Schwetzingen

Kleiderstube 22 Ehrenamtliche halten kleines Modegeschäft am Laufen / Bedürftige aus der Region kommen zum Shoppen / Sinnvolle Zweitverwertung von Anziehsachen

Eine unverzichtbare Institution

Archivartikel

Seit der Gründung der kurfürstlichen Kleiderstube sind erst zwei Jahre vergangen. Doch in diesen 24 Monaten entwickelte sich das kleine, aber sehr besondere Modegeschäft zu einer unverzichtbaren Institution. Und zwar weit über den ursprünglichen Personenkreis von Geflüchteten hinaus. Kamen in der Anfangszeit im Sommer 2016 vor allem Flüchtlinge, kommen nun auch zunehmend bedürftige Menschen aus Schwetzingen und der näheren Umgebung, um günstig Kleidung einzukaufen.

Eine Entwicklung, so Oberbürgermeister Dr. René Pöltl, die gewollt war. „Hier sollen alle Menschen, die ökonomisch nicht zu den stärksten gehören, eine Möglichkeit finden, gute und günstige Kleidung zu kaufen.“ Eine Sicht, die hier vor Ort auch die drei ehrenamtlichen Kleiderstubenbetreiber Jutta Richter, Ingrid Litschka und Christoph Wobbe teilten.

Anfangs, erklärten Richter und Litschka, war der Anteil der Geflüchteten unter den Besuchern schon sehr hoch. Aber mittlerweile erscheinen den 22 ehrenamtlichen Helfern die Zahlen ziemlich ausgeglichen. Eine Entwicklung, die den Ordnungsamtsleiter Pascal Seidel sichtlich freute. Wurden damit doch etwaigen Neiddebatten schon im Vorfeld das Wasser abgegraben. Nichts, so seine Meinung, hätte diesem wichtigen Projekt mehr geschadet, als Neid und Missgunst. Doch nun könne ohne jede Einschränkung von einer großen Erfolgsgeschichte gesprochen werden. Eine Meinung, der sich auch der Oberbürgermeister anschloss. Es war richtig, von Anfang an den Kreis der Berechtigten über die Flüchtlinge hinaus auf alle Bedürftigen auszudehnen. So konnte die unmittelbare Hilfe wirkmächtig werden.

Dabei halten 22 Ehrenamtliche den Betrieb der Kleiderstube aufrecht, was nicht immer ganz leicht sei. Aber am Ende, daran ließ hier niemand Zweifel aufkommen, stehe ein dickes Plus unter dem Engagement. Natürlich gebe man hier einiges, aber man bekomme auch viel, so der Tenor unter den ehrenamtlichen Helfern. Sowohl innerhalb des Teams als auch mit den Kunden herrsche ein sehr freundliches Klima. Ein Effekt, der sich übrigens auf die ganze Stadt auswirke. Wurden die 22 mit ihrem Engagement doch auch Teil eines Netzwerkes, das Schwetzingen ein anständiges Antlitz verleiht. Niemand solle hier das Gefühl haben, nicht dazuzugehören oder gedemütigt zu werden. Und Kleidung habe daran einen beachtlichen Anteil. Abgrenzung und Ausschluss über Anziehsachen sei nicht nur an Schulen ein Problem. Daher liegen Richter und Litschka auch die Kooperationen mit dem Kinderheim und Obdachlosenprojekte sehr am Herzen.

Pöltl brachte bei seinem Besuch auch noch den ökologischen Faktor ins Spiel. Jedes Jahr fallen laut statistischem Bundesamt über 700 000 Tonnen Altkleider an. Das seien 2000 Tonnen pro Tag. Angesichts dieser Dimensionen sei die Zweitverwertung über die Kleiderstube mehr als nur angezeigt. Und so stand für den Oberbürgermeister außer Frage, dass „wir Ihnen für Ihr großes Engagement an gleich zwei Fronten zu großem Dank verpflichtet sind.“ Auch die 22 seien ein Fundament des freundlichen Schwetzingens, das zumindest den Anspruch habe, niemand auszugrenzen und zu demütigen. Und die 7000 Euro, die die Stadt jährlich für Miete und Nebenkosten aufwendet, würden dagegen ziemlich klein aussehen.

Spenden nicht einfach ablegen

Im August ist die Kleiderstube, Friedrichsfelder Straße 2 (Ecke Friedrich-Ebert-Straße), geschlossen. Ab dem 3. September gelten die Öffnungszeiten von montags bis freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr sowie mittwochs von 16 bis 18 Uhr und samstags von 9.30 bis 11.30 Uhr. Die Kleiderstube bittet darum, Kleiderspenden nicht einfach vor der Tür abzuladen, sondern während der Öffnungszeiten vorbeizukommen. Dabei sollte die Kleidung möglichst saisonal, gewaschen und auch intakt sein, damit sie direkt in die Regale eingeräumt werden kann.

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