Schwetzingen

Geschichte und Geschichten Erinnerung an Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz

Er schuf die Dreiflügelanlage

Archivartikel

Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz starb am 8. Juni 1716. Er ließ das Schloss Schwetzingen als seine Sommerresidenz wiederaufbauen und zu einer repräsentativen Dreiflügelanlage erweitern, erinnern die Staatlichen Schlösser und Gärten an den Mann der Geschichte.

Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg wurde am 19. April 1658 als erster Sohn des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz und Elisabeth Amalia von Hessen-Darmstadt geboren. Um ihn mit der Halbschwester des amtierenden Kaisers, Leopold I., verheiraten zu können, übergab sein Vater ihm vorzeitig die Herrschaft über Jülich und Berg. Am 25. Oktober 1678 heiratete er in der Wiener Neustadt die Erzherzogin Maria Anna Josepha (1654 – 1689), Tochter des 1657 gestorbenen römisch-deutschen Kaisers Ferdinand III. Das junge Paar ließ sich in Düsseldorf nieder und der alte Herzog zog sich mit seiner Familie nach Neuburg an der Donau zurück. Nach dem Tod seines Vaters 1690 war er Kurfürst von der Pfalz, Pfalzgraf von Neuburg und Herzog von Jülich-Berg. Im Frieden von Rijswijk (1697), der den Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete, erreichte Johann Wilhelm die Rückgabe der von den Franzosen besetzten pfälzischen Gebiete. Dies erlangte er durch das Zugeständnis, dass die französischen Maßnahmen zur Rekatholisierung der Pfalz nicht rückgängig gemacht werden würden. Johann Wilhelm selbst war tief katholisch, weshalb ihm dieses Zugeständnis nicht schwerfiel. Da Schloss Heidelberg im Krieg zerstört worden war, residierte Johann Wilhelm weiter in Düsseldorf.

Unterkunft für Bedienstete

Schloss Schwetzingen wurde in seiner Geschichte einige Male umgebaut, zerstört und wieder aufgebaut. Gerade einmal 35 Jahre vor dem Pfälzischen Erbfolgekrieg hatte Kurfürst Carl Ludwig das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Schloss für seine Geliebte und zweite Gemahlin Luise von Degenfeld wieder aufbauen und prächtig einrichten lassen. Nach den Zerstörungen während des Pfälzischen Erbfolgekriegs beauftragte Johann Wilhelm 1710 erneut den Wiederaufbau und veranlasste repräsentative Gebäudeerweiterungen. Er plante, das Schloss als Sommerresidenz zu nutzen.

Um die Kavaliere, Hofdamen und Bediensteten in seiner Nähe unterzubringen, ließ Johann Wilhelm ab 1710 zwei Flügel an das Schloss anbauen. Das Schloss präsentierte sich nun als kleine, frühbarocke Dreiflügelanlage mit einem Ehrenhof. Nach dieser Umgestaltung wurde das Schloss nicht mehr zerstört. Am 8. Juni 1716, mit 58 Jahren, verstarb der Kurfürst kinderlos in Düsseldorf. Sein Bruder Carl Philipp übernahm die Nachfolge, erweiterte in Schwetzingen den Schlossmittelbau auf der Gartenseite und gab ihm auch hier eine symmetrisch barocke Fassade. Er war der Auftraggeber für die Anlage eines barocken Schlossgartens mit geometrisch angelegten Beeten und Springbrunnen sowie einer ersten Orangerie am heutigen Kreisparterre. Sein Nachfolger Carl Theodor schuf letztendlich das heute noch erhaltene, faszinierende Gesamtkunstwerk des Schlossgartens. zg

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