Schwetzingen

Eine eigene Geheimsprache

Archivartikel

Gert Häusler über Privates in Zeiten der elektronischen Schnüffelei

Die überall präsenten „sozialen Medien“ und die Datensammelwut aus allen möglichen Ecken sowie die zunehmende Verbreitung der lernfähigen Künstlichen Intelligenz (KI) machen es immer schwieriger, Privates auch privat zu halten. Um „Lauschangriffe“ zu erschweren haben sich Schweizer Geschäftsleute und Politiker schon in früheren Zeiten auf „Schwiitzerdütsch“ verständigt, wenn sie etwas Vertrauliches besprechen wollten.

Andreas Lin hat mit den vielfältigen Ausdrücken der Kurpfälzer Sprache (Montagsausgabe) aufgezeigt, dass damit auch Vertrautheit und Geborgen sein mit der Region verbunden ist.

Noch einen Schritt intimer wird es bei den familiären Geheimsprachen, die sich zum Teil über Generationen entwickelt und verfeinert haben. Ob Dialekte aus verschiedenen Familienstämmen gemischt wurden, der wiederholte Versprecher eines Opas sich im Sprachgebrauch festgesetzt hat, oder ein Ausdruck im gemeinten Zusammenhang völlig sinnfrei erscheint, im Familienkreis versteht ihn jeder. Neben vielen sprachlichen Spezialitäten ist bei uns seit Jahren der Ausdruck „How do you do“ für einen Ranken Brot gebräuchlich. Die Einblicke in die „Geheimsprache“ sollen hier nicht weiter vertieft werden, weil es ja sonst keine Familiensache mehr wäre.

Übrigens: Auch die Schweizer sind mit ihrer Sprache nicht mehr vor unerwünschten Lauschern sicher, weil ausgerechnet an der ETH Zürich, der führenden Hochschule der Schweiz, mit der App „Kännsch“ ein lernendes Übersetzungsprogramm entwickelt wurde. Vielleicht bleiben tatsächlich die manchmal krummen Ausdrücke unserer „Privatsprache“ auch eine letzte private Bastion.

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