Schwetzingen

Palais Hirsch Unter dem Titel "Mondnacht" gestalten Astrid Bohm und Susanne Wendel einen Liederabend mit Gesang und Klavier

Eindringlich, gefühlvoll, innig

Bei ihrem Auftritt im Palais Hirsch präsentierte die Schwetzinger Mezzosopranistin Astrid Bohm zusammen mit der Pianistin Susanne Wendel im ersten Teil Lieder bekannter Komponisten, während sie sich nach der Pause berühmten Arien aus Opern widmete. Dieses vielseitige Programm dokumentiert eindrucksvoll ihr breitgefächertes Wirken.

Dem Zyklus "Lieder eines fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler (1860 - 1911), mit dem sie den Abend eröffneten, verlieh Astrid Bohm einen traurig-melancholischen Ton, geht es darin doch um ein aussichtsloses Liebesverhältnis. Gewidmet hat Mahler den Zyklus der Sopranistin Johanna Richter, in die er unglücklich verliebt war. Für den Ausdruck seiner Gefühle verwendete er Gedichte aus "Des Knaben Wunderhorn" und aus einem Lyrikband von Rudolf Baumbach, die er in freien Umdichtungen zur Geschichte von einem "fahrenden Gesellen", so der ursprüngliche Titel, zusammenstellte.

Hauchfeine Begleitung

Die warme, dunkle Stimme Bohms brachte gut die Verzweiflung des Liebenden zum Ausdruck, der in "Wenn mein Schatz Hochzeit macht" sein Leid kundtut, es in "Ging heut' morgen übers Feld" der Schönheit der Natur gegenüberstellt. Das bringt ihm keinen Trost, denn in "Ich hab' ein glühend Messer" bohrt sich der Schmerz tief in die Brust, um in verzweifelter Sehnsucht nach den "Zwei blauen Augen" unter einem Lindenbaum einzuschlafen. Hauchfein und aufmerksam begleitete sie Susanne Wendel dabei am Klavier.

Auch in Franz Schuberts (1797 - 1828) "Du bist die Ruh" nach einem Gedicht von Friedrich Rückert (1788 - 1866) kommen die stimmlichen und gesanglichen Fähigkeiten der Sängerin sehr eindrucksvoll zur Geltung. Mit der Klarheit ihrer Tongebung, der vorzüglichen Sprachbeherrschung gelingt es ihr, den dramatischen Momenten von Schuberts Musik effektvoll Wirkung zu verleihen. Susanne Wendel assistiert sie dabei am Klavier fantasievoll und einfühlsam.

Mit Johannes Brahms (1833 - 1897) "Immer leiser wird mein Schlummern" teilen die beiden Musikerinnen ihre Begeisterung für dieses Juwel spätromantischer Liedkunst. Die inhaltliche Deutung gelang ihnen sehr eindringlich, gefühlvoll, innig.

Den Höhepunkt des ersten Programmteils bildete die berühmte "Mondnacht" von Robert Schumann (1810 - 1856), die auch dem Konzertabend den Titel gab. Es ist die Vertonung des um 1835 entstandenen Gedichtes von Joseph von Eichendorff, wobei hier Text und Musik eine geniale Symbiose eingehen, die expressiven Stellen rühren direkt ans Herz. Der betörend reine Klavierton, über den sich der dunkle Glanz von Astrid Bohms Mezzosopran legte, entfaltete im Saal eine ungeheure Wirkung. Nach einem Moment der Stille brach begeisterter Applaus los. Ganz andere Seiten zeigte Bohm in den Liedern "Die Nacht", "Morgen!" und "Zueignung" von Richard Strauss (1864 - 1949), die aufgeladen sind mit existentieller Bedeutung. Mit ihrem Vortrag machte Bohm deren Erdenschwere erfahrbar, während der Klavierpart prägnante Farben und rhythmische Impulse beifügte.

Dank der Flexibilität ihrer Stimme bewältigte Astrid Bohm auch im zweiten Teil all die Arien, die sie sich für den Abend ausgesucht hatte. Diese reichten von Mozart (Arie der Dorabella aus "Così fan Tutte"), über Verdi (Arie der Fenena aus Nabucco sowie sechs Romanzen) bis hin zu Rossini ("Una voce poco fa"). Im kraftvollen Fortissimo kam die Beseeltheit zum Ausdruck, in der raffinierten Diktion sowie Stimmführung der Pathos, in der Zugabe "Meine Lippen, sie küssen so heiß" die spielerische Leichtigkeit. Am Ende wurden Sängerin und Pianistin vom Publikum mit Bravorufen und viel Applaus bedacht.

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