Schwetzingen

Einen guten Appetit noch

Archivartikel

Ralf Strauch wundert sich über entwaffnende Ehrlichkeit

Manchmal denke ich, im falschen Film zu sein. Zum Beispiel jüngst, als ich in dem Laden war, in dem ich hin und wieder meine Backwaren zu kaufe pflege. Während ich das Rückgeld in mein Portemonnaie sortierte, wandte sich die eine Verkäuferin der anderen zu und es entspann sich ein seltsames Gespräch. „Ich habe übrigens endlich mal im Regal bei den Brötchen geputzt.“ „Und? Das war schlimm, oder?“ „Frag nicht, es war noch schlimmer!“

Erst als ich die beiden Frauen fassungslos anstarrte, wurde ihnen offensichtlich bewusst, dass sie ihr Gespräch ganz ungeniert in einer Lautstärke geführt hatten, die mir ein Weghören schlicht unmöglich machte. Zum Glück hatte ich diesmal kein Brötchen erstanden. Und ich muss auch nicht lange überlegen, ob ich es noch einmal mache. Denn auf „schlimmer“ habe ich wirklich keine Lust.

Meine Bemerkung, dass es zwar löblich sei, dass nun endlich mal geputzt worden wäre, man die Missstände aber nicht unbedingt jedem Kunden auf die Nase binden sollte, wurde mit einem verlegenen Lachen abgetan.

Aber keine Sorge: Jetzt ist da oben ja alles wieder sauber. In der nächsten Zeit zumindest. Bis sich dann irgendwann wieder einmal eine Mitarbeiterin erbarmen muss, das „Schlimme“ wegzumachen. Guten Appetit noch.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional