Schwetzingen

Im Interview Henrike Bierbrodt restauriert Gemälde / Sie ist Ausstellerin bei der "Werte"-Messe

Frau mit viel Feingefühl

Schwetzingen.Die "Werte"-Messe mit Werkstätten traditioneller Handwerkskunst gastiert an diesem Wochenende zum dritten Mal nach 2013 und 2015 im Schloss. Auf der bundesweit stattfindenden Ausstellungsreihe zeigen Restauratoren und spezialisierte Handwerksbetriebe verschiedener Fachrichtungen ihr Können und geben Einblicke in traditionelle Bearbeitungsmethoden und modernste Konservierungstechnik. Mit dabei: Die Mannheimer Diplom-Restauratorin Henrike Bierbrodt (Bild). Sie hat sich auf Gemälde spezialisiert und erzählt, warum.

Frau Bierbrodt, Sie sind von Beginn an als Ausstellerin bei der "Werte"-Messe mit dabei. Was hat Sie dazu veranlasst?

Henrike Bierbrodt: Die Arbeiten von Restauratoren finden vielfach im Atelier statt und sind für das interessierte Publikum im Alltag nicht erfahrbar, oft auch nicht direkt sichtbar. Das Erkennen einer guten Restaurierung setzt gewisse Kenntnisse voraus. Bei der "Werte"-Messe habe ich Zeit und Gelegenheit mit Besuchern über unterschiedlichste Fragen intensiv ins Gespräch zu kommen.

Wie finden Sie dieses Ausstellungsangebot?

Bierbrodt: Die "Werte"-Messe im Schloss Schwetzingen stellt ein gelungenes Ausstellungskonzept in schöner Atmosphäre dar. Wir Aussteller laden unsere Kunden ein, dazu kommen zahlreiche Besucher des Schlossparks, die unser Angebot attraktiv und interessant finden.

Konnten Sie von den beiden vorherigen Messen direkt Aufträge akquirieren?

Bierbrodt: Ja, es gab Anfragen und auch Aufträge.

Welche Art von Gemälden restaurieren Sie?

Bierbrodt: Als Freiberuflerin liegt mein Schwerpunkt auf Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts. Hier habe ich viel im Bereich der klassischen Moderne gearbeitet und auch zeitgenössische Werke restauriert. Im Auftrag von Museen habe ich auch Gemälde und Sammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts konservatorisch betreut und restauriert.

Welches war das teuerste Gemälde, das Sie restauriert haben?

Bierbrodt: Wahrscheinlich Max Beckmanns Gemälde "Bildnis Minna Tube" aus der Sammlung des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern.

War auch schon mal ein bekanntes Werk darunter?

Bierbrodt: Ja, natürlich, Thoma, Dix, Liebermann. Es geht aber nicht immer nur um bekannte Namen, sondern auch um unbekannte Objekte, die ihre eigene Geschichte haben und die oft durch kleinere Restaurierungsmaßnahmen erhalten werden können.

Sind es immer nur sehr alte Bilder, die Sie bearbeiten?

Bierbrodt: Nein, häufig müssen auch moderne Kunstwerke restauriert werden, die zum Beispiel aufgrund eigenwilliger Herstellungstechniken teilweise fast noch empfindlicher sind als ältere Werke.

Was muss man mitbringen, um Restaurator zu werden?

Bierbrodt: Als Restaurator arbeitet man an einer Schnittstelle zwischen verschiedenen Disziplinen. Neben künstlerischem Einfühlungsvermögen und hohem handwerklichem Können muss man gewillt sein, sich intensiv mit kulturhistorischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen.

Was hat Sie zu diesem Beruf inspiriert?

Bierbrodt: Begeisterung für Kunst und Kultur und der Wunsch, sowohl theoretisch als auch praktisch zu arbeiten.

Mit welchen Techniken und Hilfsmitteln bereiten Sie Gemälde auf?

Bierbrodt: Vor der Restaurierung ist es wichtig, ein Objekt zu untersuchen, um zu verstehen, wie es aufgebaut ist. Dazu verwende ich Mikroskope mit unterschiedlichen Vergrößerungen und Lichtarten. Bei manchen Fragestellungen ist eine Materialanalyse sinnvoll. Es gibt viele Geräte, die speziell für die Restaurierung entwickelt worden sind. Manchmal muss man sich aber auch etwas komplett Neues ausdenken, weil jedes Objekt ein Unikat ist und das Material fast immer sehr unterschiedlich reagiert.

Was wird auf der Werte-Ausstellung am Wochenende an Ihrem Stand geboten?

Bierbrodt: Ich bringe Objekte mit, an denen ich zum Beispiel eine Oberflächenreinigung zeigen kann. Häufig haben aber auch Besucher Gemälde dabei und wir unterhalten uns über Fragen der Herstellungstechnik und Datierung, Erhaltungszustand und mögliche konservatorische Maßnahmen. Die Anliegen und Gespräche sind immer sehr individuell und vielfältig - ich freue mich schon darauf! Bild: Bierbrodt

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