Schwetzingen

Gedanken mit Maß

Gert Häusler über das Nonstop-Programm im Kopfkino

Derzeit stehen viele Gewissheiten auf dem Prüfstand und führen zu Fragen: Wird der Einbruch der Wirtschaft nur eine Delle sein und danach das Wachstum ungebremst weitergehen? Gibt es wieder ein breites und unbeschwertes Kulturleben mit gut besuchten Theatern, Kinos und Clubs? Können wir uns auf Sport in Stadien, Sportplätzen und Hallen freuen?

Chefredakteur Jürgen Gruler hat kürzlich von seinem Kopfkino geschrieben, als ihm an Schildern lustige Kombinationen von Namen und Berufen auffielen und er unwillkürlich an weitere Verbindungen denken musste. Als Kopfkino bezeichnet man ja die hauptsächlich in der eigenen Fantasie stattfindenden Geschehnisse. Jetzt schließen viele Kaufhäuser und andere Geschäfte dauerhaft und Innenstädte verlieren an Vielfalt. Der Treffpunkt Büro ist derzeit durch Homeoffice nur noch teilbesetzt. Solche Aussichten machen vielen Menschen zu schaffen.

Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Die einen protestieren – von friedlich bis lautstark und manchmal gewalttätig. Andere ziehen sich vermehrt in ihre eigene Welt zurück. Doch bei allen spielen sich dabei Szenen im Kopfkino ab und das hat, wie manch früher berüchtigtes Bahnhofskino, ein Nonstop-Programm. Bei allen Dauer-Programmen sollte man ja nicht abhängig werden: Sich immer mehr in trübe Gedanken zu vertiefen kann genauso schädlich sein wie eine dauernde Euphorie, denn beides spiegelt nicht das reale Leben wider. Neben der in manchen Fällen angeratenen ärztlichen Behandlung bieten auch Verhaltenstrainer Hilfen für ein lebendiges Gedankenprogramm an.

Ganz sicher zu empfehlen ist die Teilnahme am realen Leben. Hoffen wir, dass durch umsichtiges Verhalten aller dies in vertretbarem Maße möglich bleibt. Vielleicht ist dann statt Kopfkino hin und wieder auch richtiges Kino möglich.

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