Schwetzingen

Mediterrane Kochgesellschaft Weinprobe mit sechs Rieslingen / Exkurs in die Geschichte / Noten von Honig, Aprikose und Gras

Entdeckerparadies für Gaumen

Dass Wein mehr ist, als ein Getränk, dürfte als gesetzt gelten. Aber wie viel mehr wurde bei der Weinprobe der mediterranen Kochgesellschaft im Karl-Wörn-Haus überdeutlich. Der Riesling war Thema und Frank Jasensky malte von diesem deutschen Wein ein wahrhaft schillerndes Panoramabild.

Zu den sechs typischen Rieslingen servierte der Mann unfassbar viel Wissen. Und das keineswegs trocken wie die Weine, sondern vielfältig und abwechslungsreich. Es entstand ein weinseliges Kaleidoskop voller Geschichte und Kultur - und das hatte Einfluss. Denn Wissen verändert den Zugang und beeinflusst damit auch das Geschmackserlebnis. Ein Phänomen, das auch bei einem so bekannten Weißwein wie dem Riesling problemlos funktionierte.

Bevor das Glas mit dem ersten gelb-grün leuchtenden Tropfen gefüllt wurde, holte Jasensky weit aus. Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Riesling im Jahr 1477 im Kontext einer Verkaufsverhandlung. Rund 400 Jahre früher, so um 840 nach Christus, soll König Ludwig der Deutsche jedoch schon Riesling angebaut haben. Damals hatte es die eher ertragschwache Rebsorte noch schwer. Denn damals galt Wein noch als Grundnahrungsmittel, von dem vor allem viel produziert werden musste. Jasensky erzählte von Versorgungslisten für römische Legionäre, die vier Liter Wein pro Tag vorsahen. "Damals gab es oft nicht genug klares Wasser und Milch wurde nicht getrunken."

Einst teuerster Weißwein

Eine enorme Menge, auch wenn man bedenkt, dass der Wein damals mit drei oder vier Prozent im Vergleich zu heute weit weniger Alkohol hatte. Eine Zeitenwende für den Riesling, dessen Namen aller Wahrscheinlichkeit nach auf kleine schwarze, rußige Pünktchen zurückgeht, begann so um 1800. Es war eine Zeit des Umbruchs. Die Französische Revolution, ein immer weiter um sich greifendes Bürgertum, zahlreiche technische und wirtschaftliche Erneuerungen und das Reisen verwandelten den Wein von einem Grundnahrungsmittel in flüssige Kultur im Glas, das vor allem in England hoch im Kurs stand. Wobei sich das hauptsächlich auf die sehr Wohlhabenden bezog.

Gerade Riesling galt lange Zeit als teuerster Weißwein der Welt. Erst mit dem Zusammenbruch der Handelswege aufgrund des Ersten Weltkrieges entwickelte sich der Riesling zum Getränk der Deutschen. Nicht mehr so teuer, aber mit sehr edlen Blüten.

Und wie edel durften die rund 30 Tester hier erleben. Vom Riesling Roter Schiefer (Weingut Seebrich, Nierstein) und Wachenheimer Riesling (Weingut Reichsrat von Buhl), über Maximin Grünhäuser (Weingut Maximin Grünhaus Mosel) und Burg Layen Riesling (Schossgut Diel) bis zu Hochheimer Hölle Kabinett (Weingut Künstler) und Schieferkristall Feinherb (Karthäuserhof Eitelsbach) standen sechs sehr unterschiedliche Rieslinge auf dem Tisch, die zu überzeugen wussten. Claudia und Karl-Ludwig Jöhn, die gemeinsam mit Jasensky die Weine auswählten, leisteten ganze Arbeit. Jeder hatte seinen ganz eigenen Charakter. Noten von Honig, Aprikose und Pfirsiche mit Duft von Gras oder grünem Apfel wechselten sich ab und schnell kristallisierten sich verschiedene Vorlieben aus.

Es seien Welten, die sich da auftun und zum entdecken einladen. Antonia Busch, schon öfter bei Weinproben dabei gewesen, und der Weinproben-Neuling Werner Kolb waren gleichermaßen begeistert: "Nach so einem Abend trinkt man Wein anders, bewusster und umsichtiger. Ja, der Wein beginne Geschichten zu erzählen und die Erlebnistiefe nimmt zu. Der Riesling ist wahrhaftig ein geschmackliches Entdeckerparadies."

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