Schwetzingen

Katholischer Kirchenchor Unsere Zeitung begleitet eine Präsenzprobe in St. Maria / Das Zwischenmenschliche fehlt

Große Freude: Sie dürfen wieder singen

Archivartikel

„Allmählich wurde uns bewusst, wie sehr uns die Chorproben fehlen“ – so beschreibt Sigrid Oehl, Vorsitzende des Katholischen Kirchenchors St. Pankratius, gegenüber unserer Zeitung die Situation der vergangenen Monate. Im Zuge der Corona-Verordnungen mussten sämtliche Aktivitäten der Chöre ausfallen, auch die Proben. „Zunächst fügten wir uns und dachten, na ja, wir machen es uns mittwochs zu Hause vor dem Fernseher gemütlich. Diese Phase hielt nicht lange an. Die Sehnsucht nach den Proben wuchs.“

Seit dem 1. Juli haben die Verbote nun ein Ende. Es darf wieder geprobt werden. „Die Freude darüber war sehr groß, sowohl bei mir, aber auch beim gesamten Chor“, sagt Oehl. „Zunächst hatten wir Bedenken, dass vielleicht einige Chormitglieder nicht kommen werden. Doch alle sind wiedergekommen“, ist ihre persönliche Begeisterung im Gespräch sofort zu spüren.

Natürlich müssen alle die Vorgaben akzeptieren: Der Proberaum im Josefshaus kann nicht genutzt werden, es wird in der Kirche geprobt, weil hier die Abstände gewährleistet sind.

Unsere Zeitung ist in St. Maria mit dabei: Vor dem Betreten der Kirche müssen die Hände desinfiziert werden und es herrscht Maskenpflicht, bis alle auf ihren Plätzen sitzen. „Was uns dennoch fehlt, ist die Nähe, das Zwischenmenschliche, das die Chormitglieder bei uns so gewohnt sind“, bedauert die Vorsitzende, die zudem mit ihrer strahlenden Sopranstimme schon seit Jahren die Solopartien bereichert, „aber wir sind auch so froh, dass alles wieder funktioniert.“

Ein Lieblingshobby

Friedrich Georg Abel singt seit 54 Jahren als Solist von Format im Bass mit. „Für mich war es während der Zwangspause nicht ganz so schwierig“, gesteht der klassisch ausgebildete Sänger, „ich habe auch allein gesungen und täglich geübt. Für die Stimme ist das absolut wichtig.“ Was ihm jedoch gefehlt hat, war natürlich die Gemeinschaft, das Singen im Chor ist eines seiner Lieblingshobbys und die wöchentlichen Probenbesuche sind für ihn ein wichtiges Ritual.

Gabriele Martus ist ebenfalls schon seit 50 Jahren im Kirchenchor. Als sie erfuhr, dass die Zwangspause vorbei ist, war sie sofort wieder dabei, die probenfreie Zeit war sehr schwer für sie. Neben dem Gesang haben ihr Chor und die regelmäßigen Treffen sehr gefehlt, „vor allem das Miteinander“, wie sie hervorhebt.

Gerda Gaisbauer sang 53 Jahre lang im Kirchenchor Brühl, davon 35 Jahre zusammen mit Rosemarie Bähnck, „wir saßen stets nebeneinander“, beschreibt sie jene Zeit. Nach der Auflösung des Brühler Chors 2017 erkannten beide, wie sehr ihnen das Singen im Chor fehlt. „Zum Glück“, sagen sie, „gibt es den Kirchenchor in Schwetzingen, wir sind hier mit offenen Armen empfangen worden.“ Keine einzige Minute haben sie ihre Mitgliedschaft bereut, vor allem bei einem Chor, „der so schön singt wie dieser, dirigiert von einem Mann, der einfach eine Offenbarung ist“.

Dieser Mann ist kein geringerer als Professor Dr. Stefan Zöllner-Dressler, der schon über 25 Jahre den Chor leitet und ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist: ein großartiger Klangkörper. „So ganz ohne Probe ging es auch während des Lockdown nicht“, erzählt er. „Zunächst haben wir über Zoom per Video geprobt. Ich dachte, na ja, da werden nur einige mitmachen. Es war erstaunlich, dass 30 Leute bei diesen Online-Proben dabei waren. Zudem haben wir CDs verteilt, wo jedes Chormitglied seine eigene Stimme bekommen hat und üben konnte. So fügten sie sich problemlos im Gesamtchor ein.“

Ihm war wichtig, über eine gewisse Flexibilität zu verfügen, worauf man nach der Sommerpause dann wieder zurückgreifen kann. Dass nun wieder Präsenzproben stattfinden, hat ihm sehr zugesagt, „ich war froh, wieder rauszugehen aus dem Zimmer“.

„Sehr, sehr schön!“

Ein bestimmtes Ziel hat der Chor leider nicht, so der Dirigent, man weiß ja nicht, wie sich die Lage entwickelt, „doch proben wir Stücke, die im Gottesdienst an Weihnachten, aber auch an Ostern passen würden“. Während er mit den Sängerinnen und Sängern Teile der „Orgelsolomesse“ von Mozart und das Choral „Pacem“ von Lee Dengler einstudierte, war zu erkennen, in welch fabelhaft guter Verfassung sich der Chor immer noch befindet.

Nach Lockerungsübungen und einem kurzen Einsingen gewannen die Passagen immer deutlicher an Kontur. Dabei hat der erfahrene Chorleiter alle Stimmen – Alt, Bass, Tenor, Sopran – im Blick, erklärt, vertieft und feilt an Details. Der Chor bewältigte seine Anforderungen mit Bravour, so dass der Dirigenten schließlich zufrieden ausrief: „Das war nun wirklich sehr, sehr schön!“

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