Schwetzingen

Evangelische Kantorei Vokalensemble, Solisten und Orchester führen Passionskantate von Carl Heinrich Graun auf / Konzert am Karfreitag in der Stadtkirche

Gegensätzliche Stimmungen stehen als Kontrast nebeneinander

Das Passionskonzert am Karfreitag, 19. April, um 17 Uhr in der evangelischen Stadtkirche steht ganz im Zeichen von Carl Heinrich Graun. Dieser galt neben Georg Philipp Telemann und Johann Adolf Hasse als einer der bekanntesten und renommiertesten Komponisten seiner Zeit und wirkte von 1740 bis zu seinem Tod 1759 am Hof Königs Friedrich II. in Berlin, schreibt Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer in einer Pressemitteilung.

Wie Carl Philipp Emanuel Bach steht Graun für den Übergang von Barock zur Klassik. Allgemein wird dieses Zeitalter als „Empfindsamer Stil“ bezeichnet, der die Betonung des Ausdrucks ins Zentrum stellt, gepaart mit einer Vielzahl tief empfundener Emotionen. Die Ästhetik ist typisch für einen Zeitgeschmack, in dem bewegenden Gefühlen nicht nur in der Kunst, sondern auch im Alltag Ausdruck verliehen wurde. Im Gegensatz zu den hochkomplexen und überfrachteten Werken des Barock sollten Kompositionen „Einfachheit und Natürlichkeit“ ausstrahlen – Eigenschaften, die in der philosophischen Auffassung der Aufklärung hoch geschätzt wurden. Die Komponisten wollten die Wirkung ihrer Musik verstärken, indem sie jedem Thema einen klar definierten, sogar übertrieben expressiven Charakter verliehen. Da der Effekt durch rasche Stimmungswechsel exponiert wurde, wurden gegensätzliche Stimmungen als Kontrast nebeneinander gestellt.

Seine Passionskantate „Der Tod Jesu“, eigentlich ein Oratorium und fünf Jahre nach Bachs Tod uraufgeführt, wurde bis 1884 bis auf wenige Ausnahmen jeden Karfreitag in Berlin durch die dortige Singakademie gegeben und in anderen deutschen und europäischen Städten gespielt.

Libretto von Carl Wilhelm Ramler

Zur Popularität des Werkes trug das Libretto des Berliner Dichters und Schauspieldirektors Carl Wilhelm Ramler bei, dessen Trilogie seiner geistlichen Kantaten zu den meistvertonten Kantaten beziehungsweise Oratorien der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts reüssierten.

Auf den biblischen Bericht und weitgehend auf eine dramaturgische Handlung wird verzichtet (Evangelisten, biblische Personen oder Turba-Chöre treten nicht auf). Die Texte der Choräle, Chorsätze, Rezitative und Arien sind aus der theologischen Perspektive jener Zeit zu sehen. Maßgebend dabei war die aufklärerische „Neue Theologie“ (Neologie). Diese neue theologische Schule lehrte die radikale Moralisierung des Christentums. Gefragt war die Erfüllung der christlichen Tugenden wie Nächstenliebe, Wohltun, Geduld und Verzeihen.

Grauns Musik folgt der Ramler’schen Intention. Choräle, Arien, Chorsätze und Rezitative wechseln in wohlgeordneten Proportionen einander ab. Graun erweist sich dabei mit seiner Vorliebe für Seufzerfiguren, Synkopen, Rhythmik und Harmonik als Neu-Töner, dessen Wurzeln aber hörbar im Barock liegen. Die hochvirtuosen Arien weisen mit ihren Koloraturen ins Italien des Belcanto wie auch in den musikalischen „Sturm und Drang“. Erst die Wiederentdeckung der Bach’schen Matthäuspassion durch Felix Mendelssohn Bartholdy verdrängte nach und nach das Graun’sche Werk.

Das Konzert gestalten sind das Schwetzinger Vokalensemble der Evangelischen Kantorei, die Solisten Josefa Kreimes, Astrid Bohm-Franz (Bild), Thomas Ströckens und Sören Lätsch sowie das Ensemble Operino mit Judith Portugall und Almut Werner mit Traversflöten unter der Leitung von Detlev Helmer.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. / dh

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