Schwetzingen

Es kostet nicht den Verstand

Laura Amato darüber, warum jeder Hermann Hesse lesen sollte

Niemals soll man sich vom ersten Eindruck leiten lassen, denn letztendlich wird man im Regelfall eines Besseren belehrt. Bei meiner ersten Begegnung mit Hermann Hesse war es nicht anders. Als ich in den Sommerferien vor der zwölften Klasse den „Steppenwolf“ von Hesse aufgeschlagen habe, dachte ich mir: „Oh Gott, noch eine veraltete Schullektüre.“ Ich sehe mich zwar als große Verfechterin der klassischen Literatur, aber auf den ersten Blick schienen die Sätze in dem Roman kein Ende zu haben und die Wörter schienen übermäßig elaboriert.

Und wie aktuell kann schon ein Roman aus 1927 sein? Falsch gedacht. Jedes Wort und jeder Satz hat seine Berechtigung. Nach Beenden des Romans war ich überzeugt, noch nie etwas so aktuelles und passendes gelesen zu haben. Ich wollte mehr. Also griff ich zu „Demian“, dem Roman über den jungen Emil Sinclair, der mit dem Aufwachsen und der Selbstfindung kämpft. Dieses Werk ist und bleibt mein Lieblingsroman.

Hermann Hesse brachte mich neuen Seiten der menschlichen Psyche näher: Die Seelentheorie von Jung, die die Seele in verschieden beschaffene Teile trennt und deren Funktion festlegt. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Hesse meine Lebensansichten verändert hat.

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