Schwetzingen

Aus dem Gericht  29-Jähriger verletzt anderen Autofahrer (20), weil dieser Schrittgeschwindigkeit fährt / Richterin hält Aussage des Geschädigten für glaubwürdiger

Geldstrafe und Fahrverbot für "Drängler"

Archivartikel

Schwetzingen/Hockenheim.


80 Tagessätze zu 40 Euro und zwei Monate Fahrverbot: Dieses Urteil wird dem Angeklagten wohl noch einige Zeit zu denken geben und anderen Autofahrern als Warnung dienen.
Was war passiert? Mitte August 2016 kam es laut Anklage auf der Karlsruher Straße in Hockenheim zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Autofahrern. Der 20-jährige Fahrer eines BMW aus Hockenheim befuhr in den Abendstunden die Geschäftsstraße vorschriftsgemäß mit Schrittgeschwindigkeit. Etwa auf halber Strecke der verkehrsberuhigten Zone bemerkte er den 29-jährigen Angeklagten aus Hockenheim, der ihm in seinem Pkw folgte und durch lautstarkes Hupen und Lichtzeichen auf sich aufmerksam machte.
Der 20-Jährige nahm zunächst an, dass an seinem Fahrzeug etwas nicht in Ordnung sei, hielt deshalb an und erkundigte sich bei dem Fahrer nach dem Grund seines Verhaltens. Nachdem ihm der Angeklagte zu verstehen gegeben hatte, dass er schneller fahren solle, entwickelte sich daraus zunächst eine verbale Auseinandersetzung, in deren Verlauf ihn der Angeklagte auf üble Art und Weise beleidigte. Der erste Teil des Geschehens endete schließlich am Auto des 20-Jährigen. Hier hielt ihn der Angeklagte schmerzhaft an den Oberarmen fest und drückte ihn gegen sein Fahrzeug. Allerdings brachten inzwischen andere Verkehrsteilnehmer hupend ihren Unmut zum Ausdruck, so dass die Kontrahenten voneinander abließen und ihre Fahrt fortsetzten. Dies tat der 20-Jährige wie zuvor in Schrittgeschwindigkeit, während ihm der Angeklagte folgte.
Bedrohlich nah aufgefahren


Nach dem Verlassen des verkehrsberuhigten Bereichs und zweimaligen Abbiegens in Seitenstraßen konnte der Geschädigte feststellen, dass ihm der Angeklagte weiter gefolgt war und auch wieder mehrfach mit Hupen und Lichtzeichen begonnen hatte. Zudem fuhr er mit seinem Fahrzeug einige Male von hinten bedrohlich nah auf. Der 20-Jährige hielt daraufhin an, um den Angeklagten erneut anzusprechen, damit dieser sein Verhalten einstelle. Dies führte in der Folge dazu, dass ihn der Angeklagte wiederum fortwährend massiv beleidigte und schließlich noch einen Schlag ins Gesicht versetzte. Erst nachdem der Geschädigte lautstark schrie, um Anwohner zu alarmieren, setzte sich der Angeklagte in sein Auto und fuhr davon.
Durch den Angeklagten und dessen Verteidiger wurde dagegen ein weitgehend anderer Geschehnisablauf geschildert. Hier wurde jegliche Gewalteinwirkung auf den Geschädigten in Abrede gestellt, zu Beleidigungen sei es ebenfalls nicht gekommen. Insbesondere sei der gesamte zweite Teil des geschilderten Geschehens nicht passiert. Das Ganze sei vielmehr dem Fahrverhalten des 20-Jährigen geschuldet. Dieser habe bei seiner Fahrt auf der Karlsruher Straße immer wieder angehalten, um Leute zu grüßen. Dies habe ihn zum Hupen veranlasst. Mehr sei von seiner Seite nicht ausgegangen. Allerdings habe er die Vermutung, so die Einlassungen des Angeklagten, dass der 20-Jährige alkoholisiert gewesen sei.
Bei seiner Anhörung als Zeuge beschrieb der Geschädigte detailliert das Geschehen. Er schilderte überaus glaubwürdig die Abläufe und unterstrich damit sämtliche Anklagepunkte. Den Vorwurf der Alkoholisierung wies er von sich und machte darauf aufmerksam, dass er, unmittelbar nach dem Geschehen, das nahegelegene Polizeirevier zur Anzeigenerstattung aufgesucht habe.
Der als Zeuge vernommene Hockenheimer Polizeibeamte gab zu Protokoll, dass der Geschädigte zunächst sehr aufgeregt gewesen sei, später aber ruhiger wurde. Eine Alkoholisierung habe er keinesfalls feststellen können. Danach wurde die Ehefrau des Angeklagten gehört. Ihre Aussage erbrachte keine neuen Inhalte.
In seinem Plädoyer sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Anklage in allen Punkten bestätigt. Er unterstrich die hohe Glaubwürdigkeit der Aussage des Geschädigten, ganz anders als die des Angeklagten. Er sah daher eine Gesamtstrafe von 90 Tagessätzen zu 50 Euro als angemessen. Zusätzlich forderte er ein Fahrverbot von zwei Monaten.
Verteidiger plädiert auf Freispruch


Der Verteidiger plädierte auf Freispruch für den Angeklagten. Er sah die Schuld seines Mandanten nicht bewiesen. Die Glaubwürdigkeit seines Mandanten sei höher als die des Geschädigten einzuschätzen.
In ihrem Urteil sprach Richterin Schrade den Angeklagten in allen Punkten schuldig und verurteilte ihn wegen Körperverletzung, Beleidigung und versuchter Nötigung. In ihrer Urteilsbegründung betonte sie, dass sie von den in der Anklage genannten Geschehnisabläufen überzeugt sei. Auch sie unterstrich die hohe Glaubwürdigkeit des Geschädigten. guefi

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