Schwetzingen

Orkantief „Emily“ Leser aus Schwetzingen berichten von ihren Erinnerungen an das große Unwetter vor 25 Jahren / Noch heute sind Löcher in den Rollläden

„Es herrschte Weltuntergangsstimmung“

Der heftige Hagel vor 25 Jahren (wir berichteten mehrfach), der vor allem in Ketsch große Schäden verursachte, hinterließ auch in Schwetzingen seine Spuren.

Gabi Bartz-Meyer (Bild) war gerade bei einem Kindergartenfest im Schälzig, als sie vor 25 Jahren die schwarze Wolkenwand sah, die Orkantief „Emily“ ankündigte. Auf unseren Aufruf in der Zeitung hin meldet sie sich, um von ihren Erfahrungen mit dem schweren Unwetter zu berichten. „Wir saßen da, haben den schwefelgelb-grauen Himmel gesehen und sind dann direkt nach Hause gegangen“, erinnert sich Bartz-Meyer. „Die Vögel hörten auf zu singen – es herrschte richtige Weltuntergangsstimmung. Und dann fing ein Wolkenbruch an wie ich ihn noch nie erlebt hatte – in unseren Schuhen stand das Wasser“, erzählt sie. Gerade noch so konnte sie sich ins Haus retten. Das Auto, das in der Einfahrt stand, hatte Dellen von den großen Hagelkörnern und die Rückspiegel waren kaputt. Das Partyzelt war plötzlich nicht mehr bei Bartz-Meyer im Garten, sondern einige Häuser weiter in der Nachbarschaft auf einem Grundstück. „Es war total zerfetzt – ein richtiges Spektakel. Sogar meine Schwiegereltern aus dem Schwarzwald riefen bei uns an“, erklärt sie. Im Haus gegenüber seien Dachfenster zerscheppert.

Schäden noch immer sichtbar

An den eindrucksvollen Himmel erinnert sich auch Günter Eckhardt noch genau. Kurz bevor das Unwetter losging, fuhr er sein Auto noch in die Garage rein und sein damals 16-jähriger Sohn warf ihm einen Teppich zum Schutz für das Fahrzeug nach draußen – viel gebracht habe der Teppich allerdings nicht.„Mein Auto hatte einen wirtschaftlichen Totalschaden; trotzdem bin ich mit meinem Auto noch eine Weile gefahren“, meint er. Am Haus habe der Hagel glücklicherweise nur kleine Schäden angerichtet – so seien die Rollläden bis heute mit Löchern versehen. Seinen Nachbar allerdings habe es schlimm getroffen. Dieser habe eine große Lichtkuppel über dem Esstisch gehabt, die vom Hagel durchgeschlagen worden sei. „Die Eiskörner sind dann auf dem Esstisch gelandet“, erzählt Eckhardt, der dem Nachbar zur Hilfe eilte. Seine Kinder hätten Hagelkörner eingefroren, um sie später der Mutter zeigen zu können, die gerade nicht im Ort war. „Es war schon eine krasse Erfahrung“, sagt er abschließend.

Camcorder eingeschaltet

Das kann auch Ute Roes bestätigen. Sie erinnert sich ebenfalls noch gut an den 22. Juli 1995: Mit ihrer kleinen Tochter war sie zusammen mit anderen jungen Müttern und deren Familien in einem Garten. Man kannte sich aus der „Krabbelgruppe“ der Kleinen und verlebte einen schönen Nachmittag. „Es war ein warmer Sommertag“, erinnert sich Ute Roes, „doch dann zogen am Himmel plötzlich diese schwarz-gelben Wolken auf. Wir ahnten schon, dass da was auf uns zukommt und packten schnell zusammen.“ Bevor sich der Himmel entlud, waren alle in Sicherheit beziehungsweise wieder zu Hause. Ute Roes hatte ihren Camcorder eingepackt. „Ich habe an dem Nachmittag gefilmt“, erzählt sie. Und als der Hagel losging, hielt sie ebenfalls die Kamera drauf, wie es so schön heißt. „Ich habe etwa 15 Minuten aufgenommen. Auf der Aufnahme hört man das Herunterprasseln der Hagelkörner“, bringt sogar die entsprechende DVD mit der Datei in der Redaktion vorbei (leider fehlen die technischen Möglichkeiten im Büro, um diesen Film online zu zeigen, Anm. d. Red.). Sie erinnert sich noch, wie der Hagel ihr Auto ordentlich zerbeulte „und auch die schöne große Trompetenpflanze wurde zerfleddert“.

Cabrio in Not

„Wir wohnten zu diesem Zeitpunkt in der Stamitzstraße in Schwetzingen. Dort und in den angrenzenden Straßen gingen die entstandenen Schäden ebenfalls in die Zehntausende D-Mark“, schreibt Stefan Schöfer der Redaktion und schildert seine Erinnerungen: „Am frühen Nachmittag wurde es plötzlich dunkel, wie eine schlagartige Abenddämmerung. Meine Frau und ich haben es zunächst mit Humor genommen und Kerzen zur Beleuchtung angezündet. Ein Blick nach draußen hat aber schnell gezeigt, dass da etwas Größeres im Anzug war. Zuerst kam der Hagel. Für Minuten regnete es die bekannt großen Hagelkörner. Ein damaliger Nachbar hat ein Exemplar noch lange Zeit in der Kühltruhe aufbewahrt. Wir hatten die Autos an der Straße stehen, was zu Schäden nur an unseren beiden Autos von zusammen 16 000 DM führte. Darüber hinaus gingen an unserem Haus auch 14 Dachziegel zu Bruch und der kleine Garten war ziemlich verwüstet. Als der Hagel vorüber war, gab es eine etwa halbstündige Niederschlagspause. Mein direkter Nachbar bat mich während dieser Pause, ihm zu helfen, weil eines seiner Dachflächenfenster durchschlagen war. Wir haben dieses Fenster in aller Eile mit Plastikfolie notdürftig abgedichtet, da klar war, dass das Unwetter noch weitergehen würde. Nach etwa dieser halben Stunde setzte ein heftiger Starkregen ein, der die Straße unter Wasser setzte und unserem Keller einen Wassereinbruch gegen das geschlossene Rückschlagventil bescherte. Ich erinnere mich auch noch, dass in diesen Minuten des Wolkenbruchs ein Autofahrer sein Cabrio ohne Dach durch unsere Straße steuerte, offenbar im Versuch, das Auto irgendwie in Sicherheit zu bringen.“ caz/kaba

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