Schwetzingen

Lutherhaus Konfirmanden nehmen an Kampagne „Platz für Asyl in Europa“ in Themengruppen teil

Goldener Stuhl als Symbol

Archivartikel

Pinsel in verschiedenen Größen, Farbtuben, dickflüssiger Kleister und andere Bastelmaterialien lagen schon bereit, als die Konfirmanden vergangenen Mittwochnachmittag ins Lutherhaus kamen. Nur die alten, abgenutzten Stühle in der Mitte des Raumes wollten nicht so recht ins Bild passen. Wofür mochten die wohl sein? Die Antwort darauf gab Tatjana Briamonte-Geiser, Beauftragte für Flucht und Migration in den Bezirken Ladenburg und südliche Kurpfalz.

Die Jugendlichen durften die Stühle in Kleingruppen zu Themen wie Menschenrechte, Hoffnung, Friede oder Gleichberechtigung nach Herzenslust verzieren und gestalten. Sie nahmen damit an der Kampagne „Platz für Asyl in Europa“ teil, die im Hinblick auf die Europawahl sichtbar machen will, dass hierzulande Platz für Menschen ist, die vor Krieg, Verfolgung und Elend fliehen. „Am 15. Mai werden die Stühle aus ganz Baden-Württemberg nach Stuttgart auf den Marktplatz gebracht. Geistliche, Politiker und Künstler werden vor Ort sein und sich die Werke anschauen“, erklärte Briamonte-Geiser. Die Idee für den „Asylstuhl“ kam vom Diakonischen Werk und der Caritas. Die evangelische Landeskirche schloss sich dem Projekt begeistert an.

Neben Konfirmationsgruppen machen auch Kindergärten und Asylkreise bei der Aktion mit und bemalen fleißig Sitzplätze. „Wir werden ungefähr dreißig Stühle aus meinen Bezirksgruppen haben, die ich dann mit einem Kleinlaster nach Stuttgart fahre“, meinte Briamonte-Geiser. „Wir setzen mit den Stühlen ein Zeichen gegen den Rechtsruck. Ich finde es super, dass gerade junge Menschen sich so mit dem Thema Flucht auseinandersetzen. Die Menschenrechte, zu denen auch das Recht auf Asyl gehört, stehen dabei im Vordergrund.“ Nach der Europawahl sollen die Stühle aber nicht einfach weggeschmissen werden – in Gottesdiensten und Kirchengemeinden sollen sie weiter an die geflüchteten Menschen erinnern. In Nußloch wurden die ersten Asyl-stühle zum Beispiel am 17. Februar in einem Gottesdienst vorgestellt. Auch Gemeindediakonin Margit Rothe, die einen Teil der Konfirmanden betreut, findet die Aktion unterstützenswert: „Die Kampagne wirkt sich auf das ganze Land aus. Sie geht von der Basis hoch auf die Bevölkerung und die Politiker, die so auf die Problematik aufmerksam gemacht werden. Der Stuhl ist ein gelungenes Symbol für die Platzfrage.“

Menschenrechte lesbar

Fleißig werkelten die Jugendlichen an ihren Stühlen und klebten, schnitten und pinselten, was das Zeug hält. „Wir haben uns das Thema goldene Regel ausgesucht, also ,Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst‘“, erklärte Konfirmandin Zoe Schwarz. „Jede Religion sagt im Kern das Gleiche. Krieg wegen der Glaubensfrage finde ich unnötig.“ Sie wickelte die Stuhlbeine in Goldpapier, während Lenny Steidl gerade die Sitzfläche mit glitzernder Goldfarbe anmalte. Phillipp Gläß, Fynn Fanghänel und Simon Kimmel widmeten ihren Asylstuhl den Menschenrechten. „Der Stuhl hat früher einmal dem Phillipp gehört“, sagte Simon. „Ja das stimmt“, entgegnete sein Freund. „Jetzt kleben an der Lehne in verschiedenen Farben die Menschrechte. Da kann jeder sie lesen.“

Im Nebenraum zückte Julia Höfner gerade einen schwarzen Edding. „Ich schreibe auf unseren Stuhl das Wort Hoffnung in verschiedenen Sprachen“, schilderte sie. „Hoffnung ist für mich sehr wichtig. Mir sind direkt viele Ideen gekommen, wie der Sitz am Ende aussehen könnte.“ Leonie Retzlaff und Tabea Herrmann wendeten sich dem Thema Gleichberechtigung und gleichgeschlechtliche Ehe zu. Mit einem rosafarbenen Schal, einer Krawatte und einem Schleier aus Spitze, die sie um die Lehne ihres Stuhles wanden, wollen sie zeigen, dass es vollkommen normal ist, wenn Männer andere Männer und Frauen andere Frauen heiraten. Der Schleier stehe dabei für die Hochzeit.

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