Schwetzingen

Gefährliches Recycling

Gert Häusler freut sich über das Ende der Sommerferien

Jetzt bitte nicht falsch verstehen: Endlich geht die große Ferienzeit zu Ende. Ich meine damit nicht die freien Tage, die jedem zu gönnen sind. Es ist die damit verbundene, ganz spezielle, alljährliche Erscheinung des (zwangs-)finanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens: Endlose Wiederholungen von Serien und Filmen, selbst bei intensiver Suche kann man nur in Ausnahmefällen etwas Neues entdecken. Offenbar gehen die Programmgestalter bequemerweise davon aus, dass alle Welt in Urlaub ist und für den Rest der Daheimgebliebenen sich der Aufwand nicht lohnt.

Diese saisonale Zweit- oder Drittverwertung wird nach dem Beispiel der privaten Sender noch gekrönt durch die routiniert zusammengeschnipselten „Best of“-Sendungen. Mehr oder weniger bekannte „Promis“ garnieren diese Programmfüller. Zwischendurch erzählen sie ständig von ihren austauschbaren Erinnerungen und bringen oft gesehene Gags an. Die hier zu merkende nachlässige Einstellung der Programmgestalter kann in der Medienlandschaft gefährlich sein. Durch dieses zunehmende „Recycling“ werden kreativen Geistern wie Autoren, Regisseuren und Schauspielern die Arbeitsgrundlagen immer mehr entzogen. Damit trocknet aber das neugierig machende Angebot an neuen Sendungen zwangsläufig aus. Im Teufelskreis der Programme kommen dann dadurch statt der frischen künstlerischen Impulse noch mehr „Best of’s“ und Wiederholungen. Man sollte sich bei den Machern später nicht wundern, wenn die Zuschauer dann lieber „richtig“ im Urlaub wären – oder ganz ohne Ferienzeit – noch mehr zu Netflix & Co. abwandern. Dann stellt sich jedoch irgendwann die Gebührenfrage wieder ganz neu. Aber, so die Hoffnung, vielleicht können wir uns doch auf ein aktuelles und breitgefächertes Fernsehprogramm für gute Fernsehstunden freuen.

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