Schwetzingen

Geschäftsleben Sanitär Müller macht seine Ausstellungsfläche zum Raum für Kunst und Kultur / Stephanie Kolb zeigt ihre Bilder

Farbexplosionen zwischen Badewannen

Archivartikel

Wer sagt denn, dass der November grau und ungemütlich sein muss? Zurzeit präsentiert er sich von seiner schönsten Seite, malt Blätter bunt und zaubert einen oft strahlendblauen Himmel – farbenfrohe Lichtblicke bietet auch die Künstlerin Stephanie Kolb. Ihre kunterbunten Werke zeigt sie bis in den Frühling 2021 hinein im Traditionssanitärhandel Hermann Müller GmbH & Co. KG (Müllers Bad.Kultur) im Odenwaldring.

Ein Besuch in der frühen Abenddämmerung lässt den Eingang zum Badausstellungsraum in grün-blaues Licht getaucht erscheinen, links daneben weist ein Langplakat – selbstredend in starken Farben – auf den zu erwartenden „Farbenrausch“ im Gebäude hin. Eher zurückhaltend sind dort Fliesen, die Kolorierung der Wände, die Dekoration der unterschiedlichen Badszenarien für jeden Anspruch, die der Fachbetrieb zum Anschauen bereithält. Das Ambiente unter freiliegenden Lüftungsrohren und damit dem trendigen Industrial-Look ist prädestiniert, anderes ins rechte Licht zu setzen.

Ins Auge fällt die professionelle Beleuchtung der bereits hängenden 30 farbexplosiven Exponate, die gleich die Frage aufwirft, was dahintersteckt. Müller-Geschäftsführer Johannes Schwald lacht: „Mein Bruder und ich sind Musiker, der Kunst im Allgemeinen verbunden, deshalb gibt es hier Galerieleisten und entsprechendes Licht“, erklärt er die Installation.

Location hat ihren Reiz

Im Hinterkopf habe man schon länger, „zehn, elf Jahre“, damit geliebäugelt, zwischen den eher kühl wirkenden Badewannen und Fliesenspiegeln einen Kleinkunst- und Kunsttempel zu erschaffen, schildert Schwald. Eine interessante Vorstellung, den Gitarre spielenden Solisten auf dem Wannenrand zu sehen, die Kleincombo mit Schlagzeug in der Wanne, flankiert von Saxofonist und Bassist, einen lesenden Schriftsteller drapiert in der Fliesenausstellung inmitten feiner Mosaike und großflächiger Natursteinkacheln, flanierende Gäste in fesselnden Badwelten – und doch, gerade diese ganz andere Location hat ihren Reiz.

Jetzt sind die Farbtupfer mit Tiefgang von Stephanie Kolb die Hingucker. Gerade haben Kolb und Schwald noch den „König der Tiere“, majestätisch schauend mit Strahlkraft, geradegerückt, da wird das Auge schon von der kreativ-fantasievollen bunten Stadt gefesselt, der gegenüber der Totenkopf nach mexikanischer Dià de los Muertos-Art (Tag der Toten) fasziniert. Dazwischen Stephanie Kolb im Look ihres großen Vorbildes Frida Kahlo mit Blumen im Haar. Sie malt sich seit drei Jahren glücklich, wie sie sagt, denn sie hat nach künstlerischen Exkursionen zu vielen Stilen den ihren gefunden.

Die 48 Jahre alte Grundschullehrerein aus Oftersheim ist in doppeltem Sinn vielschichtig: einmal als Mensch, Mutter, Lehrerin, Ehefrau, Künstlerin und im Stil. „Ein Bild entsteht aus einer spontanen Idee, die dann sofort umgesetzt werden muss“, sagt sie. Ihre Vorgehensweise ist intuitiv, beginnt mit Farben und Formen, die scheinbar willkürlich auf dem Untergrund in Spritz-, Druck- oder Schabloniertechnik ihren Platz finden. Schicht um Schicht übermalt die gebürtige Hamburgerin danach diesen reichen Farbschatz, der jedoch an vielen Stellen sichtbar bleibt, als Schatten inszeniert und mit Details akzentuiert hervorgehoben wird. „Dieser Schaffensprozess dauert so lange, bis mir das Bild stimmig erscheint“, erklärt sie. zesa

Info: Mehr Fotos der Ausstellung unter www.schwetzinger-zeitung.de

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional