Schwetzingen

Stadtkirche Literarisch-musikalischer Gottesdienst

Flüchtige Gleichnisse berühren Gemeinde

Archivartikel

„Blätter wehen vom Baume, Lieder vom Lebenstraume wehen spielend dahin . . . Blumen und Schmetterlinge, die unvergänglicher Dinge flüchtiges Gleichnis sind.“ Zeilen des Dichters Hermann Hesse wie diese waren es, die Hanna Schwichtenberg (Bild), Deutschlehrerin am Hebel-Gymnasium, und Pfarrer Steffen Groß zu einem literarisch-musikalischen Gottesdienst in der Stadtkirche inspiriert hatten. Eine Idee, die viele Menschen ansprach: Die Stadtkirche war am Sonntag gut gefüllt.

„Die Idee zu einem Literaturgottesdienst hatten wir schon lange“, erklärten Schwichtenberg und Groß. Den Anstoß, den Gedanken in die Tat umzusetzen, bekam der Pfarrer, als er zum ersten Mal den Zyklus „Die Lieder aus dem Stadtgarten“ von Tamara Ibragimova hörte. Die Komponistin aus Ketsch hatte im vergangenen Jahr fünf der schönsten Gedichte von Hermann Hesse vertont. Ihr Mann Alexander Levental (Klavier) und die Sopranistin Almut-Maier Fingerle intonierten sie nun im Zentrum des Gottesdienstes. Lesungen der Gedichte durch fünf Schüler des Hebel-Gymnasiums sowie kurze Kommentare von Schwichtenberg und Groß ergänzten die Lieder.

Almut-Maie Fingerle und Alexander Levental gelang es, die expressive, an Debussy und Alban Berg erinnernde Tonsprache Ibragimovas spannungsreich und fein nuanciert umzusetzen. Sie beschworen damit eine Stimmung herauf, die sich wie selbstverständlich zu den Themen und der bildreichen Sprache Hesses fügte und seine Verse musikalisch weiterdachte. Die sensiblen Kommentare aus literaturwissenschaftlicher und theologischer Perspektive schlossen den Besuchern den Gehalt der Gedichte noch einmal ganz anders auf. Gemeinsam mit den Lesungen der Schüler und einer abgestimmten Liturgie ergab sich ein besonderer Gottesdienst.

Vergleiche im menschlichen Leben

Verwehende Blätter und die Lieder der Kindheit, Wolken, ein Blütenzweig oder ein Schmetterling sind für den Dichter flüchtige Gleichnisse „der unvergänglichen Dinge“. „Die Lyrik Hesses lädt uns ein, nach solchen Gleichnissen des Himmels in der Natur und im menschlichen Leben zu suchen und diese immer neu zu deuten“, erklärte Pfarrer Groß (Bild).

Die Gottesdienstbesucher verließen am Ende berührt und begeistert zugleich das Gotteshaus. Eine Besucherin sprach aus, was viele dachten: „Gottesdienste wie diesen sollte es erneut geben.“ sg/zg

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