche Entwicklungsvorhaben an erster Stelle konsequent und umfassend auf ihre Umwelt- und Klimabilanz überprüft werden“, so die Linken und weiter: Der Wald im „Entenpfuhl“ wird zwar in den öffentlichen Unterlagen zum neu angelaufenen Planfeststellungsverfahren als ökologisch nicht sehr wertvoll dargestellt, jedoch bietet er Lebensraum für zahlreiche seltene und bedrohte Tierarten und ist sowohl Klimaschutzwald und Immissionsschutzwald als auch teilweise als Bodenschutzwald ausgewiesen.

Es stellt sich außerdem die Frage, wie sich ein langfristig bewirtschafteter Baggersee am vorgesehenen Standort auf die Trinkwassergüte und -verfügbarkeit vor Ort auswirkt, und welche Kosten auf die öffentliche Hand zur Aufbereitung des Trinkwassers bei niedrigerem Grundwasserstand zukommen können. Dazu ergänzt Linken-Stadtrat Werner Zieger: „Beim Gebiet ,Entenpfuhl‘ muss unbedingt die Frage geklärt werden, ob und wie weit der spätere Baggersee das Grundwasser im Einzugsgebiet des Wasserwerks Schwetzinger Hardt beeinträchtigt oder gar schädlich für die Grundversorgung mit Trinkwasser ist. Ferner sollten wir uns doch fragen, ob es nicht in unser aller Interesse sein sollte, das Waldstück, Gewann ,Entenpfuhl‘, als naturnahen Lebensraum zu belassen, um so unser Trinkwasser zu schützen.“

Während Jugendliche bei den „Fridays for Future“ wöchentlich vielerorts mit großem Engagement auf die Klimaproblematik hinweisen, Natur- und Umweltschutzverbände Wildblumenwiesen anlegen, Wildhecken sowie Streuobstwiesen pflegen oder Insektenhotels bauen und Gärtner angehalten werden, Grundstücke möglichst umwelt- und artenschutzfreundlich zu gestalten, erscheint ein überdimensioniertes Vorhaben wie das geplante Kies- und Betonwerk im „Entenpfuhl“ wie aus der Zeit gefallen: Welchen Sinn sollen all die genannten Einzelmaßnahmen erfüllen, wenn hier ein ganzer Wald einfach so beseitigt wird – und zwar in einem solchen Maße, dass ein ökologischer Ausgleich dafür völlig unmöglich erscheint?

Bei Termin im Landratsamt dabei

Selbstverständlich werden nach wie vor Baustoffe in der Region – insbesondere für einen dringend notwendigen öffentlich-sozialen Wohnungsbau – benötigt. Vor allem in Heidelberg führt das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum und die damit einhergehende Verdrängung von Menschen mit geringeren Einkommen aus den Metropolzentren in die umliegenden Gemeinden zu einer stetigen Zunahme von klimaschädlichem Pendelverkehr. Dass (auch) gebaut werden muss, steht also gar nicht zur Debatte, allerdings stellt sich die Frage, ob die dafür benötigten Rohstoffe ausgerechnet auf der Fläche eines bisher noch relativ intakten Waldstückes abgebaut werden müssen, oder ob nicht eine Überprüfung von Alternativstandorten, bei denen weniger umwelt- , klima- und potenziell grundwasserschädliche Einschnitte nötig wären, verbunden mit einer forcierten Entwicklung zur verstärkten Rückgewinnung und Verwertung von Sekundärrohstoffen sinnvoller erscheint, insbesondere bei Betrachtung des 35-jährigen Zeithorizonts, während dem künftig im Entenpfuhl Sand und Kies abgebaut werden sollen, sollte die derzeitige Planung sich durchsetzen.

„Wir, die Linke, lehnen das Vorhaben in der jetzigen Form deshalb, wie auch die örtlichen Umweltverbände, kategorisch ab: Angesichts zunehmender Probleme aufgrund des Klimawandels, können wir die Abholzung eines klimarelevanten Waldes nicht akzeptieren, vor allem dann nicht, wenn so offensichtlich ist, dass es keinen angemessenen ökologischen Ausgleich für das Vorhaben geben kann. Wir werden dementsprechend das Planfeststellungsverfahren kritisch begleiten und am öffentlichen Scoping-Termin am Dienstag, 20. August, ab 10 Uhr beim Landratsamt in Heidelberg teilnehmen“, heißt es abschließend. zg

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