Schwetzingen

Bahnlärm Leserin Dagmar Kadelbach hört viele Güterzüge in ihrem Haus / BI fordert eine Verlegung des Verkehrs / Bei digitaler Infoveranstaltung wird Planung vorgestellt

Ein Tunnel könnte die Lösung sein

Archivartikel

Auch nach unserer ausführlichen Berichterstattung über das 150-jährige Jubiläum der Rheintalbahn bleibt das Thema Bahnlärm aktuell. Unsere Leserin Dagmar Kadelbach wohnt zwar nicht unmittelbar an der Bahnlinie, kann aber „bei ungünstigem Wind nachts gefühlt jeden einzelnen Güterzug mit Handschlag begrüßen“, teilt sie unserer Zeitung in einem Leserbrief mit.

Der Schall und der Lärm seien während der kompletten Fahrt hörbar: „Das natürlich auch in die Gegenrichtung. Und in vielen Nächten im Zweiminutentakt. Das ist noch die bessere Variante. Unangenehmer wird es, wenn das Rattern, Stottern und Bremsen von vielen Güterwagen hinzukommt.“ Sie hoffe nicht, „dass die Corona-Situation die DB Netz AG abhält, die Bürger an der Lösungssuche zu beteiligen“, bat sie uns um neue Informationen von der Bahn zu diesem Thema.

Spärlicher Informationsfluss

Wir haben zunächst bei der „Bürgerinitiative gegen Bahnlärm“ (BgB) in Schwetzingen nachgefragt. Pandemiebedingt sei man leider dieses Jahr etwas stiller gewesen, so der Vorsitzende Herbert Brenner. Trotzdem sei man mit den Vertretern der Bahn, in diesem Fall mit der für den Streckenabschnitt Mannheim-Karlsruhe zuständigen Projektleitung in Karlsruhe, in Kontakt gewesen: „Wenngleich oft mit spärlichem Informationsfluss.“ Der Bund untersuche im Rahmen der im vergangenen Jahr begonnenen Optimierungsstudie zum Knoten Mannheim weiterhin verschiedene Lösungsvarianten, darunter auch die von der BgB und der Region Rhein-Neckar aufgestellten Forderungen, die beispielsweise eine Tunnellösung für Schwetzingen und Oftersheim vorsehen.

Die von der DB Netz AG beauftragte Ingenieurgemeinschaft habe begonnen, „Grundlagen zu sammeln, um im nächsten Schritt Grobkorridore zu identifizieren, die dann später auf ihre Eignung zur Aufnahme von konkreteren Trassenkorridoren untersucht werden sollen“. Von einem „Auftakt für den Planungsdialog“ spricht die Bahn unlängst in einer Pressemitteilung. Für Donnerstag, 12. November, wird zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen, die online auf www.mannheim-karlsruhe.de stattfindet. Im Anschluss an diese Informationsveranstaltung werde das Dialogforum Mannheim-Karlsruhe voraussichtlich noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen. „Auch wenn dann sehr wahrscheinlich noch keine finalen Ergebnisse vorliegen, haben wir doch eine ausreichende Basis, um uns über die begonnenen Planungen auch in einer Informationsveranstaltung für die Bürger in Schwetzingen und Oftersheim zu unterhalten“, meint Brenner. Die BgB verfolge nach wie vor die Forderung nach einer Lösung mittels eines bergmännischen Tunnels oder – wenn dadurch andere Bürger in ihrer Lebensqualität nicht beeinträchtigt werden – eine weiträumige Umfahrung der Gemeinden. Er setze aber nur wenig Hoffnung auf „eine Umfahrung unserer Gemeinden ohne dramatische Belästigung anderer Orte“.

Damit man noch weitere Unterstützung auch vonseiten der Politik erhalte, habe die Bürgerinitiative mit dem Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Thomas Marwein, ein Treffen am Freitag, 13. November, in Schwetzingen ausgemacht. Dabei wolle man „die bereits jetzt schon dramatische Lärmsituation entlang der Gleise unserer Gemeinden deutlich ansprechen“. Die Lärmsituation für die Anwohner eines breiten Korridors entlang der Trasse sei „katastrophal und entspricht nicht entfernt der gesetzlichen Vorschrift zur Lärmemission, weder bei Tag und schon gar nicht bei Nacht“, so Brenner abschließend. Die besonders stark frequentierte Achse durch Schwetzingen mit etwa 300 Güterzügen am Tag gehört zur wichtigen europäischen Magistrale Rotterdam-Genua, die ein hohes Aufkommen im Schienengüterverkehr aufweist. „Grundsätzlich variieren die Zugzahlen auf den einzelnen Abschnitten. Die aktuell gültige Zugzahlenprognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur bezieht sich auf den Horizont 2030. Diese hat sich in den letzten Jahren nicht verändert“, bestätigt die Bahn auf unsere Anfrage. „Für den Bahnknoten Mannheim untersucht das Bundesministerium großräumig Varianten in einer Optimierungsstudie. Dabei handelt es sich um ein Maßnahmenportfolio, das den Gesamtknoten Mannheim stärken soll. Auch eine mögliche Tunnellösung ist Teil dieser Optimierungsstudie. Das Bundesministerium befindet sich zu den Ergebnissen der Optimierungsstudie im Austausch mit der Region. Die Ergebnisse werden nach Abschluss in den tiefergehenden Untersuchungen der Deutschen Bahn entsprechend berücksichtigt“, teilt eine Bahnsprecherin mit.

In Beteiligungsforum vorgestellt

Die Entscheidung über die Trassenführung der Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim sei „für den Herbst dieses Jahres geplant“ und werde entsprechend im Beteiligungsforum Rhein/Main-Rhein/Neckar vorgestellt. Mit dem Neu- und Ausbau der Bahnstrecke zwischen den beiden badischen Metropolen Mannheim und Karlsruhe „soll der Lückenschluss für mehr Kapazität im Bahnverkehr auf der Strecke Frankfurt – Basel gebildet werden“, heißt es von Seiten der DB Netz AG weiter.

Die Planungen für das Bahnprojekt Mannheim-Karlsruhe umfassten den durchgehenden Raum von Mannheim-Waldhof im Norden über die gesamte Rheinebene bis nach Karlsruhe im Süden: „In einem nächsten Schritt sollen hier mögliche Streckenführungen ausfindig gemacht werden. Dieses Verfahren wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen.“

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