Schwetzingen

„Freizeit“ auf der Autobahn

Archivartikel

Gert Häusler über das Gemeinschaftsleben im Stau

Freitag vor einer Woche, eine Genießerrunde von Freunden aus dem Rhein-Main-Neckar-Gebiet hat sich im hessischen Odenwald verabredet. Obwohl Freitag, schien das kurze Stück Autobahn doch der beste Weg zum kulinarischen Treff zu sein. Sicherheitshalber noch das Navigationssystem befragt, um vor möglichen Staus auf der Route gewarnt zu sein. Das meldete sich gleich auch mit einem Hinweis und einer Frage „Verzögerungen auf der gewählten Strecke – Umleitung übernehmen?“, was wir auch taten. Das ging zunächst noch gut, bis zwölf Kilometer vor Lorsch ein Stau begann. Darauf folgte das Übliche: Stehen, ein paar Meter fahren – auf der dreispurigen Fahrbahn eine Rettungsgasse bilden – und wieder stehen und fahren. Bis dann zwei Kilometer vor unserer empfohlenen Ausfahrt Lorsch gar nichts mehr ging und der totale Stillstand herrschte. Ein einzelnes Absperrfahrzeug fuhr noch durch die Rettungsgasse, dann war erst einmal Ruhe. Nachdem sich 20 Minuten lang nichts tat, stiegen die Ersten aus ihren Autos aus und das Gemeinschaftsleben begann. Autonachbarn unterhielten sich, viele machten Stau-Selfies, aus einem Fernbus kamen die Passagiere nach und nach ebenfalls nach draußen, die meisten hatten Getränke und Vesper dabei. Der Fahrer eines froschgrünen Super-Porsche montierte das Frontkennzeichen ab und fotografierte sein Prachtstück wohl im Staumodus. Wir informierten unsere Freunde per WhatsApp und „Beweisfoto“ über den Stauaufenthalt und empfahlen ihnen, schon mal zu bestellen. Die meldeten sich kurze Zeit später mit der Botschaft, dass sie einstweilen eine Vorspeise bestellen würden. Wir gönnten ihnen den „Handkäs’ mit Musik“. Nach weiterer Wartezeit, aber als es unsere Staugemeinde eigentlich noch gar nicht erwartete, wurden auf einmal die ersten Lkw-Motoren gestartet, alle verschwanden in ihren Autos und die Staufahrt begann aufs Neue. In den zwei Kilometern „stopp and go“ bis zur Ausfahrt sahen wir zwei weitere kleinere Unfälle, zwar nur mit leichten Blechschäden, aber dennoch blockierter Fahrspur. Etwas mehr als eine Stunde später als geplant kamen wir dann endlich doch noch zu einem schönen Abendessen und einem vergnüglichen Abend im Odenwald an. Die Runde war sich angesichts unseres Erlebnisses allerdings einig, dass unser nächstes Treffen nicht an einem Freitag sein wird.

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