Schwetzingen

Mozartfest Nikolaus Friedrich begeistert mit seiner Uraufführung von York Höllers Werk

Frohsinn und dunkle Abgründe

Wenn der Komponist sein eigenes Werk aus dem Publikum mitverfolgt, ist es eine Ehre, aber auch Herausforderung für die Musiker. Beim Mozartfest feierte man die Premiere des „Assonanzen-Quartetts für Bassettklarinette in A und Streichquartett“ mit dem Minguet Quartett und Nikolaus Friedrich. Und Komponist York Höller war selbst dabei.

Zunächst widmete sich das Minguet Quartett aber den Meistern der Vergangenheit und eröffnete das Konzert mit einem belebten Allegro moderato aus dem „Streichquartett Nr. 82 F-Dur“ von Haydn. Zwischen Forte und Piano rollte die Melodie des zweiten Satzes immer weiter. Ohne sich anzuschauen, fügten sich die Musiker dem Puls des Orchesters. Im Andante hörte man einen innigen Dialog zwischen Ulrich Isofort an der Violine und Matthias Diener am Violoncello, in den Variationen führten wiederum Cello und zweite Violine mit Annette Reisinger. Die Vierte im Bunde war Aroa Sorin an der Viola, die den typischen Quartettklang vervollständigte und bereicherte. Höchste Konzentration war im Finale geboten, als man nach dem ersten gemeinsamen Akkord Tempo aufnahm.

Welch ein Kontrast zum nächsten Werk: Mit Nikolaus Friedrich wandelte sich das klangliche Gesamtbild, im Quintett mit der Bassettklarinette erfuhren die Zuhörer ein seltenes Hörerlebnis, das seit Mozart kaum zu Gehör kommt. Dass die Bassettklarinette wieder Beachtung findet, hat man dem künstlerischen Leiter des Mozartfestes zu verdanken. Als Auftragswerk war diese Besetzung für Komponist York Höller erst interessant geworden.

Eine große Leistung

In fünf Sätzen hatte Höller auf verschiedene Kompositionstechniken zurückgegriffen und bediente sich aus dem Bereich der Verslehre. „Assonanzen“ sind in der Poetologie unvollkommene Reime. So sind einige Takte immer wieder ähnlich, jedoch nicht identisch. Nicht chronologisch sind so fünf Charakterstücke entstanden, zunächst der virtuose fünfte Satz, der den Spielern spieltechnisch alles abverlangte. Während der erste Satz entstand, verstarb auch noch die Mutter des Komponisten. Dies verarbeitete Höller im dritten Satz, indem er mit den Tönen a-b-es-c-h-e-d klanglich „Abschied“ nahm.

Während der Höreindruck bei jedem Zuhörer mit anderen Assoziationen verbunden ist, konnte man über die exzellente Ausführung nur staunen. Der Applaus galt dem Komponisten wie dem Quintett gleichermaßen. Höller unterstrich, dass er „allen Spielern unglaublich viel an Spieltechnik und Koordination abverlangt habe – sie sind ausnahmslos exzellente Musiker.“

Seit 1988 sind die Musiker des Minguet Quartetts in allen großen Konzertsälen weltweit zu hören. Im Klarinettenquintett A-Dur KV 581 von Mozart traten sie ein weiteres Mal mit dem Soloklarinettisten des Nationaltheaters, Nikolaus Friedrich auf die Bühne. In vier Sätzen er-lebte man die ganze Klangwelt Mo-zarts – vom beschwingten Frohsinn bis hin zu dunklen Abgründen. Auch wenn der Meister der Klassik nicht im Publikum saß, wäre er über die Ausführung seines Werkes unter diesen gekonnten Händen bestimmt erfreut gewesen.

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