Schwetzingen

Palais Hirsch Neue Ausstellung „Allein das Schweigen ist groß“ mit Werken von Martin Guido Becker und dem verstorbenen Künstler Thomas Burton Watkin Forster

Feinstes Malerhandwerk mit romantischer Note

Archivartikel

Weder Sekt noch Fingerfood gab es bei der Vernissage im Palais Hirsch, da „keine gute Kombination“, so der künstlerische Leiter des veranstaltenden Kunstverein Schwetzingens, Dr. Dietmar Schuth, aber dafür Kunst pur und dazu noch im Doppelpack. Auch wenn die aktuell geltenden Hygienebestimmungen die Platzanzahl bei Veranstaltungen deutlich reduziert haben, so ist es dennoch bezeichnend, wenn diese bei Kunstevents voll besetzt sind.

Das sah auch Oberbürgermeister Dr. René Pöltl so, der zusammen mit dem Vorsitzenden des Kunstvereins, Erik Schnatterer, und Dr. Dietmar Schuth die Ausstellung eröffnete, in der Werke von Martin Guido Becker und dem 1887 verstorbenen englischen Maler Thomas Burton Watkin Forster zu sehen sind. Martin Guido Becker stammt aus Mainz und hat in Mannheim studiert. Dort hätte er schon Kontakt nach Schwetzingen gehabt und „Aufbauhilfe“ für den Verein geleistet, gab der Kunstverein bekannt.

„Eine besondere Ausstellung in besonderer Zeit“ sei dies, so das Stadtoberhaupt in seiner Rede, und fügte hinzu: „Kunst ist etwas Essentielles, was im Künstler steckt, was hinaus will. In dieser Zeit, in der das aktuell nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, sieht man, was passieren kann und wie groß das Leiden sein muss, ohne, dass ich jetzt Namen nenne“, womit er den tragischen Selbstmord des Mannheimer Musikers Stephan Ullmann meinte (wir berichteten). Auch seien die vergangenen zehn Jahre ein reiner Konsumrausch gewesen. Die Werke von Martin Guido Becker böten die Möglichkeit, nun darüber nachzudenken. Wie sehr die Bilder die Menschen ansprächen, sähe man auch an den voll besetzten Stühlen.

Verblüffende Ähnlichkeit

Erik Schnatterer wies auf die Bedeutung der Aufgabe hin, Kunst zu erhalten und zu fördern, weshalb er sich in dieser dafür schwierigen Zeit sehr über den Fördertopf des Landes freue, der bereitgestellt worden sei. Er bedankte er sich zudem für die Zuwendungen aus dem Kunstförderprogramm „ArtRegio“ der Sparkassen-Versicherung.

Dr. Dietmar Schuth führte in die Ausstellung ein. „Bei den Werken von Martin Guido Becker handelt es sich um feinstes Malerhandwerk mit aufwendiger Glasurtechnik, aber auch um romantische Malerei, die bei genauer Betrachtung gar nicht so dunkel ist, wie man oft auf den ersten Blick meinen könnte, sondern hoch emotional“, sagte Schuth. Auch hätten viele der Werke eine geradezu mystische Dimension und würden die Sehnsucht nach einer pantheistischen Welt verkörpern, gemäß der Lehre, nach der Gott in allen Dingen der Welt existieren würde. In den Gemälden käme der Mensch nicht oder nur marginal vor.

Als einer der beiden Nachlassverwalter von Thomas Burton Watkin Forster habe der Künstler dessen Gemälde als Leihgabe der Gemeinde Büsingen mitgebracht. Da beide Vertreter der romantischen Malerei seien, rief Schuth zu einem Ratespiel auf: „Schauen Sie nicht auf den Namen darunter und raten Sie, was von wem ist. Wir haben die Bilder bewusst durcheinander aufgehängt.“

Martin Guido Becker verriet: „Die Werke von Forster haben mich künstlerisch befruchtet, auch wenn uns über 130 Jahre trennen. Den Ausstellungstitel – allein das Schweigen ist groß – hat meine Frau in einem französischen Buch gefunden. Er passt wunderbar.“

Besucher Mike Senior aus Schwetzingen lobte die Ausstellung überschwänglich: „Sicher eine der besten in den letzten zehn Jahren, besonders Forster“, so der gebürtige Engländer. Susanne Weber aus Leimen faszinierten hingegen Beckers Werke. „Sehen Sie hier? Dieser Sternenhimmel, wie großartig“, staunte sie über „Haus unter Sternenhimmel“. Die Werke von Forster seien nicht verkäuflich, gab der Künstler weiterhin bekannt: „Es wurde im Nachlass verfügt, dass sie nur verkauft werden dürfen, wenn ein Museum dafür gebaut wird. Das ist leider illusorisch, auch wenn seine Gemälde faszinierend sind, da er als Künstler zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten ist.“

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