Schwetzingen

Alte Wollfabrik „Poems on the Rocks“ bieten eine aufsehenerregende Reise in die Welt der Musik

Eine ganz besondere Nacht

Was sich da in der Alten Wollfabrik abspielte, verdient ohne jede Einschränkung das Prädikat wertvoll. Der Wort- und Klangteppich, den die „Poems on the Rocks“ schufen, entwickelte sich für die Zuhörer zu einem fliegenden Teppich in die Welt der ganz großen Songs. Die Truppe um den Schauspieler und Erzähler Jo Jung sowie Sänger Jörg Krauss machten aus den großen Rockklassikern der vergangenen 60 Jahre ein seelenberührendes Fest.

Es war früher sicher nicht alles besser. Aber was angesichts dieser Musiknacht ins Auge stach, war der Tiefgang der Lieder. Heute gehe es beim überwiegenden Teil, so Jung kurz vor Konzertbeginn, um das Ich. Vielleicht ein Effekt dieser Hyperindividualisierung. Aber das war nicht immer so. Die musikalische Schatzkiste, die das Team auspackte, ließ keinen Zweifel daran, dass Musik die Kraft hat, weit über das eigene Ich hinaus, zum gesellschaftlichen Resonanzkörper zu werden, und damit einen Unterschied markiert. Musik ist in den Augen der Musiker Jörg Krauss, Andy Kämmer (Bass), Christoph Berner (Gitarre), Helmut Kipp (Schlagzeug), Edgar Müller (Keyboard), Jo Jung und dem genialen Videokünstler Karsten Hoppe nichts, dass man so nebenbei hört. Musik sei eine Art gesellschaftlicher Seismograf, der ganze Generationen prägt und Richtungen vorgibt.

Tief in die Werke eingeführt

Ein Satz, der mit Liedern von „Money for nothing“, „Do it again“, „Superstition“ und „Sound of silence“ über „Californication“, „Road to hell“, „N’oubliez jamais“, „Bike“, „People are people“ und „Fragile“, bis zu „Uprising“, „Beds are burning“, „Salty Dog“ und „Lucky man“ dick unterstrichen wurde. Jung führte mit seinen lyrischen Übersetzungen das Publikum tief in die Werke hinein, von denen nicht wenige auch in philosophischer Hinsicht zu Brillanten wurden. So habe das Lied „Sound of silence“, geschrieben von Paul Simon im Jahr 1964, auch den Einfluss von Maschinen auf das Zwischenmenschliche zum Thema. Der Mann wusste noch nichts von Internet und Smartphone und betrachtete schon damals Effekte, die heute bedeutsam seien und den dauerflexiblen Menschen genau treffen.

Es war eine besondere Nacht. Die erzählten und gespielten Geschichten vom kleinen Mann, seinem Mut und seiner Angst, von Glaube und Sinn, dem Umgang des Menschen mit der Natur oder von Krieg und der Hoffnung auf Frieden, schafften eine fesselnde und berührende Atmosphäre. Ein Blick in die Gesichter der Zuhörer bewies, es machte glücklich. Der Mensch braucht mehr als Spaß und Unterhaltung. ske

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