Schwetzingen

Geschäftsleben „Cantina Mexicana“-Inhaber Marko Renic schenkt kostenlos Suppe aus / Der 26-Jährige finanziert das selbst / Mitarbeiter der Küche unterstützen ihn

Eine warme Mahlzeit für die Bedürftigen

Marko Renic steht am Eingang der „Cantina Mexicana“. In der Tür steht ein kleiner quadratischer Tisch. Reinspazieren kann derzeit niemand in das Restaurant am Schlossplatz. Wegen der Corona-Krise ist es geschlossen. Renic wartet auf bedürftige Menschen, denen er von seiner selbst gemachten Suppe ausschenken kann – kostenlos versteht sich für den Schwetzinger. Täglich können von 17 bis 19 Uhr Bedürftige und Menschen, die durch die Krise in einen Engpass geraten sind, dort eine warme Mahlzeit bekommen.

Auf die Menschen zugehen, ihnen in diesen schweren Zeiten Halt geben und vor allem für sie da sein – Einkaufen gehen, telefonieren, Besorgungen machen. Marko Renic geht mit dieser Aktion einen Schritt weiter. Er bietet Bedürftigen somit einen Anlaufpunkt in der Stadt. Es gibt eine warme Mahlzeit und kurzzeitigen sozialen Kontakt.

Knapp bei Kasse

Anfang März hat Renic die „Cantina Mexicana“ nach 25 Jahren von seinen Eltern übernommen. „Irgendwann muss man den Leuten ja auch mal was zurückgeben“, sagt er über seine spontan initiierte Aktion. Denn er macht immer wieder in seinem eigenen Lokal Beobachtungen, erzählt er im Gespräch. Jugendliche, die ihren Vier-Euro-Cocktail mit ganz vielen Münzen bezahlen. „Ich selbst bin, beziehungsweise war Student und weiß wie es ist, knapp bei Kasse zu sein“, sagt der Inhaber. Und gerade jetzt in dieser Krise müsse man zusammenstehen. Renic betont, dass Menschen, die in Kurzarbeit geschickt werden, finanziell an ihre Grenzen kommen könnten. Manche vielleicht auch davor schon „von Lohn zu Lohn gelebt“ haben. Und für diese Menschen hat der 26-Jährige das Angebot in seinem mexikanischen Restaurant geschaffen. Er will sie nicht allein lassen.

„Wir hatten vergangene Woche beschlossen, zum Freitag, 20. März, unseren Laden zu schließen. Das Ordnungsamt kam uns damit am Donnerstag dann zuvor“, sagt Renic im Gespräch mit dieser Zeitung. Am Samstag hat er dann die Suppen-Aktion gestartet – er will den Menschen helfen und ihnen etwas zurückgeben. „Wir kochen Suppe in einem großen Topf und jeder der mag, kann sich einen Teller abholen“, beschreibt Renic das Konzept. Bisher habe sich das aber leider noch nicht so sehr rumgesprochen. Deshalb hat er unsere Zeitung angerufen. 20 bis 30 Suppen gab er am Wochenende aus. Das hielt ihn nicht davon ab, am Sonntagabend Richtung Bahnhof zu laufen und an die Obdachlosen, die dort sitzen, Suppe zu verteilen.

Angebot von Spenden

Unterstützung bekommt Renic von seinen Mitarbeitern. Die Zutaten für die Suppe zahlt der Inhaber aus eigener Tasche. „Es haben sich schon Menschen bei mir gemeldet, um Spenden zu tätigen“, sagt er, „bisher kann ich es aber noch aus eigener Tasche stemmen.“ Wenn sich das Angebot rumspricht und er 100 Suppen oder mehr ausgeben kann, „dann würde ich auch ein solches Angebot annehmen.“ Auch eine solche Zahl hält ihn aber nicht davon ab, auch ohne Spenden dieser Aktion durchzuziehen.

Immer am Nachmittag um 17 Uhr öffnet er die Tür, stellt den Tisch in den Eingangsbereich und wartet. „Ich werde übrigens jeden Tag hier stehen, egal wie viel Leute kommen“, betont der 26-Jährige. Und die Suppe, die am Abend noch immer im Topf ist? „Das was übrig bleibt, wird an Angestellte und meine Familie verteilt, weggeschmissen wird nichts“, macht Marko Renic klar und wartet weiter darauf, dass er Menschen helfen kann.

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