Schwetzingen

Schöffengericht Schwetzinger besorgt Drogen im Darknet

„Freundschaftsdienste“ bringen Mann (33) Strafe ein

Archivartikel

Die Anklage lautete auf vorsätzlichen unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln in Tatmehrheit mit zwei Fällen des versuchten Erwerbs. Ein 33-jähriger Schwetzinger musste sich deshalb vor dem Schöffengericht verantworten.

Er hatte unter anderem Amphetamin und Marihuana in nicht geringen Mengen im Darknet bestellt, um die Drogen dann an Freunde und Bekannte weiterzugeben. Der 33-Jährige leidet an einer Stoffwechselkrankheit und ist möglicherweise bald auf den Rollstuhl angewiesen. Er hat große Probleme beim Gehen. Ein Arzt hatte ihm medizinisches Cannabis verschrieben. Er sei über Freunde „in die Sache hineingeraten“, führte der Angeklagte aus: „Die Idee kam von denen, ich war neugierig und ich habe für die anderen bestellt.“ Bei den Drogengeschäften habe er sogar meistens ein Minus gemacht. Er sei von den Bekannten aufgefordert worden, auch mal „kiloweise zu bestellen“. Einer der Kumpels habe ihm sogar mit einer Zigarette ein Brandmal am Hals zugefügt. „Ich ärgere mich heute, dass ich mich darauf eingelassen habe“, sagte der 33-Jährige, der zur Sache keine weiteren Angaben machen wollte.

Ein 48-jähriger Polizeibeamter berichtete, wie die Amphetamin-Lieferung vom Hauptzollamt in Köln gemeldet worden war. Die Wohnungsdurchsuchung bei dem Schwetzinger habe 4100 Euro zu Tage gefördert. „Er war kooperativ. Er hat hin und her verkauft, das Risiko getragen, aber nichts daran verdient. Bestellungen und Verkauf schienen aber durchdacht gewesen zu sein“, so der Zeuge. Einer der Abnehmer sei dagegen im Drogenmilieu einschlägig bekannt gewesen.

Ein 27-jähriger Ermittler schilderte den Angeklagten ebenfalls als „zugänglich“. Er habe Angaben zu Hintermännern und Abnehmern gemacht. Ein von dem 33-Jährigen im Darknet bestelltes Paket mit Marihuana sei allerdings nie angekommen.

Das Schöffengericht nahm einige Lichtbilder und den Untersuchungsbericht des Landeskriminalamts zur Kenntnis. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah „kein Handelstreiben im großen Stil“. Der Angeklagte habe quasi eine „Lebensbeichte“ abgegeben und genau beschrieben, wie es zu den Drogengeschäften gekommen sei: „Er wollte Freunde haben und hat nur wenig abgezweigt für den Eigenkonsum. Außerdem konnte er ja Cannabis auf Rezept kriegen.“ Eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung und eine Geldauflage reichten aus. Der 33-Jährige sei nicht vorbestraft und zeige eine positive Sozialprognose.

Drei Jahre Bewährungszeit

Verteidigerin Carolin Hierstetter verwies auf einen „sehr speziellen Fall“. Ihr Mandant habe anderen einen Freundschaftsdienst erweisen wollen und sich dabei ausnutzen lassen: „Er ist gewiss nicht der große Drogendealer und hat nicht viel Geld dafür eingenommen.“ Und er habe Aufklärungshilfe geleistet. Eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten sei ausreichend.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Sarah Neuschl verhängte ein Jahr und zwei Monate. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Das Gericht habe beim Urteil sowohl die Tat als auch das Persönlichkeitsbild des Angeklagten genau betrachtet. Der 33-Jährige habe schon im Ermittlungsverfahren ein Geständnis abgelegt. Die Betäubungsmittel seien teilweise nicht in Umlauf gekommen. Zusätzlich muss der Mann eine Geldauflage von 1600 Euro an die Staatskasse überweisen. vw

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