Schwetzingen

Hebel-Gymnasium Historikerin über Schreiben in Todesangst

Gemeinsam überleben

„Ein würdiges Erinnern an jene Werte, die Zeit, Tod und Verderben überwinden.“ Mit diesen Worten Vaclav Havels schloss Dr. Uta Jungcurt (Bild) ihren Vortrag über das „Schreiben in Gefangenschaft und Todesangst“ im Ghetto Theresienstadt. Religionslehrer Henning Hupe hatte die Historikerin in die Soli-AG des Hebel-Gymnasiums eingeladen.

Jungcurt, ehemalige Gymnasiallehrerin für Französisch, Geschichte, Ethik, Philosophie und Politik am Hölderlin-Gymnasium in Heidelberg, berichtete über Jugendliche, die in dem Ghetto heimlich Möglichkeiten nutzten, im Angesicht des Todes zu zeichnen, zu schreiben und zu musizieren – oft in Kellerräumen versteckt. Gefördert wurden sie von ebenfalls in das Ghetto deportierten Künstlern.

Im Geheimen bestaunt

So konnte Hans Krásars Kinderoper „Brundibár“, die in Theresienstadt etwa 50 Mal aufgeführt wurde, zum Hoffnungsträger werden: Symbolisch wurde hier der böse Bär Brundibár aus der Welt vertrieben. Ein Zeichen dieser Hoffnung waren aber genauso die Skizzen und Gedichte der Kinder, die in einer Schülerzeitung gedruckt, im Geheimen weitergereicht und bestaunt wurden.

Uta Jungcurt stellte den historischen Zusammenhang dar, einige Schüler lasen die Tagebucheinträge vor. Dabei wurde deutlich, wie künstlerische Verarbeitung und Solidarität helfen kann, gemeinsam in einer lebensfeindlichen Situation zumindest kurzzeitig zu überleben. Und so gilt heute noch, was Vaclav Havel mit dem Erinnern meint: Es gilt Werte zu schätzen, die selbst den Tod überwinden und so eine Zukunft öffnen können. / bs

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