Schwetzingen

Geschäftsleben Stabhochspringerin Lisa Ryzih absolviert spezielles Aufbautraining im Pfitzenmeier Premium Plus Resort Schwetzingen

Für Olympia gibt sie alles

Die Hiobsbotschaft kam zweieinhalb Monate vor der Leichtathletik-Europameisterschaft im August in Berlin. Stabhochspringerin Lisa Ryzih hatte sich einen Teilriss der Achillessehne zugezogen. Die Qualifikation bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg im Juli war nicht mehr möglich. Die Sommersaison war für die 30-Jährige gelaufen. In den letzten Wochen absolvierte die Vize-Europameisterin von 2016, die eine Zeit lang einen Spezialschuh tragen musste, ein spezielles Aufbautraining. Nach ein paar Tagen Urlaub und kleineren Übungseinheiten nahm sie jetzt wieder das reguläre Training auf, das sie nun ins Pfitzenmeier Premium Plus Resort in Schwetzingen führte.

Sportlicher Direktor Haki Kadria absolvierte mit der Athletin eine FMS Diagnostik (Functional Movement Screening), um ihre Leistungsfähigkeit auf den Prüfstand zu stellen. Das Screening zur Darstellung der Qualität von Bewegungsmustern deckt Defizite in der Beweglichkeit und Stabilität auf, erläuterte Haki Kadria. Anhand der Asymmetrien können gezielt Übungen ausgewählt werden. Fortschritte werden dabei sichtbar gemacht, beschrieb der Diplom-Sportlehrer die Umsetzung.

Schwester als Vorbild

Lisa Ryzih, die für den ABC Ludwigshafen startet, wurde im russischen Omsk geboren und kam 1992 als Übersiedlerin mit ihrer Familie nach Ulm. Die sympathische Athletin wurde durch ihren Vater Vladimir Ryzih, der ein Leistungszentrum für Frauen-Stabhochsprung aufbaute, an die olympische Disziplin herangeführt. Ihre ältere Schwester Nastja, die 1999 Hallenweltmeisterin wurde, ist ihr Vorbild.

Die 30-Jährige, die auf Facebook 5300 und auf Instagram über 11 000 Follower hat, ist 1,79 Meter groß und wiegt 60 Kilogramm. Im vergangenen Jahr wurde sie in Leipzig mit 4,65 Meter deutsche Hallenmeisterin und in Erfurt mit 4,70 Meter deutsche Meisterin. Ihre persönliche Bestleistung liegt bei 4,75 Metern, die sie bei den Hallen-Europameisterschaften letztes Jahr in Belgrad übersprang. Bei den Weltmeisterschaften 2017 in London verpasste sie knapp eine Medaille.

Die FMS Diagnostik umfasst sieben Tests, für die es jeweils drei Versuche gibt. Die Bewertungskriterien reichen von null bis drei Punkte (exakte Ausführung des Bewegungsmusters). Die Übung „Deep Squat“ erfordert einen aufrechten Stand, dabei sind Rumpf, Fersen und ein Stab in derselben Position zu halten. Beim „Hurdle Step“ musste die Spitzensportlerin mit dem Stab im Nacken und bei aufrechter Haltung über eine Hürde steigen. Mit dem „Inline Lunge“ lag der Stab senkrecht an der Wirbelsäule entlang, während das rechte Knie auf einem Brett ruhte. Die „Shoulder Mobility“ wurde bei einem aufrechten Stand mit enger Fußhaltung durchgeführt.

Bei der „ASLR“-Übung lag die Stabhochspringerin auf dem Rücken. Die Anweisung für die „TSPU“-Übung lautete, auf dem Bauch liegend den Körper als eine Einheit in die Liegestützposition zu stemmen. Die „Rotary Stability“ wurde im Vierfüßler-Stand über einem Brett absolviert.

Personal-Trainer Haki Kadria war mehr als zufrieden mit seinem Schützling. Mit einer Ausnahme gab es immer drei Punkte. Die Ergebnisse des international standardisierten Verfahrens seien objektiv und vergleichbar, meinte Kadria. Auch das Training mit den Hanteln sei „perfekt“ gewesen. „Ich bin jetzt gerade im Übergang zum normalen Training“, sagte Lisa Ryzih unserer Zeitung. „Allmählich möchte ich wieder ganz einsteigen und auf jeden Fall die Wintersaison bestreiten, die im Januar beginnt.“

Körper Regeneration geben

Wie ist die Verletzung passiert? „Jahrelanges Stabhochspringen“, lachte die 30-Jährige: „Ich hatte schon immer Probleme mit der Achillessehne. Jetzt muss ich mich um meine Genesung und Gesundheit kümmern. Nach 15 Jahren Sommersaison musste ich meinem Körper die nötige Regeneration geben.“

Ein Sportgerät kannte die Vize-Europameisterin beim Training mit Haki Kadria noch nicht. Das ganzheitliche Workout mit der „Slash Pipe“ verlangte auch ihr einiges ab. Die in verschiedenen Größen erhältlichen Röhren sind mit Wasser gefüllt und fordern, weil die Flüssigkeit in ständiger Bewegung ist, Muskulatur und Koordination gleichermaßen heraus. Und als die 30-Jährige beim Power-Rope-Training die dicken Seile tanzen ließ, kam sie ganz schön ins Schwitzen. „Es hat richtig Spaß gemacht hier“, meinte Lisa Ryzih, die nach den Übungen noch eine Yoga-Einheit mit Lehrerin Lena Lugunova absolvierte.

Wie überspringt man eigentlich 4,75 Meter, eine Höhe, die ein Lkw hat? „Zentimeter für Zentimeter“, gab sie lachend Antwort. Sie habe noch Videos, wo sie vor Jahren zum ersten Mal die zwei Meter übersprungen hat. Die nächsten zwei Jahre sind sehr wichtig für sie. Die Weltmeisterschaften 2019 und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio stehen an. „Ich lebe im Vier-Jahres-Zyklus. Nach Olympia ist vor Olympia. Ein Jahr lang arbeite ich an der Qualifikation. Dafür werde ich alles geben“, versprach die 30-Jährige nach den FMS-Übungen im Pfitzenmeier Resort.

Info: Weitere Bilder und ein Video vom Training gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional