Schwetzingen

Mozartfest Roberto Prossedas spielt eine repräsentative Auswahl an Klaviersonaten / Notos Quartett springt ein – und überzeugt

Er taucht in die Gefühlswelt der Romantik

Im eröffnenden Adagio der Klaviersonate Nummer 4 von 1774 geht die Tür zu einer schönen Welt auf. Bei Roberto Prosseda tut sie das sogar besonders suggestiv. Aber der 45 Jahre alte Italiener, der beim Mozartfest Schwetzingen die Abschlussmatinee bestreitet, will dem Publikum auch anderes vermitteln. Etwa, dass sich hinter Mozarts Paradiespforten auch Schattenreiche auftun.

Dass der Komponist zugleich, nicht nur in jungen Jahren, voller Energie steckt. Dass er gern improvisiert. Mozarts Klaviersonaten-Welt sei „kein Museum“, sagt Prosseda, und genauso spielt er auch. Im Jagdsaal des Schlosses – das passt. Er ist als entdeckungsfroher Interpret von Mendelssohns Musik bekannt geworden. Mit dem Mozart der Romantik weiß Prosseda umzugehen, man vermutete bereits, dass ihm das auch beim echten Mozart keineswegs zum Nachteil werden könnte. Nach der Art der alten Meister, die nie alte Langweiler gewesen sind, verändert und verziert er manche Wiederholungsteile der Sonaten.

Setzt beredte, manchmal bedeutungsschwere Generalpausen. Lässt sich auf Mozarts kleine Finten ein, etwa, wenn eine Wiederholung einmal in der „falschen“ Tonart steht. All das erfahren die Besucher nicht bloß pianistisch, sondern häufig auch verbal. Der Pädagoge in Prosseda bricht sich immer wieder Bahn, man kann auch sagen: der begnadete Musikerklärer.

Ein machtvolles Unisono

Vier Sonaten stellt er vor, in einer Auswahl, die eine Entwicklung abbildet und sozusagen „Fortschritt“ aufzeigt. Die c-Moll-Sonate von 1784 stellt bei ihm ein machtvolles, gebieterisches Unisono-Motto in den Raum, es ist ein Schicksalspochen, fast den Heroismus Beethovens vorwegnehmend.

Und im Verlauf der Matinee veranschaulicht Prosseda, wie das Gefühlsformat der Mittelsätze immer weiter anschwillt. Seine Zugabe ist Mozarts d-Moll-Fantasie, deren Adagio-Abschnitt derart expressiv ist, dass schon wieder eine Tür aufgeht: diesmal in die Gefühlswelt der Romantik. Mozartfest-Geschäftsführerin Katharina Simmert freute sich nicht nur über Prossedas Klänge, auch das kurzfristig eingesprungene Notos Quartett – das Trio Wanderer hatte wegen des Coronavirus Probleme bei der Einreise nach Deutschland – lieferte im Jagdsaal ab. Sie spielten Mozarts Quartett Es-Dur, KV 493 und Johannes Brahms Klavierquartett in A-Dur, op. 26. „Besonders Brahms muss toll angekommen sein, da waren die Gäste danach richtig beseelt und das Fernbleiben von Trio Wanderer wurde verschmerzt“, sagte sie. HGF/nina

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