Schwetzingen

Aktive Bürger Nach Infoveranstaltung zum Pfaudler-Areal architektonisches Konzept positiv bewertet / Kritik an ökologischen Mängeln

Einstieg in ernsthaft gewollte Mitsprache

Archivartikel

„Um es mit dem Entertainer Groucho Marx zu sagen: Das Geheimnis des Lebens ist Ehrlichkeit und fairer Umgang. Wenn du das vortäuschen kannst, hast du es geschafft. Ob die digitale Bürgerveranstaltung auf Ehrlichkeit und Fairness basiert, wird das zukünftige Verfahren zeigen“, so beginnt eine Pressemitteilung der Aktiven Bürger Schwetzingen (ABS) zur Bürgerinformationsveranstaltung für das Pfaudler-Areal (wir berichteten).

Die ABS sehen diese Veranstaltung als Einstieg in eine wirklich ernsthaft gewollte Mitsprache der Bürger an ihrem Stadtbild. In der nach Beendigung des Events angeregten Diskussion unter den ABS-Mitgliedern sei das architektonische Konzept auf den ersten Blick für den ersten Bauabschnitt positiv bewertet worden, teilt Vorsitzender Dieter Goldschalt mit.

Keine Wirkung auf Mikroklima

Die noch in der einführenden Powerpoint-Präsentation erwähnte Dachbegrünung sei in der Vorstellung der Baumaßnahme nicht mehr vorgestellt, heißt es weiter. „Die massiv angekündigte und beworbene Fassadenbegrünung entpuppt sich als Schleierbegrünung und bewirkt in dieser nur optischen Form von grünen Bändern vor den Fassaden keine wirkliche Verbesserung des Mikroklimas.“ Immerhin habe man den Begriff „preisgedämpft“ in der Vorstellung untergebracht. Eine Definition sei ausgeblieben, auch auf die Nachfrage einer Teilnehmerin, mit welchen Preisen Interessenten rechnen müssen, sei nur mit Schulterzucken reagiert worden. Zitat: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann man über die Preisgestaltung noch nicht reden“. Die ABS stellen sich die Frage, ob ein Investor, der bei einem Kauf einer Immobilie die Rendite nicht im Blick hat, weltfremd ist? Nicht betrachtet worden seien Aspekte, die die Stadt und somit den steuerzahlenden Bürger, die Umweltfolgen durch das verstärkte Verkehrsaufkommen, die Ver- und Entsorgung des entstehenden neuen Stadtquartiers betreffen.

„Ein Planungskonzept, das jede neue Entwicklung städtebaulicher Konzepte vermissen lässt, stringent ausgerichtet auf dem Gedankengut von Renditemaximierung auf Kosten Dritter und – nicht auszuschließen – auf Kosten der Allgemeinheit, ist kein Zukunftsprojekt“, schreiben die ABS. Dazu komme die Nichtbeachtung aktueller Rechtsprechung zum aktiven Schallschutz, Brandschutz und der ökologischen Ausrichtung neuer städtebaulichen Konzepte. Es sei auch nicht zielführend zu erwähnen, dass der Entwickler des Geländes von der einzigen Koryphäe in Deutschland zur Beurteilung des Schallschutzes beim Wohnungsbau in schallbelasteten Gebieten beraten werde. „Wir müssen hier Lösungen finden, die die neuen Schwetzinger Bürger nicht einer gesundheitsgefährdeten Bebauung des Pfaudler-Areals aussetzen“, heißt es in der Pressemitteilung. „Aktiver Lärmschutz gehe vor passivem Lärmschutz“ stehe in einem Leitsatz eines Urteils.

„Was stimmt denn nun?“

Die Frage nach der Machbarkeitsstudie zur Fußgänger- und Fahrradbrücke sei als Teil des Radschnellweges nun mit einer weiteren Variante versehen. Der Bund habe bereits einen Zwischenbescheid erteilt aufgrund der vorhandenen Studie. „Was stimmt denn nun? Eine Fahrradbrücke und die Machbarkeitsstudie dazu sollen finanziert werden. Dies alles in Kenntnis der mit der Covid-19-Krise einhergehenden Mindereinnahmen der Stadt und der möglichen Steuer- und Beitragserhöhung, die uns die nahe Zukunft bringen wird“, schreibt Goldschalt und ergänzt: „Wir, die ABS, sehen hier den Gemeinderat in besonderem Maße gefordert, im Sinne des Allgemeinwohls Verantwortung zu tragen. Transparenz der Entscheidung und des Entscheidungsweges sind wesentliche Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie. Die beginnt in den Kommunen.“

Der ökologische Aspekt der Bebauung solle auch auf dem Aspekt des ökologischen Fußabdrucks liegen. „Kein Wort in der Vorstellung über Heizsysteme, Abwasserbewirtschaftung und so weiter“, kritisieren die Aktiven Bürger. Es sei lediglich der Hinweis auf die Nutzung von Solartechnik erfolgt. Hier habe der Gemeinderat die Möglichkeit der Einflussnahme, gerade unter dem Gesichtspunkt der starken Grünen-Fraktion im Gemeinderat. Die Fraktionen dürften versichert sein, dass die ABS jede sinnvolle Maßnahme mittragen werden.

„Dem ehrlich gemeinten Konzept eines preisgedämpften Wohnungsbaus, ausgerichtet an den Förderrichtlinien des Landes und des Bundes können wir nur zustimmen. Wir möchten hier noch einmal betonen, dass wir nicht gegen ein marktwirtschaftliches Wohnungsbausystem sind, sondern dies unter der Prämisse der sozialen Marktwirtschaft behandelt sehen wollen“, erklärt Goldschalt. Staatliche Fördersysteme sollen nicht allein dem Investor zustehen, sondern den Bürgern einen Nutzen bringen und damit der Gesellschaft. Der Ankauf überteuerter Immobilien durch die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft erscheine den ABS als sinnfrei, wenn dadurch preisgedämpfte Wohnungen geschaffen werden sollen. zg

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