Schwetzingen

SWR Festspiele „Belles Amours – Louise de Vilmorin“

Emotionen für den Gehörgang

Die Sopranistin Christiane Karg, der Pianist Justus Zeyen und der Rezitator Thomas Quasthoff richteten zusammen eine Soiree aus, die immerhin eine große Zuhörerzahl in den Mozartsaal des Schwetzinger Schlosses lockte. Kein Wunder: Christiane Karg ist eine international viel beachtete Konzert- und Liedsängerin, Justus Zeyen ein erfahrener Begleiter am Klavier und Thomas Quasthoff ein berühmter Bariton, der 2012 seine Karriere beendete und als erfolgreicher Rezitator, Kabarettist und Moderator auftritt.

Drei klingende Namen garantieren natürlich nicht automatisch einen künstlerischen Erfolg. Doch am Donnerstagabend bei den SWR Festspielen übertraf das Ergebnis im Falle der drei Weltklasse-Musiker die Erwartungen. Karg und Zeyen gelang es, das weitgespannte Ausdrucksspektrum von Francis Poulencs (1899 – 1963) und Claude Arrieus (1903 – 1990) Vertonungen der Gedichte Louise de Vilmorins zu erschließen, während sich Thomas Quasthoff als Rezitator ihrer Texte inspirierend einfügte.

„Die Liebenden“ als Vorlage

Im Mittelpunkt des Abends stand die französische Dichterin und Schriftstellerin Louise de Vilmorin (1902 – 1969), die in den frühen fünfziger Jahren in den Pariser Salons Furore machte. Als Autorin zahlreicher Briefe, Gedichte, Romane, darunter „Belles Amours“, der auch das Motto des Abends vorgab, und eines Drehbuchs für den einst skandalträchtigen Film „Die Liebenden“ lotet sie mit wunderbar leichter Feder die erotischen Bereiche des Lebens aus. Thomas Quasthoff spürte den biografischen Hintergrund, die Informationen, Emotionen und Zwischentönen dieser Texte auf, machte sie hörbar und verlieh dem geschriebenen Wort eine unverwechselbare akustische Dimension.

Fulminante Strahlkraft der Stimme

Einen starken Eindruck hinterließen die vom französischen Komponisten Poulenc und der Komponistin Arrieu vertonten surreal-zartbitteren Gedichte Louise de Vilmorins. Mit makelloser Technik und fein differenzierter französischer Diktion ließ die Sopranistin Christiane Karg das Schwebende der Musik Poulencs mit neckischem Augenzwinkern aufleben, darunter den Zyklus „Trois poèmes“ oder „Métamorphoses“.

Ihr silbrig schimmernder Sopran blieb auch in den „Poèmes de Louise de Vilmorin“, „Fête“ oder in „Le sable du sablier“ (Der Sand der Sanduhr) von Claude Arrieu stets erotisch, frech und verführerisch. Dem letzten, dem sechsteiligen Zyklus „Fiançailles pour rire“ (Verlobung zum Lachen) von Poulenc verlieh sie eine Aura des Entrückten, wobei die fulminante Strahlkraft ihrer Stimme, besonders in „Fleurs“, noch einmal aufblühte.

Ihre virtuos dargebotenen Gesanglinien umschmeichelte Justus Zeyen auf dem Klavier mit farbig transparenter Klangmalerei und unterstützte so auf ideale Weise das Konzept der Sängerin.

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